
Wie begehen Juden angesichts des Iran-Krieges in diesen Tagen das Purim-Fest in Deutschland? Nachfragen in Berlin, Köln und Frankfurt am Main.
von Leticia Witte
Feiern oder nicht? Ein jüdischer Feiertag fällt natürlich nicht einfach aus. Aber ob man fröhliche Purim-Feste angesichts des Krieges in Nahost veranstalten sollte, wird in jüdischen Gemeinden in Deutschland unterschiedlich gesehen. In Synagogen jedenfalls wird traditionell aus der Estherrolle, die die Purim-Geschichte enthält, gelesen – unter dem Eindruck erhöhter Sicherheitsvorkehrungen an jüdischen Einrichtungen. Die Sorge vor Anschlägen, wie sie in Zeiten von Kriegen und Konflikten im Nahen Osten auch in Deutschland immer wieder passiert sind, hält an.
Am Wochenende hat unter anderen das Bundesamt für Verfassungsschutz nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran vor Reaktionen in Deutschland gewarnt. Nicht wegen Sicherheitsbedenken, aber aus anderen Gründen hatte sich die Jüdische Liberale Gemeinde Köln – Gescher LaMassoret dafür entschieden, eine für den vergangenen Sonntag geplante Purimfeier abzusagen. „Wir meinen, dass in einer Zeit, in der täglich Menschen hier und da sterben, keine grosse Zeit für Feiern ist“, sagt der Vorstandsvorsitzende Rafi Rothenberg am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Gleichwohl sollte am Abend aus der Estherrolle gelesen werden.
Und diese biblische Geschichte hat es in sich, wenn man auf die aktuellen Ereignisse im Iran schaut. Das Buch Esther berichtet, dass Haman, Minister am Hof des persischen Königs, aus Rache alle Juden töten wollte. Königin Esther, die ihre jüdische Abstammung verborgen hielt, konnte dies jedoch verhindern.
Diese Rettung wird kräftig gefeiert: Manche Menschen verkleiden sich, essen Süsses und trinken Alkohol. Wenn in der Synagoge aus der Estherrolle gelesen wird, schlagen Kinder und auch Erwachsene mit Rasseln Krach, wenn der Name des Judenfeindes Haman vorkommt. Traditionell sind sogenannte Hamantaschen: ein dreieckiges Gebäckstück, das zum Beispiel mit Mohn oder Pflaumenmus gefüllt ist. Purim beginnt am Abend und dauert bis Dienstag.
Eine Parallele zwischen Purim und insbesondere der Tötung von Irans oberstem Führer Ali Chamenei hatte am Sonntag der Präsident der orthodoxen Europäischen Rabbinerkonferenz, Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, so kommentiert: „In einem Moment, der an die biblische Geschichte von Purim erinnert – als sich das Blatt gegen jene wendete, die die Vernichtung der Juden planten – hat ein führender Antisemit, der Auslöschung predigte und Terror exportierte, das Schicksal erlitten, das er selbst anderen zugedacht hatte.“ Und: „Dies ist der Moment, auf den das iranische Volk seit einem halben Jahrhundert gewartet hat.“
In der grossen Frankfurter Jüdischen Gemeinde, die mehrere Richtungen des Judentums unter ihrem Dach vereint, lässt man die Feiern nicht ausfallen. Mit Blick auf die Tötung von Chamenei und anderen hochrangigen Vertretern spricht Daniel Korn, der im Gemeindevorstand für die Sicherheit zuständig ist, von einer ganz besonderen Aktualität von Purim.
Die Sicherheitsvorkehrungen der Gemeinde seien grundsätzlich auf einem sehr hohen Niveau. „In enger Abstimmung mit der Polizei halten wir daher auch gegenwärtig dieses hohe Niveau aufrecht mit vereinzelten Zusatzmassnahmen zur weiträumigen Überwachung des Umfelds unserer Objekte – insbesondere angesichts des für die kommenden Tage zu erwartenden Protestgeschehens israelfeindlicher Gruppierungen in Frankfurt“, erklärte Korn.
Vadim Basin, Sprecher der orthodoxen Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin, sagt: „In diesen herausfordernden Tagen in Israel und weltweit gilt es tatsächlich, den richtigen und sicheren Umgang mit den Geschehnissen und Sicherheitswarnungen zu finden.“ Für Dienstag hatte die Gemeinde öffentlich zu einer Purimfeier eingeladen, die weiterhin stattfinden soll. Gerade jetzt sei es wichtig, Zuversicht zu zeigen, dankbar zu sein für viele kleine Wunder und mit Vertrauen nach vorne zu blicken, betonte Basin. „Gleichzeitig gilt, dass wir weiterhin alle notwendigen Sicherheitsanweisungen und Vorgaben der Behörden beachten und unsere Gemeindemitglieder auf diese hinweisen.“
Anders als geplant werden möglicherweise auch einige Israelis hierzulande Purim begehen – weil sie wegen gestrichener Flüge aufgrund des Krieges in Nahost gestrandet sind. So hat zum Beispiel der nach eigenen Angaben weltweit einzige jüdische Karnevalsverein „Kölsche Kippa Köpp“ aus Köln fünf Studierende bei Vereinsmitgliedern untergebracht, so Vereinspräsident Aaron Knappstein. Sie seien nun auf unabsehbare Zeit im Rheinland, da man nicht wissen könne, wann wieder Flüge nach Israel gingen.
KNA/lwi/api/Aud
























Ich wünsche von ganzen Herzen allen Juden auf der Erde ein fröhliches Purim-Fest.
Und zur Absage schreibe ich jetzt nix …
… vielleicht nur so viel islamische Feste muss man in Europa nicht absagen schon gar nicht schützen.