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Ein historischer Moment: Argumente für ein endgültiges Ende des iranischen Regimes und der Hamas

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Ayatollah Ali Khamenei in Teheran mit Hamas-Führer Ismail Haniyeh am 26. März 2024. Foto IMAGO / ZUMA Press Wire
Ayatollah Ali Khamenei in Teheran mit Hamas-Führer Ismail Haniyeh am 26. März 2024. Foto IMAGO / ZUMA Press Wire
Lesezeit: 5 Minuten

Was sich in den letzten Wochen ereignet hat, ist geradezu historisch. Seit Jahrzehnten agieren das iranische Regime und seine Stellvertreter, darunter die Hamas, in der Überzeugung, straffrei zu bleiben. Jahrzehntelang haben die iranischen Machthaber ihren regionalen Einfluss ausgebaut, ihre Stellvertretermilizen bewaffnet, ihre Nachbarn bedroht und ihre Programme für Massenvernichtungswaffen stetig vorangetrieben. Zwar verhängten verschiedene Länder Sanktionen, und Israel sowie die USA führten gelegentlich begrenzte militärische Gegenmassnahmen durch, doch wurden nie gross angelegte Anstrengungen unternommen, um die politische und militärische Macht im Inneren des Iran grundlegend zu schwächen. Diese Realität hat sich nun dramatisch gewandelt.

von Majid Rafizadeh

Zum ersten Mal haben nun sowohl das iranische Regime als auch die Hamas direkte und anhaltende Militäroperationen in einem Ausmass erlebt, von dem sie lange Zeit angenommen hatten, dass es niemals dazu kommen würde.

Strategische Luftangriffe haben wichtige iranische Einrichtungen, Kommandozentralen und militärische Infrastruktur beschädigt. Verteidigungsnetze, Raketenproduktionsstätten, Abschussrampen und Militärstützpunkte wurden ins Visier genommen – wodurch die Fähigkeit des Iran, Macht über seine Grenzen hinaus auszuüben, erheblich eingeschränkt wurde. Auch viele Bereiche der Seestreitkräfte wurden getroffen, wodurch die Fähigkeit des Landes, internationale Schifffahrtswege und die regionale Sicherheit auf See zu bedrohen, geschwächt wurde.

Diese Entwicklungen stellen bereits eine bemerkenswerte Verschiebung des strategischen Gleichgewichts im Nahen Osten dar. Kein amerikanischer Präsident und keine Koalition von Staaten hatte es jemals gewagt, das iranische Regime oder einen seiner Stellvertreter ernsthaft herauszufordern. Die militärischen Infrastrukturen, die sowohl der Iran als auch die Hamas über Jahrzehnte hinweg aufgebaut und geschützt hatten, sind nun erheblich geschwächt. Ihre Führungsstrukturen wurden erschüttert, und ihre Fähigkeit, Angriffe zu koordinieren, wurde unterbrochen. Diese Entwicklungen zeigen, dass böswillige Akteure, die lange Zeit als unantastbar galten, in Wirklichkeit ziemlich verwundbar sind, wenn sie mit anhaltendem und koordiniertem Druck konfrontiert werden.

Trotz dieser Erfolge steht die Welt nun jedoch vor einem äusserst gefährlichen Wendepunkt. Die Frage ist nicht mehr, ob das iranische Regime oder die Hamas geschwächt werden können – das können sie eindeutig. Die entscheidende Frage ist, ob wir uns darauf beschränken, das iranische Regime oder die Hamas zu schwächen, oder ob wir darauf hinarbeiten, sicherzustellen, dass sie sich nie wieder als langfristige Bedrohung für ihre Nachbarn oder die globale Sicherheit erholen können. In diesem Moment ist es wahrscheinlich die gefährlichste Option, diese Regime – die herrschenden Mullahs im Iran oder die Hamas im Gazastreifen – an der Macht zu belassen.

Autoritäre Regime wie das iranische und Terrororganisationen wie die Hamas, die Hisbollah, der Islamische Staat und die Taliban reagieren auf Rückschläge selten damit, dass sie ihre Ambitionen aufgeben. Stattdessen halten sie inne, formieren sich neu und bauen ihre Kräfte wieder auf. Wenn man dem iranischen Regime erlaubt, diese Phase zu überstehen und wieder Stabilität zu erlangen, wird es mit ziemlicher Sicherheit seine verbleibenden Ressourcen darauf verwenden, das zu erreichen, wonach es schon lange strebt: Atomwaffen. Solche Waffen in den Händen des Iran würden die strategische Lage im Nahen Osten grundlegend verändern und dem Regime einen mächtigen Schutzschild gegen künftigen militärischen Druck bieten.

Es wäre naiv anzunehmen, dass das iranische Regime und die Hamas ihre Ambitionen auch nach den Zerstörungen, die sie erlitten haben, aufgeben werden. Im Gegenteil: Die Führung in Teheran wird höchstwahrscheinlich zu dem Schluss kommen, dass ihr grösster strategischer Fehler darin bestand, nicht schon früher Atomwaffen zu beschaffen. Hätten sie vor diesem Konflikt über nukleare Abschreckung verfügt, würden sie vielleicht glauben, dass die USA und Israel es niemals gewagt hätten, eine solche Offensive gegen sie zu starten. Diese Erkenntnis könnte ihre Entschlossenheit bestärken, um jeden Preis Atomwaffen zu erlangen.

Es gibt mehrere mögliche Wege, über die das Regime versuchen könnte, dieses Ziel zu erreichen. Ein Weg wäre, dass der Iran nach wie vor über versteckte Bestände an angereichertem Uran oder möglicherweise über nicht gemeldete Anlagen verfügt, die in der Lage sind, schnell Kernmaterial herzustellen. Im Laufe der Jahre hat das Regime beträchtliches Geschick bei der Verschleierung von Aspekten seines Atomprogramms bewiesen. Selbst wenn viele Anlagen zerstört wurden, kann die Möglichkeit, dass noch verdeckte Infrastrukturen bestehen, nicht ausgeschlossen werden.

Eine weitere Möglichkeit wäre der rasche Wiederaufbau des Atomprogramms, sobald sich der Konflikt gelegt hat. Sollte das Regime überleben und der Druck von aussen nachlassen, könnte es seine nukleare Infrastruktur an geheimen Orten still und heimlich wiederaufbauen. Dank technologischer Fortschritte sowie der Lehren aus früheren internationalen Inspektionen könnte das Regime dabei schneller und diskreter vorgehen als zuvor.

Zudem besteht die Möglichkeit externer Unterstützung. Länder, welche die USA und ihre Verbündeten als strategische Rivalen betrachten, könnten einen Nutzen darin sehen, das iranische Regime als geopolitischen Partner zu erhalten. Staaten wie Nordkorea und Pakistan verfügen bereits über nukleare Fähigkeiten und haben in der Vergangenheit militärtechnologischen Austausch mit anderen Staaten betrieben. Russland und China, die jeweils ihre eigenen antiamerikanischen Kalküle verfolgen, könnten politischen Rückhalt, technologische Hilfe und indirekte Unterstützung leisten, die es dem Iran ermöglichen würden, sein Atomprogramm wieder aufzunehmen. China hat den Iran während dieses Krieges bereits mit „fast allem ausser Truppen“ versorgt und liefert Russland militärisches Material für dessen Krieg gegen die Ukraine.

Sollten sich das iranische Regime und die Hamas wieder erholen können, wird ihr vorrangiges strategisches Ziel wahrscheinlich darin bestehen, sich so schnell wie möglich wieder aufzurüsten, und wir werden uns erneut im Krieg wiederfinden.

Für den Iran kann eine einzige Atomwaffe eine ganze Stadt zerstören. In einer so dicht besiedelten und strategisch sensiblen Region wie dem Nahen Osten wären die Folgen nicht nur für Israel, sondern auch für seine Nachbarn am Golf katastrophal. Schon allein die Möglichkeit des Einsatzes von Atomwaffen würde ein Mass an Instabilität und Angst hervorrufen, das die Weltpolitik grundlegend verändern würde.

Schliesslich hat sich die strategische Lage heute gewandelt. Die Regime sind geschwächt und ihre militärischen Infrastrukturen schwer beschädigt. Diese Situation stellt einen historischen Wendepunkt dar. Was die USA und Israel bereits erreicht haben, ist atemberaubend. Ein Abbruch dieser Bemühungen auf halbem Wege würde nur dazu führen, dass die Bedrohungen in Zukunft auf gefährliche Weise zurückkehren. Die Geschichte wird beurteilen, ob diese beiden Chancen, die sich heute bieten, genutzt wurden – oder ob man sie ungenutzt verstreichen liess.

Dr. Majid Rafizadeh ist Politikwissenschaftler, Vorstandsmitglied der Harvard International Review und Präsident des International American Council on the Middle East. Er hat mehrere Bücher über den Islam und die US-Aussenpolitik verfasst. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

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