Historisches in Jerusalem: Schnee

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Der Wintersturm Elpis brachte Schnee nach Jerusalem. Jerusalem, 27. Januar 2022. Foto Eitan Elhadez-Barak/TPS
Der Wintersturm Elpis brachte Schnee nach Jerusalem. Jerusalem, 27. Januar 2022. Foto Eitan Elhadez-Barak/TPS
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Am Mittwochabend flippten die israelischen Medien aus. Ihre Reporter standen einsatzbereit mit Schals, Mützen und Regenschirmen an „strategischen Orten“ im ganzen Land verteilt, um den vor Kälte bibbernden Fernsehzuschauen live fast jede vom Himmel fallende Schneeflocke zu dokumentieren. Der bekannten Wetterfee Sharon Wechsler passierte dabei ein kleines Unglück. Ein Windstoss riss ihr den Regenschirm aus der Hand und dem Kameramann das Filmgerät aus der Hand. Die Kamera berichtete weiter von der leicht schneebedeckten Strasse aus.

Jerusalem ist wahrlich eine geschichtsträchtige Stadt. Aber Schneefall kommt so selten vor, dass dann aus allen Kanälen darüber berichtet wird, als sei gerade der Messias angekommen.

Der letzte grosse Schnee war 1983 gefallen. Damals filmte das Fernsehen noch mit Film, der erst stundenlang entwickelt und per Hand geschnitten werden musste, ehe da etwas in schwarz/weiss auf dem Bildschirm flimmern konnte. Aus dem Archiv wurden einige dieser historischen Filme wieder hervorgeholt. Man sah die altmodischen VWs mit luftgekühlten Motoren unter einer Schneedecke, während eine pathosgefüllte Stimme beschrieb, wie Männer mit Schaufeln den Schnee beiseite räumten. Das Fernsehen zeigte derweil Satellitenbilder der Vorhersage. Dicke Wolken sollten erst in der Nacht vom Mittelmeer her über Israel hinwegziehen. Das Unwetter hatte den Namen Elfis erhalten und zuvor schon Istanbul vollständig mit Schnee bedeckt. 

Diesmal hatte sich die Jerusalemer Stadtverwaltung gebührend auf die „Katastrophe“ vorbereitet mit Räummaschinen und Streusalzwerfern. Bürgermeister Mosche Leon erzählte stolz, mehr als 30 Tonnen Salz gehortet zu haben.

Die Polizei warnte, dass alle Hauptstrassen unbefahrbar sein würden. Die Autobahn von Tel Aviv nach Jerusalem werde gesperrt und Autofahrer sollten gar nicht erst versuchen, auch anderen Wegen in die Hauptstadt zu kommen, um dort den Schnee mitzuerleben. Allein der Schienenverkehr werde funktionieren. 

Nicht nur in Jerusalem sollten die Kinder schon am frühen Nachmittag von der Schule heimkehren oder gar nicht erst in die Schule kommen und an dem Unterricht per Video teilnehmen. Für Tel Aviv und das Tote Meer gab es die üblichen Überschwemmungswarnungen. Das Skigebiet am Hermonberg wurde wegen zu viel Schnee vorsorglich geschlossen. 

Tatsächlich wurde es in der Nacht dann eher ungemütlich. Gegen Mitternacht knallte es laut, weil sich in den Schneewolken auch noch ein Gewitter entwickelt hat. In Saffed im Norden schlug ein Blitz sogar in einer Wohnung ein und steckte sie in Brand. Derweil landeten immer wieder riesige Krähen auf der Satellitenantenne in unserem Vorgarten.

Am Donnerstag war alles weiss bedeckt, aber dann begann es auch schon zu regnen. Auf den Strassen fuhren nur noch Räumfahrzeuge. Die machten grosse Bögen um die abgeknickten Baumkronen auf der Strasse. Jeglicher Busverkehr war eingestellt, sodass alle zuhause bleiben mussten.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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