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Auch in diesem Sommer ist Davos ein Treffpunkt für jüdische Familien aus aller Welt. Tausende Gäste, viele von ihnen streng religiös, verbringen traditionell die Wochen nach Tischa Be’Aw in den Schweizer Alpen. Damit das Aufeinandertreffen von Einheimischen, Tourismusbetrieben und jüdischen Reisenden reibungslos verläuft, sorgt seit Jahren ein besonderes Projekt für Verständnis: Likrat Public.

Vermittler vor Ort – für gegenseitiges Verständnis

Bereits zum siebten Mal führt der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) sein Sommerprojekt durch. In Davos und im Walliser Saastal sind sogenannte Likratinas und Likratinos im Einsatz – junge Vermittler, die im direkten Gespräch Missverständnisse verhindern und Brücken bauen. Sie informieren Einheimische und Tourismusbetriebe über jüdische Traditionen, helfen jüdischen Gästen im Alltag und schaffen Räume für Begegnung.

Die Resonanz ist positiv: In Davos berichten Gastronomen, dass der Umgang mit jüdischen Gästen unkompliziert sei – auch wenn koschere Speisevorschriften den Restaurantbesuch einschränken. Im Kletterpark haben die Betreiber sogar Hinweistafeln auf Hebräisch angebracht und einige Worte der Sprache gelernt. Die Rückmeldungen zeigen: Dialog nimmt Spannungen, wo Unkenntnis oder Unsicherheit entstehen könnten.

Alltagsszenen zwischen Bergen und Bahnhöfen

Wie praktisch die Arbeit von Likrat ist, zeigt sich im Detail. Wenn orthodoxe Gäste ohne Smartphone am Bahnhof die Zugverbindungen nicht abrufen können, helfen Likratinas mit Informationen weiter. Im Hub von Likrat Public, direkt bei der Davoser Touristeninformation, beantworten die jungen Vermittler zudem Fragen anderer Reisender: Warum tragen orthodoxe Männer Tzitzit? Warum ist Davos bei jüdischen Familien so beliebt?

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Foto zVg SIG/Alain Picard

Im Saastal zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch hier verbringen viele Familien aus England und Belgien ihre Ferien. Gelegentliche Zurufe aus vorbeifahrenden Autos nehmen die Gäste gelassen – sie kennen das aus ihrer Heimat. „Insgesamt ist es in der Schweiz entspannter“, betont eine Familie. Auf Spielplätzen oder an Bergseen mischen sich jüdische und nichtjüdische Kinder ganz selbstverständlich.

Strukturierte Weiterentwicklung

Das Projekt ist nicht statisch. Bereits 2023 setzte der SIG eine Task Force ein, die Verbesserungsvorschläge erarbeitete. Erste Massnahmen wurden 2024 umgesetzt, dieses Jahr folgten weitere Anpassungen. Die Rückmeldungen von Gästen, Einheimischen und Tourismusbetrieben fliessen systematisch in die Auswertung ein.

Ein Gewinn für alle Beteiligten

Das Sommerprojekt von Likrat Public ist mehr als ein Service für jüdische Gäste. Es ist ein praktisches Modell, wie Dialog und Aufklärung Vorurteile abbauen und Zusammenleben erleichtern können – gerade dort, wo kulturelle Unterschiede sichtbar sind. Dass dieses Modell nun bereits im siebten Jahr läuft, spricht für seinen Erfolg.

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