Das israelische Cybersicherheitsunternehmen Upwind hat eine Finanzierungsrunde über 400 Millionen Dollar abgeschlossen und ist nun 3,8 Milliarden Dollar wert. Gründer und Investoren setzen damit auf weiteres Wachstum aus eigener Kraft statt auf einen Verkauf an den amerikanischen Softwarekonzern Datadog.
Upwind gab den Abschluss der sogenannten Series-C-Runde am 28. Oktober 2026 bekannt. Angeführt wird sie wie schon die vorherige Runde von Bessemer Venture Partners. Neu eingestiegen ist Canapi Ventures, dazu kommen bisherige Geldgeber wie Greylock Partners, Cyberstarts, Craft Ventures, Salesforce Ventures, TCV, Leaders Fund und Picture Capital. Seit der Gründung im Jahr 2022 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben damit mehr als 800 Millionen Dollar aufgenommen, wie das Fachportal SecurityWeek festhält.
Bemerkenswert ist das Tempo, mit dem der Wert der Firma gestiegen ist. Im Januar 2026 hatte Upwind 250 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 1,5 Milliarden Dollar eingesammelt und war damit zum sogenannten Einhorn geworden, wie Jungunternehmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar genannt werden. Keine neun Monate später ist Upwind rund zweieinhalbmal so viel wert.
Lieber wachsen als verkaufen
Nach Einschätzung von Assaf Gilead von der israelischen Wirtschaftszeitung Globes zeigt die Runde, dass Upwind ein Kaufangebot von Datadog über rund 4 Milliarden Dollar ausgeschlagen hat. Datadog habe in den vergangenen Monaten um das Unternehmen geworben, doch Gründer und Investoren seien überzeugt, dass dessen Wert weiter steigen werde. Bestätigt haben die beiden Unternehmen ein solches Angebot öffentlich nicht. Datadog ist an der Nasdaq kotiert und gehört zu den führenden Anbietern für die Überwachung von Software, Cloud-Infrastruktur und KI-Anwendungen. Der Konzern unterhält ein Entwicklungszentrum in Israel, wo er laut Globes nun verstärkt Fachkräfte anwerben dürfte, um die eigene Produktentwicklung zu beschleunigen.
Israelisches Know-how mit Erfahrung
Geführt wird Upwind von Amiram Shachar, der das Unternehmen 2022 zusammen mit Liran Polak, Lavi Ferdman und Tal Zur gründete. Die vier hatten zuvor gemeinsam Spot.io aufgebaut, das 2020 für 450 Millionen Dollar an den amerikanischen Konzern NetApp verkauft wurde. Der Hauptsitz von Upwind liegt in San Francisco, ein grosser Teil der Belegschaft arbeitet aber in Israel. Das israelische Wirtschaftsportal Ice bezifferte den Personalbestand zuletzt auf rund 300 Mitarbeiter, etwa die Hälfte davon in Israel.
Laut Upwind hat sich der Umsatz seit Jahresbeginn vervierfacht. Globes schätzt den jährlich wiederkehrenden Umsatz für 2026 auf 80 Millionen Dollar oder mehr. Zu den Kunden zählen nach Firmenangaben die brasilianische Digitalbank Nubank, der Gebrauchtwagenhändler Carvana, der Streamingdienst Roku, der Softwareanbieter ClickUp und der deutsche Technologiekonzern Siemens.
Rückenwind erhielt Upwind auch durch einen anderen israelischen Erfolg. Im März 2026 schloss Google die Übernahme des Cloud-Sicherheitsunternehmens Wiz für 32 Milliarden Dollar ab, den grössten Zukauf in der Geschichte des Konzerns. Amazon und Microsoft suchten darauf Partner, die nicht mit ihrem Konkurrenten Google verbunden sind. Wie Globes berichtete, vereinbarte Amazon mit Upwind eine erweiterte Partnerschaft, bei der die Amazon-Verkäufer die Produkte von Upwind gegen eine ähnlich hohe Provision vertreiben wie die eigenen. Auch Microsoft bietet Upwind inzwischen über seinen hauseigenen Marktplatz an.
Sicherheit im Zeitalter der KI
Die Nachfrage nach solchen Lösungen wächst, weil Schwachstellen heute mit KI gefunden und mit KI ausgenutzt werden. Globes verweist auf eine schwere Sicherheitslücke in der Programmiersprache PHP, die vergangene Woche Websites in aller Welt gefährdete und ebenfalls mit Hilfe von KI entdeckt wurde. In diesem Umfeld wachsen Firmen wie Upwind, Echo, Sweet und Wiz besonders stark.
Upwind setzt auf die Überwachung der laufenden Systeme statt auf periodische Prüfungen. Die Plattform verbindet Informationen aus Cloud-Anwendungen, Programmierschnittstellen und KI-Agenten mit Echtzeitdaten, damit Sicherheits-, Entwicklungs- und Betriebsteams die gefährlichsten Risiken erkennen und Angriffe bemerken, während sie stattfinden. Das Unternehmen beschreibt diesen Ansatz als Arbeit «von innen nach aussen». Sicherheitsteams müssten verstehen, «wie Cloud und KI in Echtzeit zusammenwirken», sagt Shachar in der Mitteilung zur Finanzierungsrunde.
Die Datenplattform Dealroom zählt die Runde zu den grössten Series-C-Finanzierungen, die je ein israelisches Sicherheitsunternehmen erhalten hat. Das Geld soll in die Produktentwicklung und den Ausbau des Vertriebs fliessen. Bei Upwind selbst gibt man sich trotzdem zurückhaltend: Es sei ein grosser Tag, aber noch immer «ein kleiner Meilenstein auf unserem Weg», teilte das Unternehmen mit.























