Das Amsterdamer KI-Cloud-Unternehmen Nebius hat das israelische Start-up Inferize gekauft, das erst zehn Monate alt war und sein Produkt noch nicht auf den Markt gebracht hatte. Einen Preis nennt Nebius nicht, israelische Wirtschaftsmedien berichten aber von mindestens 100 Millionen Dollar.
Nebius gab die Übernahme am 1. Oktober 2026 bekannt, ohne Angaben zu den Bedingungen zu machen. Die Wirtschaftszeitung Globes berichtet unter Berufung auf eigene Quellen von einem Kaufpreis zwischen 100 und 130 Millionen Dollar, während das Techportal Calcalist den Betrag auf 100 bis 150 Millionen Dollar schätzt. Globes bezeichnet den Verkauf als besonders schnellen Exit, weil Inferize sein Produkt noch nicht kommerziell angeboten hatte. Auf der Website des Unternehmens können sich Interessenten bis heute lediglich auf eine Warteliste setzen lassen.
Gegründet wurde Inferize im Januar 2026 von Guy Bortnikov, der die Firma als CEO leitet, und von Technologiechef Lior Gorbonos, und das Unternehmen beschäftigt 17 Mitarbeiter in Tel Aviv. Beide Gründer gehörten zum Gründungsteam von Granulate, einem israelischen Anbieter von Software zur Optimierung von Recheninfrastruktur, den Intel 2022 laut damaligen Berichten für rund 650 Millionen Dollar übernommen hatte. Nach Angaben von Nebius hatte das Team von Inferize bereits drei Monate nach der Gründung einen funktionierenden Prototyp entwickelt.
Kaltstart als Kostenfaktor
Inferize befasst sich mit dem sogenannten Kaltstart, also der Zeit zwischen der Zuteilung von Rechenleistung an ein KI-Modell und dem Moment, in dem dieses tatsächlich Anfragen beantworten kann. In dieser Phase wird das Modell in den Speicher der Grafikprozessoren geladen, und die teuren Chips, kurz GPU genannt, sind zwar belegt, verarbeiten aber noch keine Anfragen. Ins Gewicht fällt das vor allem dann, wenn die Nachfrage plötzlich steigt und zusätzliche Server hochgefahren werden müssen oder wenn Modelle im laufenden Betrieb aktualisiert werden.
Damit sie auch in solchen Momenten liefern können, halten Anbieter laut Globes zusätzliche GPUs in Reserve, die nicht durchgehend genutzt werden und trotzdem Kosten verursachen. Nebius spricht in seiner Mitteilung von einer «Leerlaufsteuer» auf GPUs, die Inferize senken soll, damit die Kapazität enger der tatsächlichen Nutzung folgt. Für Nebius bedeutet das nach Darstellung von Globes, mit derselben Hardware mehr Anfragen bearbeiten zu können und Tokens, also die Dateneinheiten, die KI-Modelle verarbeiten und ausgeben, wirtschaftlicher zu erzeugen.
Bortnikov beschreibt den Zweck seiner Firma so: «Reserve-GPUs laufen zu lassen, ist der Preis dafür, für die Nachfrage bereit zu sein. Diese Kosten zu beseitigen, ist der Grund, weshalb wir Inferize gebaut haben, und bei Nebius kann es direkt in die Plattform einfliessen. Unser Team wird über die gesamte Technik hinweg mit einem einzigen Ziel arbeiten: mit jeder GPU mehr Kundennachfrage zu bedienen.»
Teil der Token Factory
Technologie und Team von Inferize gehen in die Inferenzplattform «Token Factory» über, auf der Firmen und Entwickler KI-Modelle im produktiven Einsatz betreiben. Nebius-Technologiechef Danila Shtan sagt dazu: «Inferenz gut zu betreiben braucht mehr als schnelle GPUs und optimierte Modelle. Das ganze System muss reagieren, wenn sich die Nachfrage ändert, auch darin, wie schnell zusätzliche Kapazität für die Kunden bereitsteht. Inferize bringt eine Technologie, die diesen Vorgang beschleunigt, und ein Team mit grosser Erfahrung in GPU-Systemen.» Der Beitrag des Teams werde nach seinen Worten weit über diese erste Integration hinausgehen.
Zuvor hatte Nebius bereits die Technologie von Eigen AI in die Plattform eingebaut, die auf der Ebene von Modellen, Kernel und Systemen optimiert. Von Clarifai übernahm Nebius das Kernteam und lizenzierte dessen Technologie für die Ausführung von Modellen und die Steuerung der Rechenressourcen.
Einziger Investor von Inferize war laut Globes der Risikokapitalfonds TLV Partners, während Calcalist von einer Seed-Runde unter Führung von TLV Partners schreibt, an der sich zusätzlich bekannte Business Angels beteiligt hätten. TLV Partners hatte bereits in der Frühphase in Granulate investiert, worauf Managing Partner Shahar Tzafrir gegenüber Globes verweist: «Zum Glück kannten wir das Team bereits, und es kannte uns, dank unserer Seed-Investition in Granulate, weshalb es uns als Seed-Investoren gewählt hat. Wir wussten, was sie können. Einen solchen Exit nur Monate nach der Gründung zu erreichen, ist eine aussergewöhnliche Leistung, die die Stärke und Qualität der Gründer und des hervorragenden Teams zeigt, das sie eingestellt haben.»
Nebius in Israel
Inferize ist bereits die zweite israelische Firma, die Nebius in diesem Jahr kauft. Im Februar 2026 kündigte das Unternehmen die Übernahme von Tavily an, einem israelischen Start-up mit Sitz in New York, das Suchtechnologie für KI-Agenten entwickelt. Laut Calcalist zahlt Nebius dafür zunächst 275 Millionen Dollar, wobei der Betrag bei Erreichen bestimmter Leistungsziele auf 400 Millionen Dollar steigen kann.
Nebius hat seinen Sitz in Amsterdam und betreibt Forschungs- und Entwicklungsstandorte in Europa, Nordamerika und Israel. An der Spitze steht Mitgründer und CEO Arkady Volozh, der sein Vermögen mit dem russischen Internetkonzern Yandex aufgebaut hat und laut Calcalist noch vor der Corona-Pandemie nach Israel zog und israelischer Staatsbürger wurde. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verurteilte er den Krieg öffentlich und trennte sich vom russischen Geschäft von Yandex, aus dessen Umstrukturierung Nebius hervorging.
Auch beim Ausbau seiner Rechenzentren setzt Nebius auf Israel, wo das Unternehmen mit Mega DC, einer Tochter von Mega Or, Verträge für zwei Anlagen in Masmiyya und Beit Shemesh geschlossen hat. Diese sollen zusammen 80 Megawatt liefern, und ihre Baukosten werden auf rund 880 Millionen Dollar geschätzt. Hinzu kommen 8 Megawatt im Rechenzentrum von Mega Or in Modiin, und die israelische Innovationsbehörde hat Nebius zudem ausgewählt, den nationalen KI-Supercomputer des Landes aufzubauen.
Für Bortnikov und Gorbonos ist Inferize nach Granulate bereits das zweite Unternehmen aus ihrem Umfeld, das an einen internationalen Konzern verkauft wird, und in beiden Fällen war TLV Partners schon in der Seed-Phase als Investor dabei.

























Alle, die ihre Zeit mit dämlichen Anfeindungen gegen Israel und Juden totschlagen, sollten sich nur ein ganz kleines Scheibchen von so tüchtigen Leuten abschneiden. Man sollte auch etwas dazu beitragen, die Welt weiterzu bringen, nicht bloß in Jahrtausende altem, obsoletem Sumpf herumboren. Aber es ist in manchen Kreisen, die lieber Verschwörungsmythen glauben, als wissenschaftliche Standards anzulegen, wohl hoffnungslos.