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Schweizer Fernsehen: Wie aus einem Hisbollah-Angriff eine israelische Bombardierung wurde

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Bei Kriegsbildern ist Vorsicht geboten, wie ein Vorfall im Schweizer Fernsehen verdeutlicht. In der Sendung Club wurden fälschlicherweise Aufnahmen von Hisbollah-Angriffen als israelische Angriffe auf den Libanon dargestellt. Dieser Fehler konnte entstehen, weil SRF das Bildmaterial von Nachrichtenagenturen nur stichprobenartig überprüft.

Die Kriegsberichterstattung beruht auf der Macht der Bilder. Doch nicht immer sind diese eindeutig, wie ein kürzlicher Vorfall im Schweizer Fernsehen zeigt. Die Sendung ‘Club’ vom 24. September 2024 drehte sich um die Eskalation des Krieges zwischen der Hisbollah und Israel. Am Tag zuvor hatten die israelischen Luftstreitkräfte einen schweren Schlag gegen die Stellungen der Hisbollah ausgeführt und viele hochrangige Mitglieder der Terrororganisation getötet. In einem kurzen Einspieler vor Beginn der Diskussion wurden die Ereignisse folgendermassen kommentiert:

«Das israelische Militär greift seit Montagmorgen Ziele an von der radikal-islamischen Hisbollah im Libanon mit massiven Bombardements. Und auch heute gehen die Angriffe weiter.»

Ziel der Angriffe war israelische Grenzstadt

Das Problem an der Sache. Ein Teil der Bilder zeigte nicht die Bombardierung des Libanons durch die Israelis, sondern die Bombardierung einer israelischen Stadt durch die Hisbollah. Für jeden, der je durch die Region gereist war, war das unschwer zu erkennen. Die Aufnahmen zeigten die charakteristischen roten Ziegeldächer und einen reichen Baumbestand, wie sie für israelische Städte charakteristisch sind. Tatsächlich handelt es sich bei der im SRF gezeigten Stadt um Metulla im äussersten Norden Israels.

Metulla ist seit Beginn der Hisbollah-Angriffe am 8. Oktober 2023 eine der meist betroffenen Städte des Dauerbombardements. Die Stadt, die vor Kriegsbeginn wegen seines milden Klimas bei Touristen beliebt war, ist heute eine geschlossene militärische Zone. Die Einwohner wurden wie zehntausende andere Israelis in innere Landesteile evakuiert.

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Die Bilder des Schweizer Fernsehens zeigen die israelische Grenzstadt Metulla. Bild: SRF, Google Maps.

Nachrichtenagenturen liefern Informationen

Wie konnte es zu diesem Fehler kommen? Auf Anfrage teilt SRF mit, dass die Bilder von der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) stammen. In der von AP gelieferten Beschreibung des Quellenmaterials heisst es unter anderem: «Nach einer Reihe von Explosionen am Dienstagmorgen war im Südlibanon starker Rauch und Feuer zu sehen. Hunderte von Luftangriffen Israels im Süden und Osten des Libanon haben seit Montag mindestens 490 Menschen getötet (…).»

In den von AP gelieferten Informationen fehlen Belege für diese Behauptungen und auch die Namen der Kameraleute, die den Beitrag produziert haben, sind nicht aufgeführt. Wie kann also das Schweizer Fernsehen die Korrektheit des Bildmaterials und der Angaben sicherstellen?

Quellen werden nur sporadisch überprüft

Eine solche Überprüfung findet bei SRF in den meisten Fällen gar nicht statt, wie man auf Nachfrage erklärt: «SRF prüft Bilder, die von Agenturen zur Verfügung gestellt werden, stichprobenartig gegen.»

Das heisst: Man verlässt sich in der Regel auf die Angaben der Nachrichtenagenturen, in der Hoffnung, dass diese korrekt sind. Offensichtlich hat das diesmal nicht gereicht: «In diesem Fall ist ein Fehler passiert, den SRF so übernommen hat,» lässt man sich zitieren. Man schiebt die Schuld also AP zu und überlässt die Verantwortung für die korrekte Interpretation des Videomaterials den Nachrichtenagenturen.

Propaganda in den Wohnzimmern?

Handelt es sich bei diesem Fehler um einen Einzelfall? Möglich. Allerdings ist Vorsicht geboten: Die Hamas ist bekannt dafür, die Berichterstattung zu kontrollieren und zu zensurieren. Die grossen Nachrichtenagenturen informieren über diese Praxis in der Regel nicht (s. Artikel). Die Hisbollah dürfte im Südlibanon Ähnliches versuchen. Über die Nachrichtenagenturen könnte die Hisbollah-Propaganda dann ungeprüft in die Schweizer Fernsehstuben gelangen. Um dies zu verhindern, wäre das Schweizer Fernsehen gut beraten, bei der Auswahl und Analyse von Videomaterial aus Kriegsgebieten selbst Verantwortung zu übernehmen.

2 Kommentare

  1. Die Schweiz kann nur wenig dazu beitragen den Konflikt in Nahost zu beenden. Aber hier kann man die hier lebenden Juden schützen und verhindern, dass Antisemiten hier weiter ungehindert eindringen bzw. auch noch eingeflogen werden. Oder die Terror-Sympathiesanten abschieben, auch nach Syrien.
    Die Hisbollah/Hamas-Fans flüchten aktuell auch grade massenhaft aus dem Libanon nach Syrien. Kann also nicht so schlecht sein dort.

  2. Es wird in den deutschen Hetzmedien schon mit Lügen-Überschriften und Hass-Schlagzeilen wie „Israel bombardiert Flüchtlingslager ..“ „Israel greift Krankenhaus an …“ bewußt der Hass auf Israel geschürt.

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