Start Innovation Amazon will israelisches KI-Unternehmen kaufen

Amazon will israelisches KI-Unternehmen kaufen

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Symbolbild. Foto IMAGO / ZUMA Press Wire
Symbolbild. Foto IMAGO / ZUMA Press Wire
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Amazon verhandelt über die Übernahme des KI-Unternehmens Decart, das die beiden Israelis Dean Leitersdorf und Moshe Shalev gegründet haben. Wie unter anderem das «Wall Street Journal» am Sonntag unter Berufung auf informierte Personen berichtete, könnte der Kaufpreis bei rund sieben Milliarden Dollar liegen.

Laut dem Bericht könnte eine Einigung bald zustande kommen, sofern die Gespräche nicht scheitern und kein anderer Bieter auftaucht. Weder Amazon noch Decart haben die Verhandlungen bisher öffentlich bestätigt. Kommt das Geschäft zustande, würde es laut «Calcalist» zu den grössten Zukäufen von Amazon in den letzten Jahren zählen.

Software, die teure Chips besser auslastet

Decart wurde 2023 gegründet und hat seinen Sitz in San Francisco. Das Herzstück des Unternehmens ist eine Software namens Decart Optimization Stack, kurz DOS. Sie soll dafür sorgen, dass KI-Chips mehr Rechenleistung abgeben und das Training und der Betrieb von KI-Modellen weniger kosten. Nach Angaben des Unternehmens läuft die Software auf den Grafikprozessoren von Nvidia, auf den TPU-Chips von Google und auf den Trainium-Chips von Amazon. Wer seine Modelle so zwischen Chips verschiedener Hersteller verschieben kann, wird unabhängiger von Nvidia, dessen Prozessoren den KI-Boom bisher prägen. Bei der Vorstellung der Version 2.0 im Mai gab Decart an, DOS verarbeite bei Anwendungen mit KI-Agenten über 1600 Tokens, also Textbausteine, pro Sekunde, während der Branchendurchschnitt bei rund 200 liege.

Daneben entwickelt Decart eigene KI-Modelle. «Lucy» verändert Videobilder in Echtzeit, etwa für virtuelle Anproben im Onlinehandel, für Werbung oder für Computerspiele. «Oasis» erzeugt simulierte Umgebungen, in denen Roboter und selbstfahrende Fahrzeuge trainiert und getestet werden können. Bekannt wurde Decart im Oktober 2024 mit einer ersten Version von Oasis, einem Spiel nach dem Vorbild von Minecraft, dessen Welt eine KI laufend neu erzeugte. Nach Angaben von Decart erreichte das Spiel innerhalb von 72 Stunden eine Million Nutzer. Elon Musk kommentierte es laut «Calcalist» auf X mit einem knappen «wow».

Amazon kennt Decart bereits als Partner

Die Verbindung zu Amazon ist nicht neu, denn der Konzern ist bereits ein strategischer Kunde von Decart. Laut «Wall Street Journal» erhielt Decart schon 2025 frühen Zugang zu Amazons KI-Chip Trainium3, nachdem die Gründer bei Amazon Web Services Eindruck gemacht hatten. Als Decart im Mai eine neue Finanzierungsrunde bekannt gab, lobte Nafea Bshara, Vizepräsident von Amazons Chipentwickler Annapurna Labs, das Unternehmen in der Mitteilung mit den Worten: «Decart ist die Art von Partner, mit der wir gerne zusammenarbeiten: technologisch furchtlos, schnell und zutiefst innovativ.»

Auch Annapurna Labs hat israelische Wurzeln, denn Bshara, ein Absolvent des Technion in Haifa, gründete die Firma 2011 gemeinsam mit Partnern in Israel. Anfang 2015 kaufte Amazon das Unternehmen für einen Betrag, der damals auf über 300 Millionen Dollar geschätzt wurde, und kündigte danach neue Entwicklungszentren in Tel Aviv und Haifa an. Heute entwickelt Annapurna die Trainium-Chips, auf denen auch Decarts Software läuft.

Eine Bewertung, die rasant gestiegen ist

Die Finanzierungsrunden zeigen, wie schnell der Wert von Decart gewachsen ist. Im Oktober 2024 trat das Unternehmen mit einer Startfinanzierung von 21 Millionen Dollar an die Öffentlichkeit, angeführt vom Risikokapitalgeber Sequoia. Im Dezember 2024 folgten 32 Millionen Dollar unter der Führung von Benchmark bei einer Bewertung von rund 500 Millionen Dollar. Im August 2025 kamen 100 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 3,1 Milliarden Dollar hinzu. Am 18. Mai 2026 gab Decart eine Runde über 300 Millionen Dollar bekannt, die der kanadische Investor Radical Ventures anführte. Neu eingestiegen sind dabei unter anderem Nvidia, Adobe Ventures, Toyota Ventures und eBay Ventures. Zu den Geldgebern zählen auch Privatpersonen wie der OpenAI-Mitgründer Andrej Karpathy, der frühere Disney-Chef Michael Eisner und die Gründerfamilie von Nintendo. Laut «Globes» bewertete diese Runde Decart mit rund vier Milliarden Dollar. Insgesamt hat das Unternehmen über 450 Millionen Dollar aufgenommen.

Zwei Gründer aus der Einheit 8200

Hinter Decart stehen zwei Gründer mit sehr verschiedenen Lebensläufen. Dean Leitersdorf ist 27 Jahre alt und leitet das Unternehmen. Er begann mit 17 ein Informatikstudium und schloss noch vor seinem 25. Geburtstag mit dem Doktorat ab. Laut «Calcalist» zog seine Familie mit dem Vater, dem Arzt Eran Leitersdorf, zwischen der Schweiz und den USA hin und her. Der 38-jährige Moshe Shalev ist für die Produkte zuständig. Er wuchs in einer ultraorthodoxen Familie in Bnei Brak auf und trat mit 23 Jahren über ein Programm zur Eingliederung von Ultraorthodoxen in technologische Einheiten in die Armee ein. Danach diente er 13 Jahre in der Nachrichtendiensteinheit 8200. Dort lernten sich die beiden im Jahr 2021 kennen, eine Woche nach der Militäroperation «Wächter der Mauern» gegen die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen.

Am 7. September 2023 liessen Leitersdorf und Shalev ihre Firma eintragen. Genau einen Monat später verübte die Hamas das Massaker vom 7. Oktober 2023. Beide Gründer wurden danach für viele Monate in den Reservedienst eingezogen, während ihr Unternehmen noch in den Anfängen steckte.

Was ein Verkauf für Israel bedeutet

Die Ziele der Gründer waren nie bescheiden. «Wir wollen das Google, Apple oder Facebook im Bereich der KI sein», zitierte «Calcalist» die beiden aus einem Interview, das nach der Wahl von Decart zum vielversprechendsten israelischen Startup des Jahres 2025 entstand. Leitersdorf hatte zudem erklärt: «Israel muss eines der fünf führenden Länder in der KI sein.»

Für die israelische Technologiebranche ist der Fall ein bemerkenswertes Signal. Drei Jahre nach dem Hamas-Massaker und nach einem langen Krieg haben mit Nvidia, Anthropic und Amazon drei der einflussreichsten Technologiekonzerne der Welt um ein Unternehmen verhandelt, dessen Gründer sich in einer Einheit des Militärgeheimdienstes kennenlernten und nach dem 7. Oktober monatelang Reservedienst leisteten. In Europa wird gleichzeitig an Hochschulen und in Kulturbetrieben darüber gestritten, ob man Verbindungen nach Israel kappen soll. Die Konzerne, die über die Zukunft der künstlichen Intelligenz entscheiden, rechnen offensichtlich anders.

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