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Das Hamas-Emblem

Wie der Machtkampf in Ägypten schliesslich ausgehen wird, wissen wir noch nicht – und doch können wir einen grossen Gewinner bereits beim Namen nennen: die Hamas. Mit wie viel Macht das ägyptische Militär auch dastehen wird, ohne Zweifel ist die islamistische Gruppierung einer der Hauptnutzniesser vom Kollaps des Mubarak–Regimes und vom steigenden Einfluss der Muslimbruderschaft in Kairo.

Das Durchsetzungsvermögen der Bruderschaft ist nur einer von mehreren Faktoren, die den Einfluss der Hamas unter den Palästinensern und in der Region erhöht haben. Dass es ihr gelungen ist, Israel zum Austausch von über tausend Terroristen für einen entführten israelischen Soldaten zu zwingen, haben die Fatah und die Palästinensische Autonomiebehörde genauso geschwächt wie das Scheitern der Bemühungen der Letzteren, den Friedensprozess durch die Erlangung der Unabhängigkeit bei den Vereinten Nationen abzukürzen. Doch nachdem die Grenze des Gazastreifens zu Ägypten nun durchlässig ist und sie zum Einfallstor für Waffenlieferungen und andere Formen der Hilfe werden könnte, wird bald niemand mehr die Tatsache ignorieren können, dass sich im Hamas-Staat dort das wahre Gesicht der palästinensischen Unabhängigkeit zeigt.

So wie Ägypten der Dreh- und Angelpunkt für den Beginn eines Friedensprozesses im Nahen Osten war, könnte der Aufstieg einer neuen Regierung, die die Beziehungen mit Israel möglicherweise weiter herabstuft, die noch vorhandene geringe Hoffnung auf Verhandlungen mit den Palästinensern unter sich begraben. Die meisten Beobachter bezweifeln, dass die ägyptische Armee zulassen wird, den Friedensvertrag mit Israel vollständig zu verwerfen. Doch es wäre keine Überraschung, wenn die nach den Wahlen gebildete Regierung feindlich dem jüdischen Staat gegenüber gesinnt wäre und noch freundlicher als bisher gegenüber dem ideologischen Verbündeten der Bruderschaft, der Hamas.

Dies wird die Hamas erheblich stärken, weil sich die Möglichkeit eröffnet, Israels Blockade der islamistischen Enklave zu unterlaufen und eine sichere Versorgungslinie zwischen dem Gazastreifen und dem Iran aufzubauen, der nach wie vor der Hauptlieferant von Waffen und Material an die Terrorgruppe ist.

Eine solche Wendung der Ereignisse wird sich in der ganzen Region auswirken. Die Popularität der Hamas unter den Palästinensern wird, durch den Deal um Gilad Shalit gestärkt, wird weiter wachsen. Das Einheitsabkommen mit der Fatah zeigt, dass die Palästinensische Autonomiebehörde erkannt hat, wie sich das Blatt in der langjährigen Rivalität gewendet hat und die Islamisten dabei sind, deutlich die Oberhand zu gewinnen. Die palästinensische Regierung der nationalen Einheit, die aus diesem Abkommen hervorgeht, wird voraussichtlich auf den Westen hin orientiert und den Terroristen gegenüber dienstbarer sein. Sogar Jordanien, bisher ein Bollwerk der arabischen Mässigung und zutiefst besorgt über den Einfluss der Hamas, hat begonnen, seine eisigen Beziehungen zu der Organisation aufzutauen. All dies lässt jede Hoffnung auf eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit Israel unter einem dunklen Schatten stehen.

Der amerikanische Einfluss in der Region nimmt ab; es bleibt abzuwarten, ob US-Präsident Barack Obama begreift, dass er nach wie vor gewisse Lenkungsmöglichkeiten besitzt. Die enormen Hilfsgelder, die noch immer von den USA und dem Westen zu den Palästinensern, wie auch nach Ägypten und in die anderen arabischen Länder fliessen, könnten dazu benutzt werden, die Isolierung der Hamas aufrechtzuerhalten. Dennoch besteht kein Zweifel daran, unabhängig davon was Obama nachträglich sagt oder tut, dass die Macht und der Einfluss der Hamas wachsen.

Originalversion: Hamas is the Big Winner in Egypt by Jonathan S. Tobin © Commentary Magazine (contentions), November 23, 2011. All rights reserved.

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