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Ausländische Regierungen, überlegt und strategisch handelnd, gründen Dutzende von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die eine florierende Anti-Israel-Bewegung innerhalb Israels selbst bilden. Diese Bewegung repräsentiert weder den Willen des israelischen Volkes, noch bemüht sie sich, als legitime politische Opposition zu agieren. Stattdessen ist sie ein orchestrierter Versuch von ausserhalb Israels, den Grundcharakter des jüdischen Staates zu verändern. Die Bemühungen sind eine neue Taktik im alten Krieg gegen das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung.

Nichtisraelis gehen oft davon aus, dass Israelis die Verantwortung für den Umgang mit dem Zionismus – und deshalb auch mit dem Antizionismus – übernehmen können und sollten. Doch diese Annahme ignoriert eine grundlegende Verschiebung im Gleichgewicht zwischen den antizionistischen Kräften. Die Hauptarena hat sich von einem physischen Kampf, entweder zwischen Nationalstaaten oder unter den Israelis selbst, zu einer Schlacht um die Legitimität der Existenz Israels verschoben, eine Strategie, die auf einer im Jahr 2001 abgehaltenen UN-Konferenz in Durban, Südafrika, entstand.

Da der Kampf nicht mehr physisch stattfindet, ist die internationale finanzielle Unterstützung kritisch geworden. Zwischen 2006 und 2010 überwiesen europäische Regierungen rund 20 Millionen Dollar an die 15 radikalsten antizionistischen Organisationen, die in Israel operieren. In Amerika hat der New Israel Fund (NIF), mit einem Budget von 34 Millionen Dollar im Jahr 2010, 92 Prozent der israelischen Gruppen finanziert, die die Israelischen Streitkräfte anklagten, die im Goldstone-Bericht unterstellten Kriegsverbrechen begangen zu haben.

Insgesamt erhalten Stiftungen und Organisationen, die versuchen, die grundlegende Natur Israels zu verändern, ungefähr 100 Millionen Dollar im Jahr aus Quellen ausserhalb Israels. Diese Organisationen beeinflussen den öffentlichen Diskurs in der akademischen Welt, in der Kultur, dem Rechtssystem, der Wirtschaft und den Medien.

New Profile, eine israelische NGO, die in den Jahren 2009‒2010 von der deutschen Brot-für-die-Welt-Stiftung 137’870 Dollar erhielt, ermutigt zur Wehrdienstverweigerung. Schorvrim Schtika, der die britische Regierung im Jahr 2010 135’570 Dollar überwies, besudelt das Bild der IDF und ihrer Soldaten. Die Vereinigung für Bürgerrechte in Israel, mit 71’200 Dollar von der belgischen Regierung, 69’300 Dollar von der britischen Regierung und 489’190 Dollar vom NIF bedacht, argumentiert, dass ein jüdischer Nationalstaat per Definition ein rassistischer Staat sei. B‘Tselem, eine international bekannte, oft zitierte NGO, die Hunderte von Tausenden von Dollar von der EU, der niederländischen Regierung, der norwegischen Botschaft und der Ford Foundation erhalten hat, hat wiederholt das Völkerrecht verdreht, Statistiken verzerrt und Lügen über die IDF aufrechterhalten.

In der akademischen Welt hält das Gilo Center for Citizenship, Democracy and Civic Education der Hebräischen Universität, das im Jahr 2007 von der Gilo Family Foundation 200 000 Dollar und zusätzliche Mittel aus der EU und dem Norway Fund erhielt, einseitige Konferenzen ab, vergibt Stipendien an gleichgesinnte Studenten und bemüht sich darum, sicherzustellen, dass die nächste Generation von Wissenschaftlern die gewünschten Ansichten teilt. Es ist kein Zufall, dass acht von neun Professoren für Politikwissenschaft an der Ben-Gurion-Universität offen antizionistische Positionen unterstützen.

Eliteanwälte, die eine antizionistische Ideologie teilen, werden vom NIF durch dessen Israel-US Civil Liberties Law Program gepflegt, das von Ha‘aretz als eine „entscheidende“ Initiative beschrieben wird, die „das Gesicht des öffentlichen Rechts in Israel verändert“ hat. Das Programm platziert Anwälte in Dutzenden von antizionistischen NGOs und dem Büro des Staatsanwaltes, das bei der letzten Zählung 55 der Alumni des Programms hielt. Somit sind in einigen Bürgerrechtsfällen die Kläger und Angeklagten austauschbar: beide befürworten die NIF-Agenda.

Das Problem liegt darin, dass keine gegnerische Stimme zu hören ist, dass es niemanden gibt, um  dem stellvertretenden Geschäftsführer des NIF in Israel zu antworten, der eine arabische Mehrheit im Land für eine gute Idee hält, die Israel demokratischer machen würde. Die meisten zionistischen Organisationen sind nicht gerüstet, dieser strategischen Herausforderung, die die Identität des einzigen jüdischen Nationalstaates bedroht, gegenüberzutreten.

Diejenigen, die den jüdischen Staat bewahren wollen, müssen die Art und Weise ändern, in der sie die ihnen zur Verfügung stehenden Geldvermögen nutzen. Zionistische Philanthropen sollten sich nicht nur auf Projekte konzentrieren, die gesellschaftliche Bedingungen verbessern, ohne eine Rolle im derzeitigen Kampf um Israel zu spielen. Sie müssen damit beginnen, das Geld strategisch auszugeben, um den Einfluss der Antizionisten im kulturellen Kampf zu neutralisieren. Sie sollten ihr Geld verwenden, um kompromisslos gegen die antizionistischen Organisationen zu kämpfen, die die Kampagne zur Delegitimierung Israels im In- und Ausland anführen. Zudem sollten sie ihre Mittel benutzen, um eine proisraelische Avantgarde in Israel aufzubauen, die unterstützt von und ausgebildet in zionistischen Prinzipien und Werten wird, sodass sie sich erfolgreich denjenigen widersetzen kann, die versuchen, Israel zu schaden.

Die Stärke eines Landes wird nicht durch die Anzahl seiner Panzer und Flugzeuge oder das Geld auf seinen Bankkonten gemessen, sondern durch die Bereitschaft seines Volkes, ihr Schicksal an das der Nation zu binden. Die Tragödie der vorzionistischen Juden, sagte Herzl, war: „uns fehlt der Glauben an uns selbst“. Daher prophezeite er: „Am selben Tag, an dem wir an uns selbst glauben werden, wird unsere Not enden.“ Die Prüfung unserer Generation wird sein, ob wir diesen Glauben an die Richtigkeit unseres Weges erneuern können.

Ronen Shoval ist Gründer und Vorsitzenden von Im Tirtzu.

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von Jewish Ideas Daily.

Kurzfassung der originalversion: Strategic Investment in Israel’s New War by Ronen Shoval © Jewish Ideas Daily, October 10, 2012.

2 KOMMENTARE

  1. Brot für die Welt, wie gut kann ich mich an die Spendenbeutel erinnern, die in der Vorweihnachtszeit an allen Schulen in Deutschland auflagen – Geld sammeln für hungernde Kinder in Afrika. Das war die Aufgabe, dafür wurde gespendet.
    Und nun dies: Brot für die Welt bekämpft als Teilorganisation von „Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung nicht mehr nur den Hunger in der Welt, sondern gibt sich friedensstiftend.
    Die Vernetzung von Brot für die Welt – hier nur als ein Beispiel unter vielen – deckt wirklich alles ab:
    Gemeinsam mit medico international, Misereor, terre des hommes und der Welthungerhilfe treten sie als Bündnis Entwicklung Hilft auf.
    In Palästina (!) gibt es aktuell zwei Projekte. Theater für Kinder in Jenin und Soforthilfe für Krankenhäuser in Gaza. Dieses Projekt läuft gemeinsam mit einer israelischen NGO „Ärzte für Menschenrechte in Israel“. Dass Israel unbürokratische Ausreisebewilligungen für notwendigen Operationen und Behandlungen in israelischen Krankenhäusern erteilt, interessiert die Gutmenschen nicht. Unter vielen namenlosen war der letzte prominente Patient der Schwager von PM Ismail Haniyeh. Haniyeh war sich dann nicht zu blöde, einige Tage nach der erfolgreichen OP schon wieder in gewohnter Manier gegen Israel zu hetzen.
    Im EU Raum, wo sich ganz besonders viele Gelder generieren lassen, bilden sie gemeinsam mit Christian Aid UK, Church of Sweden, Dan Church Aid, Diakonia, EED, Finn Church Aid, HEKS-EPER, Kerk in Actie, Norwegian Church Aid die NGO Aprodev, die sich, wenn man die Homepage genau studiert, implizit für eine Einstaatenlösung einsetzt und offensichtlich noch nicht mitbekommen hat, dass Gaza bereits im Jahr 2005 komplett übergeben wurde.
    Auffallend bei Aprodev ist zweierlei:
    Vertreten sind die u.a. die Kirchen jener nordeuropäischen Staaten, die sich derzeit als ganz besonders antisemitisch erweisen: Dänemark, Norwegen und Schweden.
    Vertreten ist aber auch die schweizerische HEKS, die ganz besondere Beziehungen zum BDS movement hat, und in der Schweiz den Warenboykott von Produkten aus dem Westjordanland in der MIGROS und im COOP initiiert hat. Unterstützung erhalten sie jederzeit von zwei jüdischen Gruppierungen, die aus der Schweiz antiisraelisch agieren: Human rights in Israel, Jews for PaleChristian Aid UK, Church of Sweden, Dan Church Aid, Diakonia, EED, Finn Church Aid, HEKS-EPER, Kerk in Actie, Norwegian Church Aidstine und wiederum enge Beziehungen zu medico international haben.
    Betrachtet man die Projekte, gleich welcher NGO, kritisch, und beobachtet sie über einen längeren Zeitraum hinweg, kann man nur zu dem Schluss kommen: da werden Gelder verschleudert, die Nachhaltigkeit ist nicht gegeben und schlimmer als das. Nachdem die Organisationen mehrheitlich pro-palästinensisch und anti-israelisch sind, ist die Berichterstattung entsprechend und verursacht ein negatives Bild Israels.
    Es braucht Menschen wie Ronen Shoval und seine Gruppe, die an Israel glauben und sich durchaus gegen diese Art von übergestülpter Zwangsbeglückung wehren.

    • …und Menschen wie Sie, die sich für eine Faktentreue und Hintergründe einsetzen! Danke Esther für diese Angaben.

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