Mit dem Kauf eines israelischen KI-Unternehmens hat Apple einen historischen Schritt vollzogen. Wie die Financial Times berichtet, übernimmt Apple das bislang weitgehend unbekannte Start-up Q.ai für rund 2 Milliarden US-Dollar. Damit handelt es sich um die bislang grösste Akquisition in der Unternehmensgeschichte von Apple.
Nach Angaben von Personen, die mit der Transaktion vertraut sind, wird Q.ai dabei sogar mit nahezu zwei Milliarden Dollar bewertet. Die Übernahme unterstreicht nicht nur den wachsenden Handlungsdruck, dem Apple im Bereich Künstliche Intelligenz ausgesetzt ist, sondern rückt zugleich Israels Rolle als Schlüsselstandort für Spitzentechnologie erneut ins Zentrum.
Start-up im Verborgenen
Die Financial Times beschrieb Q.ai als «geheimnisvolles israelisches Start-up». Seit seiner Gründung operiert das Unternehmen weitgehend im Verborgenen, ohne öffentliche Produktankündigungen oder breite mediale Aufmerksamkeit.
Herzstück der von Q.ai entwickelten Technologie ist die Analyse sogenannter «stiller Sprache». Dabei werden feinste Gesichtsbewegungen, sogenannte «facial micro movements», erfasst und mithilfe von Bildverarbeitung und maschinellem Lernen interpretiert. Mithilfe dieser Technologie ist es möglich, Geräte zu steuern, ohne klassische Eingabemethoden wie Sprache, Tastatur oder Gesten zu verwenden.
Diese Technologie kommt bereits in intelligenten Kopfhörern und Brillen zum Einsatz. Nutzer können damit durch minimale Gesichtsbewegungen Befehle auslösen.
Apples Interesse an KI
Der Zeitpunkt der Übernahme ist kein Zufall. Derzeit versucht Apple, im internationalen Wettlauf um leistungsfähige KI-Systeme Boden gutzumachen. In den vergangenen Monaten kam es wiederholt zu Verzögerungen bei der Einführung der vollständig angekündigten Funktionen von «Apple Intelligence».
Erst am 13. Januar kündigte Apple eine Kooperation mit Alphabet an. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit soll Googles KI-System Gemini in Apples eigene Software integriert werden. Laut Medienberichten möchte Apple damit die Leistungsfähigkeit seiner KI-Funktionen auf allen Geräten verbessern.
Google erklärte wiederum, dass seine Technologie nach sorgfältiger Prüfung als «fähigste Grundlage für Apple Foundation Models» ausgewählt worden sei und künftig auch weitere Apple-Intelligence-Funktionen antreiben werde.
Parallel dazu besteht weiterhin eine zuvor geschlossene Vereinbarung mit OpenAI, dessen ChatGPT-System ebenfalls in Apples Software integriert ist. Apple betonte, dass das neue Abkommen mit Google die bestehenden Implementierungen nicht aufhebt.
Für Apple ist Q.ai sowohl technologisch als auch strategisch interessant. Die Start-up-Szene Israels gilt seit Jahren als globales Zentrum für KI, Bildverarbeitung und sicherheitsrelevante Technologien.
Apples Hardware-Chef Johny Srouji bezeichnete Q.ai in einem Interview mit der Financial Times als «bemerkenswertes Unternehmen», das neue und kreative Wege in der Nutzung von Bildverarbeitung und maschinellem Lernen beschreite.
Tom Hulme von GV (ehemals Google Ventures), einer der Early-Stage-Investoren, hob hervor, dass Q.ai seit seiner Gründung daran arbeite, «die Lücke zwischen menschlicher Absicht und digitaler Ausführung zu schliessen».
CEO mit Apple-Vergangenheit
Der CEO von Q.ai ist Aviad Maizels. Er ist Apple kein Unbekannter. Bereits 2013 hatte Apple sein früheres Unternehmen PrimeSense übernommen, das die Technologie für Microsofts Kinect-System entwickelt hatte.
Wie israelische Medien berichten, erklärte Maizels, der Beitritt zu Apple ermögliche es, das volle Potenzial der entwickelten Technologie auszuschöpfen und diese weltweit verfügbar zu machen.
Dass ausgerechnet ein israelisches Start-up, das lange im Verborgenen agierte, zur grössten Akquisition in Apples Geschichte wird, unterstreicht die strategische Bedeutung dieser Technologie – und des Standorts Israel – für die nächste Phase der globalen KI-Entwicklung.

























