Schweizer Warenhäuser und ihre jüdischen Gründer – Triumph der Moderne

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Aussenansicht des Loeb Warenhauses in Bern um 1950. Foto Loeb AG, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40178708
Aussenansicht des Loeb Warenhauses in Bern um 1950. Foto Loeb AG, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40178708
Lesezeit: 3 Minuten

Im Buch von Angela Bhend wird die umwälzende und wechselvolle Geschichte der Schweizer Warenhäuser erzählt. Der Fokus liegt auch auf deren Gründern, viele von ihnen jüdische Einwanderer. Es ist der neuste Band der Schriftenreihe des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) und erscheint im Chronos Verlag.

In «Triumph der Moderne» arbeitet Angela Bhend die Geschichte und Entwicklung der ersten Warenhäuser in der Schweiz um den Beginn des 20. Jahrhunderts auf. Viele der Warenhauspioniere und -gründer waren jüdische Einwanderer. Die Autorin verwebt in ihrem Buch sowohl Aspekte der Wirtschafts- und Migrationsgeschichte als auch der Sozial- und Architekturgeschichte in der Schweiz. Mit diesem neusten Band der SIG-Schriftenreihe im Chronos Verlag wird ein weitgehend unbekanntes Stück Kulturgeschichte beleuchtet, das von der jüdischen Minderheit in der Schweiz massgeblich mitgeprägt und geschrieben wurde.

Bekannte Namen wie Loeb, Manor oder die EPA

Das Auftauchen der Warenhäuser in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellte eine Revolution im Handel, Verkauf und im Konsum dar. Mit der Erfindung des Warenhauses wurden die herkömmlichen Warenvertriebsformen umgewälzt. Prachtbauten schufen eine neue Plattform für den hereinbrechenden Massenkonsum. In der Schweiz konnten sich die ersten Warenhäuser an der Schwelle zum 20. Jahrhundert etablieren. Die Mehrheit der helvetischen Warenhauspioniere stammte aus dem benachbarten Ausland, viele von ihnen waren jüdische Einwanderer. Namen wie Brann, Mandowsky, Pilz oder Knopf sind heute in Vergessenheit geraten. Andere wie Loeb, Manor oder die 2005 aufgelöste EPA sind allseits bekannte und kaum wegzudenkende Konsumtempel der heutigen Zeit. Trotzdem ist ihr Hintergrund und ihre Geschichte bisher kaum erforscht worden. Noch weniger bekannt heutzutage ist die gesellschaftliche Abwehrhaltung gegenüber den Warenhäusern. Spätestens in den 1930er-Jahren wurde das für den Mittelstand angeblich existenzvernichtende Warenhaus Zielscheibe einer rechtsbürgerlichen Kampagne, die den Liberalismus der Gründerzeit suspendierte. 1933 verbot ein dringlicher Bundesbeschluss die Eröffnung und Erweiterung von Warenhäusern, Kaufhäusern, Einheitspreisgeschäften und Filialgeschäften.

Einblicke in die Geschichte und Kultur der jüdischen Gemeinschaft

Triumph der Moderne erscheint als Band 19 in der SIG-Schriftenreihe «Beiträge zur Geschichte und Kultur der Juden in der Schweiz». Die SIG-Schriftenreihe erscheint seit 1992. Ihr Ziel ist es, das Wissen und das Verständnis über jüdisches Leben in der Schweiz zu fördern. Sei es die Geschichte der jüdischen Gemeinden, die Architektur der Synagogen oder die Lage der Schweizer Jüdinnen und Juden während des Zweiten Weltkriegs – die in der Schriftenreihe des SIG erschienenen, reich bebilderten Bände zeichnen die historische Entwicklung nach und geben Einblick in die Geschichte, Kultur und die Traditionen der lebendigen jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz.

Triumph der Moderne. Jüdische Gründer von Warenhäusern in der Schweiz, 1890–1945
von Angela Bhend
Band 19 der Schriftenreihe des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds SIG «Beiträge zur Geschichte und Kultur der Juden in der Schweiz»
Chronos-Verlag, Zürich
2021. Gebunden. 352 S., 125 Abb. farbig und sw.
ISBN 978-3-0340-1585-1. CHF 58 / EUR 58

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