Während Raketenalarme und Kriegsgefahr den Alltag in Israel bestimmen, arbeitet der Kapitalmarkt erstaunlich unbeirrt weiter. An der Börse in Tel Aviv deutet vieles darauf hin, dass 2026 zum stärksten IPO-Jahr seit fünf Jahren werden könnte.
Wer Israels Wirtschaft nur durch die Schlagzeilen über Krieg, Terror und geopolitische Eskalation betrachtet, übersieht leicht ein bemerkenswertes Gegenbild: den Kapitalmarkt. Denn ausgerechnet in einer Phase, in der Israel militärisch unter höchster Spannung steht, bereiten sich laut dem israelischen Wirtschaftsmagazin Globes an der Börse in Tel Aviv Dutzende Unternehmen auf den Gang aufs Parkett vor. Nach Einschätzung von Marktteilnehmern könnte 2026 zum stärksten Jahr für Neuemissionen seit fünf Jahren werden.
Wer die israelische Wirtschaft nur durch die Schlagzeilen über Krieg, Terror und geopolitische Eskalation betrachtet, übersieht leicht ein bemerkenswertes Gegenbild: den Kapitalmarkt. Denn ausgerechnet in einer Phase, in der Israel militärisch unter höchster Spannung steht, bereiten sich Dutzende Unternehmen an der Börse in Tel Aviv laut dem israelischen Wirtschaftsmagazin Globes auf den Gang aufs Parkett vor. Marktteilnehmer schätzen, dass 2026 das stärkste Jahr für Neuemissionen seit fünf Jahren werden könnte.
Die Ausgangslage ist klar: Der israelische Aktienmarkt hat sich in den vergangenen Monaten stark entwickelt, Investoren zeigen Interesse an neuen, qualitativ hochwertigen Titeln und die Emissionspipeline ist gut gefüllt. Laut Quellen aus dem Kapitalmarktumfeld sind derzeit rund 50 Börsengänge in Vorbereitung oder offen, was darauf hindeutet, dass die 21 Börsengänge des Vorjahres übertroffen werden könnten. Die Börse selbst sprach Anfang März von einer „beeindruckenden Erholung“ des IPO-Markts im Jahr 2025: 21 Unternehmen gingen an die Börse und fünf weitere notierten ihre Aktien erstmals, ohne Kapital aufzunehmen.
Zwischen 2022 und 2024 war der Markt für Neuemissionen in Israel stark ausgebremst: Zunächst waren es weltweit steigende Zinsen und fallende Märkte, dann innenpolitische Verwerfungen rund um die Justizreform und schliesslich der Krieg nach dem 7. Oktober. Dass der Primärmarkt nun wieder Tritt gefasst hat, ist deshalb kein Routinevorgang, sondern Ausdruck einer wirtschaftlichen Normalisierung unter aussergewöhnlichen Bedingungen.
Bemerkenswert ist, dass die iranischen Raketenangriffe den Prozess bislang nicht zum Stillstand gebracht haben. Laut mehreren Quellen aus dem Emissionsgeschäft wurde bislang keine grössere Transaktion abgesagt und es wurde auch keine generelle Aussetzung beschlossen. Stattdessen hat sich der Arbeitsmodus verändert. Besprechungen finden per Zoom statt, Mitarbeiter arbeiten von zu Hause und selbst bei Raketenalarm wird der Ablauf eher unterbrochen als aufgegeben. Diese Mischung aus Improvisation und Beharrlichkeit ist in Israel kein PR-Slogan, sondern ökonomischer Alltag.
Ganz ohne Schwierigkeiten läuft es natürlich nicht. Laut einem Bericht von Globes werden kleinere oder komplexere Transaktionen teils um ein oder zwei Wochen verschoben, da Entscheidungsträger und Investoren durch die aktuelle Lage stärker belastet sind. Wer kleine Kinder betreut oder zwischen Homeoffice und Schutzraum pendelt, kann nicht wie in normalen Marktphasen arbeiten. Doch gerade die begehrten grösseren Emissionen scheinen davon bislang kaum betroffen zu sein. Für bekannte, solide und profitable Unternehmen ist die Nachfrage institutioneller Investoren nach wie vor hoch. Die Aussage aus dem Markt ist eindeutig: Solange die Börse nicht einbricht, bleibt das Fenster offen.
Auch auf regulatorischer Ebene versuche man, unnötige Hindernisse zu vermeiden. So hat die israelische Wertpapieraufsicht die Verschiebung der Prospekteinreichung bis zum 9. April genehmigt. Das erscheint auf den ersten Blick als technischer Vorgang, ist in der Praxis jedoch von Bedeutung: Unternehmen bevorzugen eine Emission auf Basis ihrer Jahresabschlüsse 2025, statt die Prospekte bereits auf die Zahlen des ersten Quartals umarbeiten zu müssen. In einem volatilen Umfeld kann selbst eine solche Fristverlängerung entscheidend sein, um zusätzliche Emissionen rechtzeitig abzuschliessen.
Ebenso aufschlussreich ist, welche Unternehmen auf den Markt drängen. Besonders gefragt sind laut Globes Verteidigungsfirmen, was angesichts der Sicherheitslage kaum überrascht. Israels Rüstungs- und Sicherheitstechnologie gilt international als strategisch relevant und der Krieg hat diesen Sektor für Investoren noch einmal in den Vordergrund gerückt. Auch etablierte Unternehmen aus den Bereichen Immobilien, Lebensmittel, Finanzdienstleistungen und Industrie bereiten Börsengänge vor. Genannt werden unter anderem Tidhar, Avisror, Gabay Group, BSR Engineering, Bagira Systems, DSIT von Rafael, Shlomo Insurance, Tnuva, Galam, Rafa und Tambour.
Dabei ist die Entwicklung keineswegs nur subjektives Marktgerede. Die Tel Aviv Stock Exchange (TASE) hat in ihrem Jahresrückblick für 2025 festgehalten, dass die führenden Aktienindizes neue Rekordstände erreicht haben. Der TA-35 legte 2025 um 51,6 Prozent zu, der TA-90 um 46,6 Prozent. Zugleich stieg das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen im Aktienmarkt auf 997 Millionen US-Dollar, ein Plus von 67 Prozent gegenüber 2024. Insgesamt wurden 2025 am israelischen Aktienmarkt 6,19 Milliarden US-Dollar aufgenommen, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.
Die jüngsten Börsengänge haben Anlegern bislang teils starke Renditen geliefert. Laut Globes verzeichneten die IPOs des Jahres 2025 bislang im Schnitt fast 32 Prozent Kursgewinn. Besonders hervorgehoben werden RP Optical mit einem Anstieg von rund 340 Prozent seit dem Börsengang und Baladi mit einem Plus von mehr als 140 Prozent. Auch 2026 gab es bereits erste positive Signale, etwa bei Smart Shooter, dessen Aktienkurs kurz nach dem Börsengang um mehr als 30 Prozent stieg.
Die wahrscheinlich dichteste Phase steht noch bevor. Der Markt rechnet damit, dass die eigentliche Welle nach Pessach anläuft und insbesondere der Mai sehr voll werden könnte. Das entspricht auch dem üblichen Rhythmus: Viele Unternehmen warten auf die Veröffentlichung ihrer Jahresberichte, bevor sie den endgültigen Schritt an die Öffentlichkeit machen. Sollte der Markt stabil bleiben, könnte das zweite Quartal 2026 tatsächlich zu einer Art Stresstest werden, den Israels Wirtschaft nicht nur übersteht, sondern für sich nutzt.






















