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Israel begeht den Yom HaShoah und gedenkt der sechs Millionen ermordeten Juden

Das Land kam während einer zweiminütigen Sirene zu Ehren der sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden zum Stillstand; Netanjahu legt in feierlicher Ehrung einen Kranz in Yad Vashem nieder.

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Am Yom HaShoah vor dem Mahane Yehuda Markt in Jerusalem am 24. April 2025 Foto: Arie Leib Abrams/Flash90.
Am Yom HaShoah vor dem Mahane Yehuda Markt in Jerusalem am 24. April 2025 Foto: Arie Leib Abrams/Flash90.
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Am Donnerstagmorgen kam Israel zum Stillstand, als um 10 Uhr landesweit eine zweiminütige Sirene ertönte, um den Holocaust-Gedenktag (Yom HaShoah) zu signalisieren.

Fussgänger blieben stehen, Autofahrer stiegen aus ihren Fahrzeugen aus und der öffentliche Nahverkehr kam zum Stillstand – eine eindrucksvolle Demonstration der kollektiven Erinnerung an die sechs Millionen Juden, die im Holocaust ermordet wurden.

Premierminister Benjamin Netanjahu nahm im Rahmen der offiziellen staatlichen Gedenkfeier an einer Kranzniederlegung in Yad Vashem in Jerusalem teil. Die Veranstaltung zu Ehren der Märtyrer und Helden des Holocaust wurde von führenden Regierungsvertretern, Würdenträgern und Holocaust-Überlebenden besucht.

Der 1951 eingeführte Yom HaShoah wird jährlich am 27. Nissan begangen. Die Tradition der Sirenen begann in den 1960er Jahren und hat sich zu einem der wichtigsten nationalen Rituale Israels entwickelt, die das Land in Erinnerung und Besinnung vereint.

„Wir verneigen uns in Gedenken an die Opfer“, sagte Netanjahu während der Zeremonie. “Ihr Vermächtnis verpflichtet uns, unsere Existenz zu verteidigen und dafür zu sorgen, dass nie wieder wirklich nie wieder bedeutet.“

Öffentliche Zeremonien, Bildungsprogramme und Berichte von Überlebenden finden den ganzen Tag über in ganz Israel und in jüdischen Gemeinden weltweit statt.

Der 93-jährige Holocaust-Überlebende Gad Fartouk entzündete am Mittwochabend während der offiziellen staatlichen Gedenkfeier Israels zum Holocaust-Gedenktag eine von sechs Gedenfackeln in Yad Vashem in Jerusalem.

Bevor er die Flamme entzündete, sprach Fartouk ein inniges Gebet: „Mögen alle Geiseln bald nach Hause kommen. Amen.“

Laut Yad Vashem wurde Fartouk 1931 in Nabeul, Tunesien, in eine gläubige jüdische Familie mit engen Familienbanden geboren. Seine Kindheit war geprägt von der friedlichen Koexistenz zwischen jüdischen und arabischen Nachbarn – eine Atmosphäre, die 1942 durch die Besetzung durch die Nazis zerstört wurde. Nachdem sein Vater nach dem Sabbatgottesdienst verhaftet worden war, floh die Familie unter falscher Identität nach Hamam-Lif. Seine Mutter starb während des Krieges, und die Familie litt bis zum Rückzug der Deutschen 1943 unter Hunger, Angst und Trennung.

Fartouk wanderte schliesslich 1948 nach Israel aus, half beim Aufbau des Kibbuz Karmia und wurde später Fotograf in Aschkelon. Mit seiner verstorbenen Frau Mona zog er eine grosse Familie gross – seiner Meinung nach seine Art, sich den Nazis zu widersetzen.

Die diesjährige Zeremonie stand unter dem Motto: „Mit ihrem Tod haben sie uns geboten zu leben: Zeugnis ablegen, gedenken und wiederaufbauen.“ Fartouk wurde von fünf weiteren Überlebenden begleitet, die ausgewählt worden waren, um die Gedenfackeln zu entzünden: Rachel Katz, Arie Reiter, Felix Sorin, Monika Barzel und Arie Durst.

In seiner Rede sagte der israelische Präsident Isaac Herzog:

„Von diesem Berg der Erinnerung, Yad Vashem, erklären wir: Wir werden nicht vergessen, wir werden nicht vergeben und wir werden nicht schweigen. Nicht gegenüber der Hamas, nicht gegenüber dem Iran und nicht gegenüber denen, die uns Böses wollen – sei es mit Raketen, Macheten oder Lügen.“

Die Zeremonie endete mit Gebeten, die von den Holocaust-Überlebenden Eva Erben und Yehuda Hauptman geleitet wurden, darunter „El Malei Rachamim“ und „Kaddisch“, gefolgt vom Singen der israelischen Nationalhymne „Hatikvah“.

In Israel leben 120.507 Überlebende des Holocausts. Das hat die Holocaust Survivors Rights Authority (Behörde für die Rechte der Überlebenden des Holocaust) am Mittwochabend in Jerusalem bekannt gegeben. Nach Angaben des Nationalen Versicherungsinstituts erhalten 118.810 Holocaust-Überlebende Leistungen wie Altersrenten, Einkommenszuschläge, Pflege- und Hinterbliebenenbeihilfen. Von den Anspruchsberechtigten erhalten 73,3 Prozent Pflegegeld.

Weltweit leben noch etwa 220.800 Überlebende des Holocausts, wie die Claims Conference am Dienstag in ihrem aktuellen Bericht „Verschwindende Zeugen“ festgestellt hat. Die Claims Conference, ein Zusammenschluss jüdischer Organisationen, vertritt seit ihrer Gründung 1951 Entschädigungsansprüche jüdischer Opfer des Nationalsozialismus und Holocaust-Überlebender.

Das Durchschnittsalter der Überlebenden beträgt laut Claims Conference 87 Jahre. Über 1.400 der Überlebenden sind mehr als 100 Jahre alt. Dazu zählen Nechama Grossman (110) und Mirjam Bolle (108), die zu den ältesten Holocaust-Überlebenden gehören. In Deutschland sind es Margot Friedmann (103) und Albrecht Weinberg (100). Die Claims Converence geht davon aus, dass bis zum Jahr 2035 nur noch rund 66.250 Holocaust-Überlebende leben werden.

„Dieser Bericht unterstreicht die Dringlichkeit unserer Bemühungen zur Aufklärung über den Holocaust“, erklärte Gideon Taylor, Präsident der Claims Conference. „Jetzt ist es an der Zeit, Zeugnisse von Überlebenden aus erster Hand zu hören und sie einzuladen, in unseren Klassenzimmern, Gotteshäusern und Institutionen zu sprechen. Es ist von entscheidender Bedeutung, nicht nur für unsere Jugend, sondern für Menschen aller Generationen, direkt von Überlebenden des Holocaust zu hören und zu lernen.“

KNA/lau/joh/Aud

1 Kommentar

  1. Israel gilt meine ganze Sympathie.Aber erstmals, wenn auch leise, haben sich palästinensische Stimmen gegen die Hamas erhoben.Helft diesen Menschen im Rahmen Eurer Möglichkeiten.

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