Foto Screenshot Youtube
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„Wo ist die Solidarität mit den Christen in Sri Lanka?“, fragte der britische Gelehrte Rakib Ehsan, ein Muslim.

„Die Unterschiede in der Tonalität und Art zwischen den Verurteilungen der Terroranschläge von Christchurch und Sri Lanka sind auffallend. Nach Christchurch zögerte man nicht, die religiösen Hintergründe der Opfer anzugeben und Emotionen und Zuneigung zu muslimischen Gemeinschaften zu wecken. Die Politik hat sich auch nicht gescheut, die Ereignisse in Christchurch als Terrorismus zu bezeichnen.

Im Gegensatz dazu sind die Worte „Terrorismus“ und „Christentum“ und damit zusammenhängende Begriffe bisher in einem Grossteil der Reaktion auf die Anschläge in Sri Lanka nicht enthalten.

Was offensichtlich ist, ist nicht nur eine deutliche Zurückhaltung bei der Angabe des religiösen Hintergrunds der in Sri Lanka getöteten Christen, sondern auch ein Mangel an inniger Solidarität mit den christlichen Gemeinschaften auf der ganzen Welt, die weiterhin unter schweren Formen der Verfolgung aufgrund ihres Glaubens leiden.“

Rakib Ehsan stellte die richtige Frage. Aber sie könnte auch so geschrieben werden: Wo ist die westliche Solidarität für die ermordeten Christen in Sri Lanka?

von Giulio Meotti

Es ist ein Drama in drei Akten. Der erste Akt besteht darin, dass Christen und andere nicht-muslimische einheimische Bevölkerungsgruppen verletzt und ermordet werden. Der zweite Akt besteht aus muslimischen Extremisten, die diesen Massenmord verursachen. Und der dritte Akt besteht aus dem gleichgültigen Westen, der überall sonst hinschaut.

Die Zahl der ermordeten Opfer des Dschihadismus bei den Attentaten vom Ostersonntag in Sri Lanka ist zu schrecklich, um auch nur daran zu denken: 253 Tote. Zu den Opfern gehören auch 45 Kinder, die ermordet wurden. Die islamischen Terroristen wussten, dass es in den drei Kirchen viele Kinder gab und sie haben sie mit ihren Bomben gezielt angegriffen. Filmmaterial zeigt einen der Attentäter, der einem kleinen Kind auf den Kopf streichelt, bevor er die St. Sebastian’s Church in Negombo betritt, wo „jeder jemanden verloren hat„.

Die Familie Fernando hatte bei der Taufe ihres dritten Kindes Seth ein Foto gemacht. In Negombo wurden sie nun alle zusammen begraben. Vater, Mutter und drei Kinder im Alter von 6 und 4 Jahren und 11 Monaten. Wie die New York Times berichtet:

„Fabiola Fernando, 6, war Grundschülerin. Auf einem Foto, das auf der Facebook-Seite ihrer Mutter gepostet wurde, zeigte sie mit einem kleinen Lächeln auf ihrem Gesicht eine Goldmedaille. Leona Fernando, 4, das mittlere Kind in ihrer Familie, lernte zu lesen und hielt eine Ausgabe von „Dornröschen“ auf dem Bild. Seth Fernando, 11 Monate alt, war der neueste Spross der Fernando-Familie. Er wurde neben seinen Eltern und zwei Schwestern begraben.“

Das Schweigen der westlichen Intellektuellen und der Medien ist besonders ohrenbetäubend. Das neue humanitäre Gewissen scheint nur zwei Gruppen zu sehen: diejenigen, die das Recht auf Mitgefühl und Schutz der internationalen Gemeinschaft haben, und diejenigen, wie Christen, die der Hilfe oder Solidarität unwürdig sind.

Der vorsätzliche Mord am 8 Monate alten Matthew in einer Kirche in Sri Lanka hat den Westen anscheinend nicht erschüttert oder abgeschreckt, er wurde in den sozialen Medien nicht viral, er wurde auch kein Hashtag, drängte die Europäer nicht auf öffentliche Plätze und Strassen, er drängte die islamische Welt nicht dazu, ihr Gewissen zu überprüfen, er brachte westliche Politiker und Meinungsmacher auch nicht dazu, ernsthaft darüber nachzudenken, wer dieses Kind getötet hat oder wer den islamistischen antichristlichen Hass schürt und finanziert.

Sudesh Kolonne wartete vor der Kirche St. Sebastian, als er die Explosion hörte. Dann rannte er hinein und suchte nach seiner Frau und seiner Tochter. Er brauchte eine halbe Stunde, um ihre Leichen zu finden.

Bei den Anschlägen wurden auch drei Kinder eines dänischen Milliardärs getötet. Eine andere Frau verlor ihre Tochter, ihren Sohn, ihren Mann, ihre Schwägerin und zwei Nichten. Ein britischer Vater musste die Entscheidung treffen, welches seiner beiden Kinder er retten wollte. Eine weitere britische Familie wurde ausgelöscht. Um dem Entsetzen noch mehr Fassungslosigkeit hinzuzufügen, hat die schwangere Frau eines der Terroristen eine Selbstmordweste gezündet und ihre eigenen Kinder getötet, als die Polizei ihr Haus überfiel.

„Die Geschichtsbücher der Zukunft werden diesen westlichen Verrat nicht gutheissen.“

Der Herzog von Cambridge, Prinz William, besuchte gerade die muslimischen Überlebenden des Angriffs auf die Moscheen in Christchurch, Neuseeland. Darunter waren auch Kinder, die sich in den Krankenhäusern erholen. Es war eine Geste der Menschlichkeit und des Mitgefühls. Warum spornt das gleiche Mitgefühl die britische Königsfamilie nicht dazu an, in Sri Lanka – ihrer ehemaligen Kolonie – einen Halt einzulegen, um die christlichen Überlebenden zu treffen, bevor sie nach England zurückkehrt? Ganze christliche Familien wurden bei dem Angriff dezimiert.

Wo bleibt die Empörung im Westen über die Vernichtung christlichen Lebens und der Menschen? Es fühlt sich an, als gäbe es keine Empörung, nur Stille, unterbrochen von Bomben und „Allahu Akbar“. Die Geschichtsbücher der Zukunft werden diesen westlichen Verrat nicht gutheissen. Hätte der Westen die Verfolgung der Christen ernst genommen, würde die Glocke jetzt nicht für den Tod der christlichen Existenz läuten – nicht nur in historischen Ländern des Christentums, sondern auch im Westen. Islamische Extremisten haben verstanden, dass der Westen nicht mobilisiert hat, um sie daran zu hindern, Christen zu unterdrücken. Es scheint so, als gäbe es unbewusst eine seltsame Übereinstimmung zwischen unserem Schweigen und dem ethnischen Säuberungsprojekt des islamischen Staates, dessen Ziel die Auslöschung von Christen ist.

Die britische Autorin Melanie Phillips nannte diese Verfolgung von Christen „unser schuldiges Geheimnis“.

„Die Religionsfreiheit, der Grundwert der westlichen Zivilisation, wird in weiten Teilen der Welt zerstört. Doch der Westen, der diesen Religionskrieg kurzsichtig leugnet, wendet seinen Blick ab von der Zerstörung seines grundlegenden Bekenntnisses im Nahen Osten und vom Versuch, ihn anderswo auszurotten. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich eine freie Welt als unwirksam erweist, angesichts der dschihadistischen Barbaren im Ausland und kultureller Übergriffe im Inland.“

Der jihadistische Angriff in Sri Lanka war nicht nur „der tödlichste Angriff auf Christen in Südasien in jüngster Zeit“. Es war auch das grösste Massaker an christlichen Kindern. Aber keine Zeitung hat eine Kampagne gestartet, um die Öffentlichkeit in Europa zu sensibilisieren; es ist keine pro-christliche Solidaritätsbewegung entstanden, kein westlicher Staatschef scheint eine Kirche aus Solidarität besucht zu haben, keine westlichen Kirchenführer hatten den Mut, die Schuldigen durch Namensnennung aufzudecken, keine westlichen Bürgermeister hängten Fotos von den 45 grausam ermordeten Kindern auf, kein öffentlicher Platz wurde von Tausenden gefüllt und es war kein „Je suis chrétien“ zu hören.

Vor einigen Jahren, auf dem Höhepunkt der Migrationskrise in Europa, eroberte ein Foto die öffentliche Meinung im Westen. Es war das berühmte Bild des dreijährigen syrischen Jungen Alan Kurdi, der vor der Küste von Bodrum in der Türkei, ertrank. Dieser kleine Junge bewegte den Westen. Sein Bild verbreitete sich viral. Die New York Times nannte es „Aylan Kurdis Europa„.

„Aus historischen Gründen fürchtete Angela Merkel Bilder von bewaffneten deutschen Polizisten, die Zivilisten an unseren Grenzen gegenüberstehen“, schrieb Robin Alexander, der führende Journalist der Welt, in seinem Buch „Die Getriebenen“. Wenn Fotos von Migrantenkindern die europäischen Staats- und Regierungschefs dazu anspornten, ihre Grenzen zu öffnen, so haben die Fotos von ermordeten christlichen Kindern – wie die 45 in Sri Lanka – sie offenbar gleichgültig gelassen.

Der Appell der Töchter von Asia Bibi, ihrer Mutter zu helfen, traf auf einen tauben Westen. Das Vereinigte Königreich weigerte sich, dieser pakistanischen christlichen Familie Asyl zu gewähren und verfolgte Christen aufzunehmen.

„Mit Gleichgültigkeit erleben wir eine beispiellose Zivilisationskatastrophe“, schrieb der französische Wissenschaftshistoriker Jean-François Colosimo und kommentierte damit die Zerstörung des orientalischen Christentums. Keine Religion, keine Gemeinschaft wird heute mehr verfolgt als Christen. Warum dann dieses Schweigen des Westens? Sind wir uns selbst, unseren Wurzeln und unserer Geschichte so fremd geworden, dass wir diesen Ausbruch der Dschihad-Gewalt betrachten können, ohne mit der Wimper zucken? Oder sind wir so kurzsichtig, dass wir hoffen, „Frieden“ mit den muslimischen Extremisten auf Kosten der Aufgabe dieser Christen zu erkaufen? Die gleiche Dschihad-Ideologie, die christliche Kinder in Sri Lanka ermordet hat, zielte auf europäische Kinder in Nizza, Manchester und Barcelona.

Sri Lanka nach dem Massaker ist nicht nur eine schreckliche Ansammlung von weinenden Müttern und kleinen Särgen. Leider sagt es auch viel über den entmutigenden Zustand des Westens aus.

Giulio Meotti, Kulturredakteur der Tageszeitung Il Foglio, ist ein italienischer Journalist und Buchautor. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

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