Start Audiatur Exklusiv Tuvia Tenenbom über Judäa und Samaria: «Entschuldigung, gehört das Ihnen?»

Tuvia Tenenbom über Judäa und Samaria: «Entschuldigung, gehört das Ihnen?»

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Foto Screenshot Israel National News - Arutz Sheva / Youtube
Foto Screenshot Israel National News - Arutz Sheva / Youtube
Lesezeit: 4 Minuten

Für sein neues Buch lebte Tuvia Tenenbom acht Monate lang in verschiedenen Ortschaften in Judäa und Samaria. Im Gespräch mit Arutz Sheva schildert er, was ihn dort überrascht hat, was er an den Bewohnern bewundert und warum ihn vor allem eine Frage umtreibt: Gehört dieses Land Israel – oder nicht?

Tuvia Tenenbom hat für sein neues Buch «Excuse Me, Is This Yours?“ mehrere Monate in jüdischen Ortschaften in Judäa und Samaria verbracht. Im Gespräch mit Arutz Sheva erklärte er, wie das Buch entstand und welche Eindrücke er während seines Aufenthalts gewonnen hat.

Nachdem er bereits mit Europäern, Haredim und Muslimen gelebt und über sie geschrieben hatte, entschied sich Tenenbom diesmal, in eine Gemeinschaft in Samaria zu ziehen und über das Leben in den Ortschaften von Judäa und Samaria zu schreiben. Dabei äussert er neben seiner Bewunderung für die dortigen Bewohner auch Kritik.

Nach seinen Angaben entstand das Buch – wie schon frühere Arbeiten – auf Anregung seines Herausgebers. Dieser habe ihm vorgeschlagen, über die Bewohner von Judäa und Samaria (sog. Westjordanland, Anm.d.Red.) zu schreiben, ähnlich wie bei früheren Projekten, bei denen er sich in verschiedene Gemeinschaften begeben und über sie schreiben sollte.

Tenenbom beschreibt als Besonderheit seiner Arbeitsweise, dass er jeweils längere Zeit in der Gemeinschaft verbringt, über die er schreibt. Anders als Journalisten, die nur wenige Stunden in einem bestimmten Milieu verbringen und dann darüber berichten, zieht er mit seiner Frau jeweils direkt in das Umfeld ein, das Gegenstand seines Buches ist. Im Fall von Judäa und Samaria lebten die Tenenboms nach seinen Worten acht Monate lang in verschiedenen Ortschaften und wechselten alle zwei Wochen den Ort, um Menschen, Landschaften, Gespräche, Essen und Geräusche aufzunehmen.

Auf die Frage, was ihn in dieser Zeit überrascht habe, nennt Tenenbom zunächst die kurzen Distanzen. Diese hätten ihm gezeigt, wie klein diese Region tatsächlich sei. Aus seiner Sicht verstünden jene, die sich für «zwei Staaten für zwei Völker» einsetzten, die Realität nicht, weil sie nicht erkannten, dass es sich um ein kleines Land handle, das nicht geteilt werden könne.

Zugleich habe ihn beeindruckt, dass Israel Judäa und Samaria seit fast sechzig Jahren kontrolliere, seine Souveränität über das Gebiet aber bis heute nicht angewandt habe. Für ihn stellt sich die Lage so dar: Wenn das Land zu Israel gehöre, gebe es keinen Grund, die Souveränität nicht anzuwenden. Wenn es nicht dazugehöre, dann solle Israel das Gebiet verlassen.

Gegenüber Arutz-Sheva erklärt Tenenbom, er habe rechte Knesset-Abgeordnete und Minister mit genau dieser Frage konfrontiert. Man habe ihm dort gesagt, dass es aus verschiedenen Gründen keinen echten Wunsch gebe, das Gebiet zu annektieren. Daraus leitet sich auch der Titel seines Buches ab: «Excuse Me, Is This Yours?» So stelle sich ihm die Frage, wie es sein könne, dass Araber schnell mehrstöckige Häuser bauten, um die Kontrolle über das Land zu übernehmen, während jüdische Häuser oft nicht mehr als Wohnwagen oder baufällige Strukturen seien.

Auch über die sogenannte «Hilltop Youth», eine vor allem aus jungen Bewohnern abgelegener Aussenposten auf den Hügeln Judäas und Samarias bestehende Strömung innerhalb der Siedlerbewegung, spricht Tenenbom. Er sagt, er bewundere deren Lebensweise und Weltanschauung, fügt aber hinzu: «Keine Gesellschaft ist ohne ihre Verrückten. Eine Gesellschaft ohne Verrückte wird nicht überleben.» Mit Blick auf die Gruppe insgesamt erklärt er, es handle sich um eine Gesellschaft, die ihr Leben riskiere, indem sie eine Farm errichte, von Arabern umgeben sei und mit Schafen hinausziehe. Das sei ein enormes Risiko.

Um ein vollständigeres Bild zu gewinnen, traf Tenenbom nach eigenen Angaben auch Gegner der jüdischen Ortschaften in Judäa und Samaria. Diese hätten ihm geholfen, Zugang zu arabischen Gebieten zu erhalten, Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde zu treffen und authentisches Knafeh (eine im arabischen Raum verbreitete Süssspeise, Anm.d.Red.) aus Schechem (Nablus) zu essen. In Flüchtlingslagern habe er sich geweigert, Angst zu haben, selbst dann, wenn Araber ihn als Juden identifiziert hätten. Angst sei, so sagt er, typisch für Menschen, die dieses Land und die Araber nicht wirklich kennen.

Von den jüdischen Bewohnern erwartet Tenenbom konkrete Schritte, die zeigen, dass sie das Land tatsächlich als ihr eigenes betrachten, also eine klare und entschlossene Anwendung der Souveränität.

Sein Buch soll in mehreren Sprachen erscheinen und ist bereits auf Tschechisch sowie auf Hebräisch veröffentlicht worden. Der tschechische Ministerpräsident veröffentlichte auf seinem X-Account einen Beitrag, in dem er dazu aufrief, das Buch zu kaufen, und erklärte, dessen Autor verstehe die entscheidende Realität von Judäa und Samaria. Tenenbom ist der Ansicht, dass das Buch den Kampf zwischen Israel und Judäa, die inneren Konflikte zwischen links und rechts sowie zwischen verschiedenen Bereichen der israelischen Gesellschaft widerspiegle und eine Art Warnung davor sei, was geschehen könne, wenn die Spaltung weitergehe.

Er fügt hinzu, dass er in seinen Gesprächen mit Arabern aus Judäa und Samaria auch deren Haltung zur Zwei-Staaten-Lösung hören wollte. Die Antwort sei eine vollständige Ablehnung dieser Idee gewesen, verbunden mit dem Wunsch, die Juden in die Länder zurückzuschicken, aus denen sie gekommen seien – in die Diaspora. Den Juden ruft er dazu auf, aufzuwachen, die Realität zu erkennen und laut zu beantworten, ob dieses Land wirklich ihnen gehöre oder nicht.

6 Kommentare

  1. An Hanspeter Büchi, da bin ich ganz entspannt. Auch wenn für die Nationen und die Feinde Israels, der Eindruck noch verstärkt entstehen wird, dass es gelingt, Israel aus dem „verheißenen Land“ zu vertreiben. Gottes Wort wird sich voll und ganz erfüllen, der Sohn Gottes, wird von dem Ort seiner Kreuzigung aus, alle Nationen regieren, und Israel wird in Frieden und großer Freude dort leben – ganz ohne Angst – wie schön wird das sein.

  2. An Martin Dubat:
    Das stimmt schon, doch wie General Smuts 1941 sagte, wurde das Versprechen an Abraham Teil des internat. Rechts. Gott hat wohl gewusst, dass die heutige Welt nichts mit biblischen Zusagen anfangen kann. 1922 beauftragte der Völkerbund Grossbritannien, die in der Balfour-Erklärung von 1917 thematisierte Nationale Jüdische Heimstätte zu errichten, völkerrechtlich gültig, und zwar vom Jordan bis Mittelmeer, noch heute gültig. Aber die „Welt“ will das in ihrer Opposition zu Gott nicht mehr anerkennen.

  3. Sehr interessant geschrieben, jedoch vermisse ich den biblischen Bezug. Die Bibel bezeichnet Judäa und Samaria als von Gott verheißenes Land. Diese Tatsache dürfen wir nicht ignorieren, die Bibel ist das entscheidende Kursbuch für Israel.

  4. Israel muss seine Souveränität anwenden. Und das wird international Krisen auslösen und da muss Israel durch.

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