Start Audiatur Exklusiv Wie SRF den Film «NAZA» absegnet, ohne berechtigte Zweifel zu äussern

Wie SRF den Film «NAZA» absegnet, ohne berechtigte Zweifel zu äussern

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Ein übermaltes Graffiti zeigt die israelischen Filmemacher Yuval Abraham und Rachel Szor in Ashdod. 16.09.2026. Foto IMAGO / Anadolu Agency
Ein übermaltes Graffiti zeigt die israelischen Filmemacher Yuval Abraham und Rachel Szor in Ashdod. 16.09.2026. Foto IMAGO / Anadolu Agency
Lesezeit: 7 Minuten

Radio SRF hat am 14. September 2026 im «Echo der Zeit» über den Film «NAZA» berichtet, der in Venedig gefeiert wurde. Der Film wirft der israelischen Armee anhand anonymer Zeugen vor, zivile Opfer in Gaza bewusst in Kauf zu nehmen. SRF gab diese Vorwürfe praktisch unkritisch an sein Publikum weiter, obwohl es Gründe für Zweifel gibt. Ein Kommentar von Hanspeter Büchi.

Es äussern sich in der Sendung Matthias Kündig und Susanne Brunner. Der Film erhielt nach seiner Premiere in Venedig am 10. September eine 25-minütige Standing Ovation und später den Spezialpreis der Jury. Regie führten Yuval Abraham und Rachel Szor, die bereits hinter dem 2025 mit einem Oscar ausgezeichneten Film «No Other Land» standen. Im Film»NAZA» schildern rund zwei Dutzend anonyme Personen, angeblich Mitglieder des israelischen Geheimdienstes, wie die Armee im Gazastreifen Ziele auswähle und wie viele zivile Tote dabei als akzeptabel gälten. Matthias Kündig und Susanne Brunner gaben diese Vorwürfe in der Sendung praktisch unkritisch weiter. Brunner fasste den Beitrag zudem in einem Online-Text zusammen. Zweifel am Film kamen dort nicht zur Sprache. Dafür beschreibt Brunner dort den Film «No other Land» falsch. Darin geht es nicht um «Siedlergewalt», sondern um den Abriss von gemäss Oberstem Gericht illegal erstellten palästinensischer Bauten.

Zu diesem IDF-Bashing besonderer Art zunächst Folgendes:

Wer aber sind diese Informanten? Sie sind anonym, keine Namen, keine Gesichter. Welche Funktionen hatten diese Männer und Frauen überhaupt in der Armee, verfügen sie über das notwendige Know-how? Oder reden sie einfach daher, so wie es die Regie von ihnen verlangt? Ein maskierter Mann, der sich als Teilnehmer des Films ausgab, behauptete in einem Video des israelischen Privatdetektivs Shmulik Maman, die Interviewten hätten mehr Geld erhalten, wenn sie höhere Opferzahlen nannten. Weder seine Identität noch seine Angaben lassen sich laut Maman belegen. Wie alles um diesen Film müsste auch diese Aussage überprüft werden.

Die IDF wies zentrale Behauptungen des Films als falsch zurück. Generalstabschef Eyal Zamir liess rechtliche Schritte prüfen und ordnete eine Untersuchung an. Man wolle auf jede einzelne Behauptung sachlich reagieren. Kulturminister Miki Zohar bezeichnete den Film als Verrat am Staat und will den beiden Verantwortlichen die israelische Staatsbürgerschaft entziehen. Auch Ministerpräsident Netanyahu griff den Film öffentlich an.

«Hauptproduzent und Financier ist die britische Tageszeitung «The Guardian», schreibt Dan Lazarovici am 17. September auf Audiatur-Online im Beitrag «Israelkritik als Exportware: Die Ökonomie des israelischen Antizionismus». Und weiter: «Ohne die westliche Subventionsmaschinerie und die Gier der europäischen Kulturfestivals nach antiisraelischen Narrativen wären Abraham und Szor kaum über eine Nische hinausgekommen. Erst die Bühnen im Ausland haben sie bekannt gemacht, spätestens mit dem Oscar für ‹No Other Land› im Jahr 2025.» Er fügt bei: «Die radikale Kritik am jüdischen Staat ist für eine kleine Gruppe von Israelis zum lukrativsten Karrierebeschleuniger überhaupt geworden». 

Die Welt krankt offensichtlich an einer akuten Israelphobie. Das erinnert an den Satz «Die Juden sind unser Unglück», den Heinrich von Treitschke 1879 prägte und den Julius Streichers «Stürmer» als Leitspruch führte.

Kritik an SRF

Matthias Kündig und Susanne Brunner vermitteln den Film quasi als Tatsachenbericht, eine unerhörte Anmassung angesichts zahlreicher Schwachstellen, die sie umgehen. So zum Beispiel mit dem Hinweis: «Aber hinter den Interviews stehen investigative Rechercheteams vom renommierten Guardian und von der israelischen Plattform +972.» Jede Aussage werde auch digital überprüft, so Brunner.

Die Realität sieht anders aus. Man muss wissen, dass das Magazin +972 eine dezidiert israelfeindliche Agenda verfolgt und Israel mit zahlreichen Anklagen an den Pranger stellt. Das Hilfswerk der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (HEKS) gehört zu den finanziellen Unterstützern von +972, was angesichts der antiisraelischen Haltung des HEKS nicht erstaunt. Auch der Guardian ist bekannt für seine problematische Israel-Berichterstattung, die ihn immer wieder in Konflikt mit der Organisation CAMERA bringt, welche die Israel-Berichterstattung verschiedener Medien überprüft.

Matthias Kündig spricht in der Sendung einzig vom Zorn der israelischen Regierung auf die Regisseure, nicht aber von der breiten Ablehnung des Films in Israel. Diese wird nur im online-Text erwähnt.

Im Bericht von SRF fehlten solche kritischen Stimmen zum Film. Zum Beispiel schreibt Aviel Schneider, Chefredaktor von Israel Heute, am 15. September: «Zwei meiner Söhne wurden aus Thailand zurückgerufen, einer meiner Söhne kämpfte als Offizier an vorderster Front. Und sie sind wütend. Wütend darüber, dass israelische Soldaten heute vor einem internationalen Publikum praktisch auf die Anklagebank gesetzt werden und ihnen eine Kriegsführung zugeschrieben wird, die sie aus ihrer eigenen Erfahrung so nicht kennen. Das ist eine Lüge. Und sie sind damit keineswegs allein. Ich höre denselben Zorn von anderen Soldaten, die tatsächlich in diesem Krieg gekämpft haben.» Eine Anklage ist noch kein Beweis. Schwierig wird es, wenn die Ankläger anonym bleiben und nichts Näheres über ihre Funktion bekannt ist. Yuval Abraham hat nach eigener Darstellung nur sehr kurz in der israelischen Armee gedient. Laut Aviel Schneider waren es etwa zwei Wochen. Umso bemerkenswerter ist für ihn die moralische Autorität, mit der heute über einen Krieg geurteilt wird, den andere Israelis über Jahre hinweg am eigenen Leib erfahren.

Susanne Brunner zitiert eine Person, die gesagt habe, bei einer Bombardierung sei der Tod von 500 Zivilisten in Kauf genommen worden, was die israelische Armee heftig bestreite. Die Armee nennt die Behauptung «völlig falsch». Sie habe nie einen Angriff geplant, genehmigt oder ausgeführt, bei dem 500 oder annähernd so viele zivile Tote erwartet wurden. Zudem wurde die Zahl 500 laut Fachleuten falsch interpretiert. Sarit Zehavi, Oberstleutnant der Reserve und Gründerin des Alma-Forschungszentrums, erklärt, ein solcher Vermerk bedeute im Gegenteil, dass Massnahmen zur Verringerung der zivilen Opfer getroffen werden müssen. Ob Brunners Aussage stimmt, dass bei einem hochrangigen Führer der Terrororganisation Hamas «schon mal hundert» tote Zivilisten in Kauf genommen würden, wissen wir nicht.

Wenn Susanne Brunner psychische Probleme von Soldaten erwähnt, vermittelt sie den Eindruck, diese seien die Folge einer problematischen Kriegsführung seitens der IDF, eine bösartige Unterstellung, wohl um dem Film Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Angeblich hat Susanne Brunner gehört, dass es legitim sei, Kinder im Gazastreifen zu töten, «weil sie ja eh zum Terroristen erzogen werden». Dieses einseitige Narrativ ist nicht neu. Die IDF hat solches vehement zurückgewiesen. Doch die Produzenten des Films sind ein Beispiel dafür, dass es neben Hamas und linker Presse auch Israelis gibt, die sich nicht scheuen, die eigene Armee zu verleumden.

Oder ist alles erfunden? Was spricht für diesen Standpunkt?

Yuval Abraham war Co-Regisseur von «No Other Land», einem Film, in dem es ausschliesslich um den Abriss von Häusern ging, die Palästinenser illegal in der Militärzone von Masafer Yatta errichtet hatten.

Doch diese entscheidenden Fakten fehlten im Film, weil sie die Story der Filmemacher durchkreuzt hätten. So basiert der Film auf vielen Lügen, was das Publikum mangels Kenntnis der Fakten nicht wissen konnte. Es feierte den Film, wie es mit jedem antiisraelischen Film oder Buch geschieht. Die NGO Regavim hatte die Geschichte um den Fall Masafer Yatta lange vor dem Film recherchiert und darüber geschrieben. Yuval Abraham mangelt es nachweislich an Glaubwürdigkeit! Auch frühere Recherchen von Regavim zu Yuval Abraham fielen für ihn nicht positiv aus. Man staunt also, wenn Susanne Brunner im Online-Text zur Sendung erklärt: «Der jüdisch-israelische Journalist Yuval Abraham ist zudem sehr renommiert für seine Arbeit.» Beim antiisraelischen Publikum ist das zweifellos der Fall. Geht es um Fakten, dann eher nicht, was auch dieser Film beweist. Warum ihn also angesichts des für Israel angerichteten Schadens nicht Nestbeschmutzer und Landesverräter nennen?

Die «Masche» mit den anonymen Whistleblowern klingt allzu verdächtig nach der antiisraelischen NGO Breaking the Silence (BtS), angeblich aus ehemaligen Soldaten bestehend, die permanent die IDF anschwärzen. Auch diese Gruppe hat ihre Bühne ausserhalb Israels, wo immer Türen offen sind für Berichte über angebliches Fehlverhalten der IDF. Wie im Film verläuft auch dort alles anonym. BtS sagt nicht, wo und wann genau etwas geschah und wer verantwortlich war, damit Untersuchungen verunmöglicht werden. Doch für die IDF verbleibt ein Imageschaden, Fakten hin oder her.

Zweifel am anonym gehaltenen Anti-IDF-Film sind daher sehr wohl berechtigt. Einmal mehr lieferte SRF eine problematische, einseitige Präsentation zum Nachteil Israels, das Markenzeichen Susanne Brunners. Die Weichen stellte Matthias Kündig gleich zu Beginn, als er von einem «mutmasslichen» und nicht von einem «angeblichen» System sprach, was eben nicht dasselbe aussagt.

Die verbrecherische Hamas wird geschont. Kein Thema ist, dass sie Menschen als Schutzschilde missbrauchte, egal ob Männer, Frauen oder Kinder. Es fehlt der Hinweis, dass eine frühere Freilassung der Geiseln durch die Hamas weniger zivile palästinensische Opfer bedeutet hätte.

Radio SRF wird mit Gebühren finanziert und ist an das Sachgerechtigkeitsgebot gebunden. Sendungen mit Informationsgehalt müssen Tatsachen und Ereignisse so darstellen, dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann. Diesem Anspruch wurde das «Echo der Zeit» im Fall von «NAZA» nicht gerecht. Die Hörer erfuhren von anonymen Zeugen, angeblich renommierten Rechercheteams und digitaler Überprüfung. Wofür +972 und der Guardian in der Nahostberichterstattung stehen, erfuhren sie nicht.

Eine Standing Ovation in Venedig ersetzt keine Prüfung der Fakten. Wer sich mit öffentlich geäusserten anonymen Vorwürfen gegen eine Armee im Krieg befasst, müsste besonders kritisch und zurückhaltend an die Arbeit gehen, anders als SRF. 

1 Kommentar

  1. Kollateralschaden (NAZA) und Verhältnismässigkeit sind Grundsätze des humanitären Völkerrechts, die Israel anwendet und deren mutmassliche Verletzungen es untersucht.

    Mehr als 900 israelische Soldaten sind im Gaza-Krieg gefallen (die Gesamtzahl der Sicherheitskräfte liegt noch höher), viele im Zusammenhang mit der Befreiung der Geiseln; Tausende weitere wurden verwundet.

    Es wäre interessant, die Schweizer Bevölkerung zu befragen: Sollen ihre Töchter, Söhne oder Väter in einem Verteidigungskrieg gegen eine Bedrohung der Schweiz sterben und ihr Leben opfern, um den Tod derjenigen zu verhindern, die die Vernichtung der Schweiz und der Menschen in ihrer Nähe planen – auch wenn die Angreifer keine Uniform tragen und sich unter Zivilisten, inklusive engsten Familienangehörigen, verstecken?

    Ein Film, der die israelische Armee und Israel anklagt – massgeblich vom Guardian finanziert und in Venedig mit stehenden Ovationen von 25 Minuten begrüsst –, ändert nichts an meiner Meinung über Propaganda in Teilen der Medien, beim Guardian, unter bestimmten antiisraelischen Prominenten und unter jenen, die parallel zu Agenden arbeiten, die Israel delegitimieren wollen.

    Israel sollte den Film zeigen, idealerweise mit ausreichendem Kontext und Kommentar. Selbst wenn er Verzerrungen oder Unwahrheiten enthält, kann er noch dazu genutzt werden, die Unterstützung für Israel zu stärken, indem man die Methoden und die einseitige Rezeption sichtbar macht.

    Medien und Sender, die einen solchen umstrittenen Film einfach ohne sorgfältige Analyse durch lokale Militärexperten weiterverbreiten, betreiben nach meiner Ansicht nachlässige und einseitige Berichterstattung, die als antiisraelische Propaganda wirkt. SRF sollte Schweizer Militärexperten zu einer Diskussionsrunde einladen und sie zu den anonymen Aussagen Stellung nehmen lassen.

    Zusätzlich sollte politischer Druck auf SRF ausgeübt werden, damit die israelische Position zur Legalität der Siedlungen und zum Recht des jüdischen Volkes, in einem Staat mit verteidigungsfähigen Grenzen sicher zu leben, klar und vollständig dargestellt wird. SRF sollte Aufrufe zur Zerstörung Israels sowie Aussagen, die die Existenz Israels als Unrecht oder koloniale Schuld darstellen, klar und unmissverständlich verurteilen.

    Wenn SRF dazu nicht bereit oder in der Lage ist, gibt es aus meiner Sicht keinen Grund, SRF noch einzuschalten.

    Ich werde Audiatur weiterlesen, um zu sehen, ob SRF den Kurs ändert. Vorerst wechsle ich zu X und höre Boy Georges Song «We Will Dance Again»:

    https://x.com/BoyGeorge/status/2085987921912348833?s=20

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