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Als Yassir Arafat am 11. November 2004 im französischen Militärkrankenhaus Percy in Paris verstarb, konnte die Todesursache „damals nicht zweifelsfrei geklärt werden“, schreibt der Tagesanzeiger (27.11.2012). Der Verdacht, dass Arafat vergiftet worden sei „verstärkte sich noch, als Schweizer Experten im Juli an der Unterwäsche Arafats, die er kurz vor seinem Tod getragen hatte, Spuren der radioaktiven Substanz Polonium-210 fanden.“

Der Tagesanzeiger ist mehr an schierer Sensationslust interessiert, als Sinn und Unsinn dieser Vergiftungstheorie mit logischem und sachlichem Menschenverstand zu hinterfragen, wie es verschiedene Blogs machen.

Doch zuerst stellt sich die Fragen, warum Arafats Witwe Suha acht Jahre (!) nach seinem Tod nun den dringenden Wunsch verspürt, den Tod ihres Mannes endlich aufgeklärt zu wissen? Über mögliche Beweggründe und den ausgewählten Zeitpunkt haben wir berichtet. Zudem wurde die Krankenakte, die Aufschluss über Arafats Gesundheitszustand hätte geben können, nie veröffentlicht.

Ein Lausanner Forschungsinstitut hatte im Sommer 2012 die lang und sicher aufbewahrten persönlichen Gegenstände von Yassir Arafat – seine Unterhose, Spitalhemd, die Zahnbürste, den Pelzhut und sein symbolkräftiges Keffiya – auf Polonium untersucht. Doch es spielt keine Rolle, wenn François Bochud, Direktor des Lausanner Institute of Radiation Physics sagt, dass „die Ergebnisse eindeutig kein Beweis für eine Vergiftung sind”, noch dass Darcy Christen, Leiter Media Relations CHUV, wiederholt,  die klinischen Symptome, wie sie in Arafats Krankenakte beschrieben sind, stimmten nicht mit einer Polonium-210 Vergiftung überein. Uns gegenüber erklärte Bochud, es sei unmöglich, das Alter des Poloniums festzustellen und dass es theoretisch „möglich ist, dass die Menge Polonium-201, die wir gemessen haben, künstlich erzeugt wurde”.

Seit Arafats Tod wird die Vergiftungstheorie in palästinensischen Medien gepflegt und aufrechterhalten. Das erschreckende Ausmass dieses Kults wird durch Aussagen palästinensischer Kinder verdeutlicht, die „wissen“, dass ihr Held Arafat vergiftet wurde und zwar von den Juden [Israelis]. Kontinuierliche Berichte in palästinensischen Medien zementieren diese Denkweise.

Wahrscheinlich wird der Tagesanzeiger seine Leser und Leserinnen auch künftig über CSI Arafat samt Knochenanalyse auf dem Laufenden halten. Der Leser darf gespannt sein, welche unvorhersehbaren Wendungen dieser Fall noch nehmen wird.

Sandra Hoffmann © Audiatur-Online

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2 KOMMENTARE

  1. Welches Interesse hätte denn Israel daran haben sollen, den todkranken Arafat zu vergiften? Mit seinem Ableben war damals über kurz oder lang zu rechnen. Hätten die Israelis, oder wer auch immer, seinen Sterbeprozess abgekürzt und ihn ermordet, hätte das nur dazu geführt, dass er ein Märtyrer, wahrscheinlich der bedeutendste aller Märtyrer geworden wäre. Es stellt sich also wirklich die Frage: cui bono?

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