Ein Team verdeckter Freiwilliger hat seit dem 7. Oktober 2023 dutzende verdeckte Finanzierungsströme terroristischer Organisationen wie Hamas, Hisbollah und al-Qaida aufgedeckt und blockiert. Wie die israelische Wirtschaftszeitung Globes berichtet, konnten sie über 700 Online-Spendenkampagnen stoppen – ein Volumen von rund 400 Millionen Dollar. Die Informationen wurden zudem an internationale Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet.
So startete beispielsweise im Juli 2024 ein populärer «Prediger» aus Gaza, der eine Million TikTok-Follower hat, eine Spendenaktion über die US-Plattform GoFundMe. Offiziell sollten 500.000 Euro für «humanitäre Hilfe» gesammelt werden. Doch die Freiwilligen enttarnten den Mann als Mitglied des der Hamas nahestehenden «Palestinian Preachers’ Forum», der in Videos Jugendliche dazu aufrief, «Soldaten des nächsten 7. Oktober» zu werden. Innerhalb von 36 Stunden wurde die Kampagne blockiert.
Kurz darauf deckte das Team eine weitere Spendenaktion auf, die über eine Million Dollar für angebliche Kinderhilfe in Gaza sammeln wollte. Hinter der NGO «Ibrahim Ayyash» standen jedoch dieselben Köpfe, die zuvor das inzwischen verbotene Hamas-Mediennetzwerk «Gaza Now» betrieben hatten. Auch diese Kampagne wurde beendet.
Europa als Schwachstelle
Besonders alarmierend sind die Erkenntnisse über die Rolle Europas. Ein Experte für Terrorfinanzierung erklärte gegenüber Globes: «In den USA und Israel herrscht derzeit Nulltoleranz – dort werden Finanzströme sofort blockiert. Aber in Europa ist die Lage komplizierter, weil es eine starke muslimische Lobby gibt. Die Muslimbruderschaft ist nicht verboten und sammelt weiterhin enorme Summen. Moscheen organisieren Bargeldsammlungen, und Hamas – als Arm der Muslimbruderschaft – leitet diese Gelder in den Terror.»
Ein weiteres Problem: Banken in Europa sind oft nicht in der Lage, Namen und Identitäten richtig zuzuordnen. Allein der Name «Mohammed» könne in fast 40 verschiedenen Schreibweisen auftauchen – viele dieser Verbindungen blieben unentdeckt. So bleibt der Kontinent eine wichtige Drehscheibe für verdeckte Transfers.
Noch gravierender ist die Rolle der Kryptowährungen. Hamas wirbt offen in Telegram-Kanälen um Spenden in Bitcoin – und wechselt die Wallet-Adressen alle zwei Tage. «In Europa gibt es mittlerweile sogar Bitcoin-Automaten, die von solchen Netzwerken kontrolliert werden», warnt ein von Globes zitierter britischer Terrorfinanzexperte.
Der Fall Mustafa Ayyash
Ein besonders aufschlussreiches Beispiel beschreibt Globes mit der Festnahme von Mustafa Ayyash, dem offiziellen Leiter des Hamas-nahen Netzwerks Gaza Now. Im August 2024 wurde er in Österreich verhaftet – offiziell inszenierte sich die Organisation als Opfer israelischen Drucks, in Wahrheit aber war Ayyash ein zentraler Finanzierer für Hamas. Ermittler verfolgten seine elektronischen Geldbörsen und entdeckten ein weit verzweigtes Netz von 47 weiteren Wallets, die jeweils mit rund 3.000 Bitcoins gefüllt waren – ein Milliardenvolumen. Die Spur führte zu Betrugsmodellen, Menschenhandel, Drogenhandel und sogar Bitcoin-Automaten in Europa, die von diesem Netzwerk kontrolliert wurden. Damit wurde deutlich: Gaza Now war weit mehr als ein Medienprojekt – es war ein Schlüsselakteur in der globalen Terrorfinanzierung.
Laut dem Bericht operieren die Freiwilligen unabhängig von staatlichen Behörden, bestehen jedoch aus erfahrenen Bank- und Fintech-Experten sowie Juristen. Ihre Arbeit reicht mittlerweile weit über die Hamas hinaus und umfasst auch Verbindungen zu Terrorgruppen im Iran und in Syrien. Besonders perfide ist dabei die Nutzung legal registrierter NGOs in den USA oder Europa, die Spendengelder in kleinen Tranchen weiterleiten und so lange Zeit unbemerkt bleiben.
Die Arbeit der Freiwilligen gleicht einem Katz-und-Maus-Spiel. Hinter jeder abgeschalteten Spendenkampagne taucht rasch eine neue auf – oft unter anderem Namen. «Es ist Detektivarbeit, die NGOs und ihre Hintermänner in verschiedenen Ländern zu enttarnen», heisst es im Bericht.
«Wir wissen auch, dass sie nach uns suchen. Deshalb bleiben wir im Hintergrund, um unsere Arbeit fortzusetzen und unsere Leute zu schützen», zitiert Globes einen anonymen Sprecher des Teams. «Seit dem 7. Oktober ist die Gegenseite viel selbstbewusster geworden. Sie haben weniger Angst und teilen mehr Informationen. Diese Arroganz führt paradoxerweise dazu, dass wir neue Beweise finden können», so einer der Freiwilligen.
Terrorismusfinanzierung ist längst ein globales Milliardengeschäft, das sich moderner Technologien bedient und sich hinter vermeintlich wohltätigen Projekten versteckt. Besonders Europa erweist sich als Schwachstelle – ausgerechnet dort, wo Hamas und Muslimbruderschaft Netzwerke aufbauen und Spendengelder verschleiern können.

























