Ein geplantes Hotelprojekt in unmittelbarer Nähe der Jerusalemer Altstadt wurde vorerst gestoppt. Angehörige israelischer Opfer des Hamas-Massakers vom 7. Oktober wandten sich an die Jerusalemer Stadtverwaltung mit der Forderung, dem palästinensischen Unternehmer Bashar al-Masri, der einst von Schweizern hofiert wurde, kein Bauland zuzuteilen.
Die Familien verweisen auf eine laufende Klage in den USA, die von rund 200 Angehörigen der Opfer eingereicht wurde. Darin wird al-Masri vorgeworfen, die Hamas indirekt unterstützt zu haben, indem er Einrichtungen in Gaza zur Verfügung stellte, die von der Terrororganisation militärisch genutzt worden sein sollen. Zu den genannten Anlagen gehören ein Strandhotel sowie ein Industriegebiet nahe der israelischen Grenze. Laut den Klägern sollen sich darunter strategische Tunnel, Einrichtungen der Marine-Kommandotruppen der Hamas und weitere militärische Infrastruktur befunden haben.
Auch der israelische Parlamentsabgeordnete Amit Halevi griff den Fall auf und wandte sich an den Inlandsgeheimdienst sowie an die zuständige Planungskommission. Es sei moralisch unvorstellbar, dass ein Unternehmer, dessen Anlagen mit Terrorinfrastruktur in Verbindung gebracht werden, ausgerechnet gegenüber dem Tempelberg Hotels und Luxusresidenzen errichten dürfe.
Die Jerusalemer Stadtverwaltung entfernte das Projekt daraufhin vorläufig von der Tagesordnung und kündigte eine umfassende Prüfung an.
Im April 2025 wurde in den USA eine umfangreiche Zivilklage gegen Bashar al-Masri eingereicht. Grundlage ist der amerikanische Anti-Terrorism Act.
Die Kläger argumentieren, al‑Masri habe mit seinen Unternehmen Infrastruktur geschaffen, die der Hamas Tarnung, Energieversorgung und logistische Unterstützung für ihr unterirdisches Tunnelnetz bot. Besonders im Fokus steht das al‑Mashtal‑Hotel in Gaza‑Stadt. Nach Angaben der IDF soll das Gebäude bereits 2014 als Raketenabschussbasis genutzt worden sein und auch am 7. Oktober weiterhin eine Rolle gespielt haben.
Zusätzlich wird ein Solarenergieprojekt im Umfang von rund 60 Millionen Dollar erwähnt, das kurz vor dem Angriff der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Laut Klageschrift soll ein Teil der Energie in das Tunnelnetz eingespeist worden sein.
Bereits im Jahr 2022 hatte al-Masri ein Abkommen mit einem Hamas-Minister unterzeichnet, der israelischen Angaben zufolge für die Kontrolle humanitärer Güter sowie deren Umleitung in militärische Strukturen zuständig gewesen sein soll.
Al-Masri bestreitet sämtliche Vorwürfe. Eine gerichtliche Entscheidung steht weiterhin aus, weshalb rechtlich die Unschuldsvermutung gilt.
Image des Modernisierers
Bashar al-Masri präsentiert sich international als moderner Stadtentwickler. Er wurde insbesondere durch den Bau der Planstadt Rawabi nördlich von Ramallah bekannt, die mit katarischem Kapital finanziert und als Symbol wirtschaftlicher Entwicklung vermarktet wurde.
In Interviews räumte al-Masri jedoch ein, in der Vergangenheit an der Planung der ersten Intifada 1987 beteiligt gewesen zu sein. Gleichzeitig erhielt er Fördermittel von internationalen Institutionen, darunter Programme der Vereinten Nationen, der Europäischen Union, der Weltbank und der US-Entwicklungsbehörde USAID.
Die Diskrepanz zwischen seiner politischen Vergangenheit, der internationalen Förderung und den aktuellen Vorwürfen bildet den Kern der juristischen Auseinandersetzung: Die Kläger wollen klären lassen, ob die wirtschaftliche Infrastruktur faktisch Teil der militärischen Fähigkeiten der Hamas war.
Schweizer Kontakte
Im Jahr 2018 reiste eine Delegation der Gesellschaft Schweiz-Palästina unter der Leitung des damaligen grünen Nationalrats Geri Müller in die Region. Teil des Programms war ein Treffen mit al-Masri in Rawabi. Anwesend waren unter anderem der Aktivist Ron Ganzfried, ein Schweizer Unternehmer und Julien Thöni, ein Mitarbeiter des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten.

Damals wurde al-Masri als wirtschaftlicher Hoffnungsträger dargestellt und als möglicher Partner für Schweizer Investitionen präsentiert. Laut dem Reisebericht sprach sich Thöni offen für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit aus und lobte den Export palästinensischer Produkte.
Al-Masri selbst zeigte Interesse an Schweizer Investoren für weitere Bauetappen seiner Projekte. Ob solche Investitionen zustande kamen, blieb unklar. Das EDA erklärte später, man habe keine Kenntnis von direkten oder indirekten Schweizer Beiträgen zu seinen Projekten.

























