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Adidas bringt einen beliebten Schuh aus den 70er Jahren neu heraus und bewirbt ihn mit Topmodel Bella Hadid. Doch die Marketing-Atkion löst einen Shitstorm aus. Jetzt reagiert der Konzern.

Nach Antisemitismus-Vorwürfen will der Sportartikel-Hersteller Adidas eine Werbekampagne mit US-Topmodel Bella Hadid ändern. Das bestätigte der Konzern gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Gegenstand des Streits ist eine Neuauflage des Sneaker-Modells „SL 72“, das ursprünglich für die Olympischen Spiele in München 1972 entwickelt worden war. Mehrere jüdische Organisationen empfinden die Marketing-Aktion vor dem Hintergrund des damaligen Olympia-Attentats als respektlos. Damals wurden mehrere israelische Sportler von palästinensischen Terroristen ermordet. Hinzu kommt, dass Bella Hadid zuletzt mehrfach israelfeindliche Äusserungen vorgeworfen wurden. Ihr Vater ist Palästinenser.

Ein Adidas-Sprecher teilte der KNA nun mit: „Wir sind uns bewusst, dass Verbindungen zu tragischen historischen Ereignissen hergestellt wurden – auch wenn diese völlig unbeabsichtigt sind – und wir entschuldigen uns für jegliche Verärgerung oder Leid, die dadurch verursacht wurden. Aus diesem Grund überarbeiten wir die Kampagne.“ Nähere Angaben zu den geplanten Änderungen machte das Unternehmen nicht.

Die Kampagne für den „SL 72“ war am Montag vorgestellt worden. Die internationale Organisation Combat Antisemitism Movement erklärte am Donnerstag: „Dass Adidas sich für Hadid entschieden hat, die ständig gegen Juden hetzt und den jüdischen Staat angreift, ist schon schlimm genug. Aber dass sie einen Schuh auf den Markt bringen, der an eine Olympiade erinnert, bei der so viel jüdisches Blut vergossen wurde, ist einfach nur krank.“

Ähnlich reagierte die US-Organisation StopAntisemitism. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland äusserte Unverständnis. Die israelische Botschaft in Berlin schaltete sich ebenfalls in den Streit ein. Auf der Online-Plattform X schrieb sie: „Raten Sie mal, wer das Gesicht der Kampagne ist? Bella Hadid, ein Model mit palästinensischen Wurzeln, das in der Vergangenheit Antisemitismus verbreitete und zu Gewalt gegen Israelis und Juden aufrief.“

In einer Erklärung sagte der Vorsitzende der European Jewish Association (EJA), Rabbiner Menachem Margolin, der mit den Verantwortlichen des Sportgiganten Adidas sprach:

„Es war zutiefst unsensibel und schmerzhaft zu sehen, dass Bella Hadid, eine der lautstärksten und hasserfülltesten Hetzerinnen von Antisemitismus, eine Kampagne für einen Adidas-Schuh zur Erinnerung an die Olympischen Spiele 1972 in München anführte – Spiele, die durch die tragische Ermordung von 11 israelischen Sportlern durch palästinensische Terroristen berüchtigt wurden. Nach einem Gespräch mit den Verantwortlichen des Unternehmens begrüssen wir die Schnelligkeit, mit der Adidas gehandelt hat. Es ist ein Eingeständnis, dass ein schwerer Fehler gemacht wurde. Wir vertrauen darauf, dass diese Überarbeitung der Kampagne es uns allen ermöglicht, diesen vermeidbaren Vorfall hinter uns zu lassen.“

Adidas versicherte zwar, die Kampagne zu ändern. Ob die Zusammenarbeit mit Hadid bestehen bleibt oder nicht, bleibt indes vorerst offen. Bereits 2022 hatte Adidas nach Antisemitismusvorwürfen gegen Kanye West („Ye“) die zuvor höchst erfolgreiche Partnerschaft mit dem US-Rapper beendet. Die Produktion der Marke „Yeezy“ wurde eingestellt; die Folgen belasteten das vergangene Geschäftsjahr erheblich.

KNA/api/pko/Aud