Start News Wenn Antisemitismusbekämpfer das grösste Antisemitismusproblem der Schweiz ignorieren

Wenn Antisemitismusbekämpfer das grösste Antisemitismusproblem der Schweiz ignorieren

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Am 1. Mai 2025 wurde in Basel unter anderem eine Israel Fahne angezündet. Foto zVg / Instagram
Am 1. Mai 2025 wurde in Basel unter anderem eine Israel Fahne angezündet. Foto zVg / Instagram
Lesezeit: 3 Minuten

Die GRA – die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus – hat sich gegen die sogenannte Chaos-Initiative ausgesprochen. Das ist ihr gutes Recht. Aber wer die Medienmitteilung vom 16. April 2026 liest und weiss, was in der Schweiz und in ganz Europa gerade passiert, muss zweimal hinschauen.

Die GRA betreibt hier eine verblüffende Gedankenakrobatik: Eine Organisation, die laut eigenem Auftrag Antisemitismus bekämpft, tut so, als existiere der grösste Treiber des aktuellen Antisemitismus in der Schweiz schlicht nicht.

Das Problem, das nicht genannt werden darf

Die GRA schreibt, ohne dies überhaupt näher zu belegen, die Ja-Kampagne «diffamiere Muslime und Flüchtlinge pauschal als Sicherheitsrisiko». Pauschal? Die Daten sprechen eine andere Sprache.

Seit dem 7. Oktober 2023 – dem Tag, an dem die islamistische Terrororganisation Hamas in Israel über 1’200 Menschen massakrierte – hat der Antisemitismus in der Schweiz und in ganz Europa massiv zugenommen. Judenhass auf den Strassen von Zürich, Genf und Basel. Bedrohungen gegen jüdische Einrichtungen. Angriffe auf Juden. Kinder, die in der Schule wegen ihrer Religionszugehörigkeit angefeindet werden.

Wer führt diese Angriffe durch? Es sind sicher nicht primär SVP-Wähler. Es sind zu einem erheblichen Teil Menschen mit Migrationshintergrund aus Ländern des Nahen Ostens und Ländern mit islamischer Gesetzgebung – Länder, in denen Antisemitismus nicht am Rand der Gesellschaft existiert, sondern oft in der Mitte. In Schulbüchern. In staatlichen Medien. In Moscheen.

Das ist keine pauschale Diffamierung. Das ist eine Tatsache, die in den Lageberichten des Nachrichtendienstes des Bundes, in kantonalen Polizeistatistiken und in den Berichten jüdischer Gemeindeorganisationen dokumentiert ist. Sogar in den jährlichen Antisemitismusberichten der GRA selbst taucht dieses Muster auf – wenn auch mit auffälliger Zurückhaltung bei der Benennung der Herkunft der Täter.

Die «Das Boot ist voll»-Falle

Die GRA zieht einen Vergleich zwischen der Nachhaltigkeitsinitiative und der Schweizer Flüchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg. Das ist eine unredliche und zudem extrem überzogene Argumentation.

Damals wurden Juden, die vor der Shoah flohen, an der Grenze zurückgeschickt. Das war eine Schande. Ein Versagen der Schweiz. Wer das mit einer demokratischen Volksinitiative gleichsetzt, die eine Zuwanderungsobergrenze diskutiert, relativiert den Holocaust. Ausgerechnet jene Organisation, die Relativierungen des Holocausts sonst zu Recht scharf kritisiert, begeht diesen Fehler.

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Foto Screenshot Medienmitteilung GRA.

Der Vergleich ist nicht nur falsch. Er ist gefährlich. Denn er macht jede sachliche Diskussion über Zuwanderung unmöglich. Wer Obergrenzen fordert, ist laut dieser Logik ein Nazi. Wer fragt, welche Werte Einwanderer mitbringen, diffamiert pauschal. Wer auf den Zusammenhang zwischen unkontrollierter Zuwanderung aus antisemitisch geprägten Gesellschaften und dem Anstieg von Judenhass hinweist, betreibt Fremdenfeindlichkeit.

Das ist unverantwortlich und schadet schlussendlich auch der jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz.

Dieser Kommentar ist kein Votum für oder gegen die zur Abstimmung kommende Volksinitiative. Ihr richtiger Name lautet übrigens tatsächlich «Nachhaltigkeitsinitiative». Der Begriff «Chaos-Initiative» ist eine Erfindung aus linken Partei- und Gewerkschaftskreisen. Er wird gezielt eingesetzt, um Angst zu schüren und die sachliche Debatte zu vergiften, bevor sie überhaupt begonnen hat. Dass die GRA diesen Kampfbegriff in ihrer Medienmitteilung übernimmt, ist bezeichnend.

Genauso wie es nachvollziehbare Gründe gibt, die Initiative zu unterstützen, gibt es auch Gründe, sie abzulehnen – und diese verdienen eine ernsthafte politische Debatte. Darum geht es hier jedoch nicht. Es geht um etwas anderes: Eine Organisation, die sich dem Kampf gegen Antisemitismus verpflichtet hat, nutzt eine Abstimmungsdebatte, um das strukturelle Antisemitismusproblem aktiv zu beschweigen – und wer es benennt, wird als Fremdenfeind abgestempelt.

Die GRA kämpft gegen Antisemitismus. Das ist ihr Auftrag, und dafür verdient sie Respekt. Aber wer den Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es politisch bequem ist, bekämpft ihn nicht wirklich.

Ein grosser Teil des Antisemitismus, der heute in der Schweiz auftritt, wurde importiert. Nicht von SVP-Politikern. Sondern durch eine Einwanderungspolitik, die es jahrelang versäumt hat, klar zu benennen, welche Werte in diesem Land gelten – und welche nicht. Darüber sollte man nicht schweigen.

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