Der britische Oberrabbiner Ephraim Mirvis warnte, dass Antizionismus zum «neuen Antisemitismus» geworden sei, vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis über eine weltweite Zunahme antisemitischer Vorfälle und antijüdischer Hassverbrechen.
Auf der Konferenz der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) am Dienstagabend in Jerusalem erklärte Mirvis, dass Antizionismus zunehmend als Waffe eingesetzt werde, um antijüdische Gesinnung zu verschleiern, getarnt als politische Kritik an Israel.
Die jährliche IHRA-Konferenz wurde vom israelischen Aussenminister Gideon Saar eröffnet und begann mit einer Schweigeminute zum Gedenken an die beiden israelischen Botschaftsangehörigen, die letzte Woche in Washington DC, ermordet wurden.
Die IHRA ist eine Organisation, der sich Dutzende Länder angeschlossen haben, um Antisemitismus zu bekämpfen und die Holocaust-Forschung und -Aufklärung zu fördern. Im Jahr 2016 verabschiedete die IHRA eine «Arbeitsdefinition» von Antisemitismus, die in den folgenden Jahren von jüdischen Verbänden und Politikern aller politischen Lager weitgehend akzeptiert wurde. Heute wird sie von Hunderten Regierungsinstitutionen angewendet, darunter das US-Aussenministerium, die Europäische Union und die Schweiz.
In seiner Rede betonte Rabbi Mirvis die wichtige Rolle Jerusalems als Hauptstadt Israels und als beständiges spirituelles und kulturelles Zentrum der jüdischen Identität und des jüdischen Glaubens.
“Anti-Zionism is the new antisemitism”
— Chief Rabbi Sir Ephraim Mirvis (@chiefrabbi) May 28, 2025
The Chief Rabbi addresses the opening of the International Holocaust Remembrance Alliance Conference in Jerusalem for parliamentarians and government representatives from around the world. pic.twitter.com/ecu08YlR1r
«Für Juden ist die Gegenwart des allmächtigen Gottes hier in dieser heiligen Stadt stärker spürbar als an jedem anderen Ort der Welt», sagte Mirvis während der zweitägigen Konferenz.
«Israel ist für das jüdische Volk nicht nur eine geopolitische Realität. Es ist weit mehr als das. Es ist das Zentrum unserer jüdischen Religion», fuhr Mirvis fort. «Wenn sie also antizionistisch sind, sind sie auch antijüdisch. Aber mehr noch, sie sind gegen das Judentum, und Ihre Feindseligkeit beeinträchtigt das Wohlergehen der Juden auf der ganzen Welt.»
Bei der Veranstaltung hielt auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Rede, in der er die europäischen Staats- und Regierungschefs dazu aufrief, sich der zunehmenden Dämonisierung des jüdischen Staates zu widersetzen.
«Anti-israelische Demonstranten in europäischen Ländern stellen im Grunde genommen die westliche Zivilisation wie wir sie verstehen, in Frage», sagte Netanjahu.
In seiner Rede warnte Netanjahu auch, dass Israel «nicht nur einen Krieg an sieben Fronten führt, sondern einen Krieg an acht Fronten», und beschrieb diesen als einen umfassenderen Kampf «der Zivilisation gegen die Barbarei».
«Das Wichtigste, was Sie im Kampf gegen Antisemitismus tun müssen, ist, sich zu erheben und sich nicht einschüchtern zu lassen», fuhr der israelische Ministerpräsident fort. «Haben Sie keine Angst, Ihre Meinung zu sagen. Sprechen Sie sich aus, setzen Sie sich für die Wahrheit ein, setzen Sie sich für das jüdische Volk ein, setzen Sie sich für die zivilisierte Welt ein.»





















