Kind auf Erkundung im Weizmann Institut für Wissenschaft. Foto Tamar Hayardeni. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons .

Die Räume, die man sonst nur als Oasen der Stille kennt, die nur manchmal vom leisen Rauschen, Pfeifen oder Klicken eines Messgerätes unterbrochen wird sind erfüllt von hellem Kinderlachen.

Fragen und Hinweise werden ausgetauscht, Selfies werden vor dem perfekten Regenbogen gemacht, die Augen werden immer grösser! Auf mehr als 10.000 m2 laden 80 Objekte dazu ein, sie zu berühren, zu bewegen, zu verändern. Was bewirken Wind, Wasser und Sonne, welche Rolle spielen die Gesetze der Physik in der Natur? Welchen Druck übt eine grosse Welle aus?

Vor mehr als zehn Jahren eröffnete dieses grösste Freiluft Wissenschaftsmuseum auf dem Campus des Weizmann Institutes in Rehovot seine Türen, mehr als 60.000 Besucher aller Altersgruppen kommen jährlich.

Geführt werden sie in den Ferien und an den Feiertagen von Schülern im Alter von ca. 15 Jahren. Als Vorbereitung auf diese Freiwilligenarbeit müssen sie einen Intensivkurs absolvieren, der sie nicht nur mit der Ausstellung vertraut macht, sondern auch spezielle Einschulungen im Bereich Didaktik anbietet. Der Kurs ist kostenlos, der „Gegenwert“ sind 60 Arbeitsstunden.

Am „Davidson Institut“ finden interessierte und entsprechend begabte Schüler zweimal pro Woche ein vor-akademisches Betätigungsfeld. Auch hier wird Physik „zum Anfassen“ gelehrt. Chajim Harari, Präsident des Institutes ist überzeugt: „Schüler sollten nicht nur das lernen, was im 18. Jahrhundert entdeckt wurde. Du kannst Pop-Musiker werden, ohne ein einziges Mal Mozart gehört zu haben. Aber du kannst kein Physiker werden, wenn du Newton nicht kennst.“ Am hiesigen Institut wird angewandte und anwendbare Physik erforscht und gelehrt, die Grundlagen, so Harari, müssen aber nach wie vor in den Schulen gelegt werden.

Es ist nicht verwunderlich, dass einige der Studenten am Weizmann Institut auf diese Art ihre Karriere auf dem Campus begonnen haben.

2500$ kostet das Studium pro Jahr. Den Studierenden ist es untersagt, während des akademischen Jahres zu arbeiten. Jedoch gibt es eine Ausnahme. Das Weizmann Institut hat das Tutoring Programm „Perach“ 1974 installiert und wurde im Jahr 2008 dafür mit dem Israel Preis ausgezeichnet.

Bei diesem Programm betreuen Studierende Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien, mit niedrigem Bildungsstand. Jeweils ca. 20% der Kinder stammen aus Einwandererfamilien und aus arabischen Familien. Auch Kinder und Jugendliche, die auf Grund ihrer Vorgeschichte in die Kriminalität abzugleiten drohen, werden betreut und gefördert. In vielen Fällen reicht schon die Vorbildfunktion der Studenten aus, um den von ihnen betreuten ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten erfolgreich aufzuzeigen.

Das Programm wurde nicht nur von allen Universitäten und zahlreichen Gymnasien in Israel übernommen, sondern fand auch Eingang in andere Länder. Bisher nahmen ca. 25.000 Studenten an diesem Programm teil. „Wir haben so das Leben von einer Million Menschen berührt“, sagt Harari stolz. Damit ist jeder achte Israeli schon in Kontakt mit dem Forschungsinstitut gekommen.

Und die Studenten haben damit die Hälfte ihrer Studiengebühren gespart.

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