Empörung nach Brandanschlag auf Synagoge in Ulm

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Der Brandanschlag auf die Synagoge in Ulm hat Empörung und grosse Sorge ausgelöst. Die Regierungsspitze Baden-Württembergs nannte den Vorfall am jüdischen Ruhetag Schabbat „niederträchtig“ und „widerwärtig“. Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) bezeichnete es als schockierend, wie hemmungslos jüdisches Leben attackiert werde. Auch der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst zeigte sich schockiert. Holocaust-Überlebende äußerten ihre tiefe Sorge. Medienberichten zufolge hielten am Samstagabend etwa 250 Menschen eine Mahnwache vor der Synagoge.

Ein Unbekannter hatte am selben Tag an dem Gebäude eine Flasche mit einer brennbaren Flüssigkeit auf den Boden entleert und diese angezündet. Ein Zeuge verständigte Feuerwehr und Polizei, der Täter flüchtete. Die Feuerwehr löschte die Flammen wenige Minuten später. Verletzt wurde niemand, eine Fassade und eine Glasscheibe wurden verrusst.

Nach Angaben des Staatsministeriums unterstützt das Landeskriminalamt mit Spezialisten des Staatsschutzes die Ermittlungen. In Ulm seien Schutzmassnahmen hochgefahren worden. Geprüft werde ausserdem die „Gefährdungsbewertung“ für die jüdischen Einrichtungen im Land. Mitte Mai hatte Baden-Württemberg nach der Beschädigung eines Fensters der Mannheimer Synagoge erklärt, dass der Polizeischutz für jüdische Einrichtungen ausgeweitet werde.

„Es ist absolut schockierend zu sehen, wie immer unverhohlener und hemmungsloser jüdisches Leben in Deutschland attackiert wird – ausgerechnet am heiligen Schabbat – und diese Angriffe nicht nur weiter zunehmen, sondern auch in immer kürzeren Abständen geschehen“, betonten die Rabbiner Avichai Apel, Zsolt Balla und Yehuda Pushkin vom ORD-Vorstand.

Einzelfälle summierten sich zu einer Stimmung, die nicht zuletzt durch Verschwörungsmythen in der Corona-Pandemie, digitalen Hass sowie „die Präsenz falscher Narrative zum Nahost-Konflikt“ spürbar antisemitischer und antiisraelischer geworden sei. „Wenn wir alle nicht mit Hand, Kopf und Herz dagegen ankämpfen, droht das Gift des Antisemitismus unsere Gesellschaft zu zerfressen“, so die Rabbiner. Sie würdigten zugleich das schnelle Eingreifen des Zeugen.

Der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, erklärte am Samstag: „Mit jedem Anschlag auf jüdische Gebäude und jüdisches Leben wächst die Angst der Überlebenden des Holocaust, dass die Schlacht gegen den aktuellen Antisemitismus in Wirklichkeit längst verloren ist und sie ihren Kindern und Enkelkindern eine Welt hinterlassen, in der auch ein neues Auschwitz möglich sein kann.“ 

Bischof Fürst schrieb auf Twitter, seine Diözese stehe solidarisch an der Seite der jüdischen Gemeinde. Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle (CSU) sprach von einem Angriff auf die religiöse Freiheit. Wichtig seien umfassende Bildungsarbeit, Repressionen von Polizei und Justiz gegenüber Straftätern sowie eine engere Vernetzung von Bund und Ländern.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sprach von einem „niederträchtigen Anschlag“. Dieser zeige das „heimtückische Gesicht des Antisemitismus“, dem klar und deutlich entgegengetreten werden müsse. Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) erklärte, Brandsätze gegen Synagogen zu werfen, sei „widerwärtig“. Wer versuche, eine Synagoge anzuzünden, den werde die „volle Härte des Rechtsstaates“ treffen. 

KNA/lwi/cdt

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