Warum sind Linke so verliebt in das Palästinensertum?

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Propalästinensische Kundgebung in Basel am 13. Januar 2024. Foto IMAGO / dieBildmanufaktur
Propalästinensische Kundgebung in Basel am 13. Januar 2024. Foto IMAGO / dieBildmanufaktur
Lesezeit: 5 Minuten

Der Gründer der palästinensischen Bewegung im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs war ein stolzer Nazi und Freund von Adolf Hitler. Haj Amin al-Husseini war der Grossmufti von Jerusalem, das religiöse Oberhaupt der Muslime im heutigen Israel, das damals noch Palästina hiess und nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches unter britischem Mandat regiert wurde. Es war Husseini, der den arabisch-jüdischen Streit von einem lösbaren Konflikt um Land zu einem unlösbaren Konflikt um Religion machte.

von Alan M. Dershowitz

Husseini beschloss, dass es gegen das islamische Recht verstösst, den Juden die Souveränität über auch nur einen Zentimeter des ehemals osmanischen Territoriums zuzugestehen, das er für immer als religiöses muslimisches Land, als Teil einer Stiftung oder “waqf”, die treuhänderisch für Allah zu verwalten ist, erklärte. Er lehnte die Gründung eines jüdischen Staates ab und sei er noch so klein, selbst wenn er Teil einer Zweistaatenlösung wäre, die einen weitaus grösseren Anteil des Landes für einen Staat für die Palästinenser vorsieht.

Husseini verbrachte die letzten Kriegsjahre als Hitlers Gast in Berlin und plante, den von Hitler betriebenen Völkermord an den Juden von Europa auf den Nahen Osten auszuweiten. Er beteiligte sich an dem Völkermord an Juden und anderen Menschen auf dem Balkan. Dafür wurde er bei Kriegsende zum Nazi-Kriegsverbrecher erklärt und musste nach Ägypten fliehen, um einer Verurteilung und Erhängung zu entgehen.

Der Reichsführer-SS Heinrich Himmler begrüsst in seiner Feldkommandostelle den Grossmufti von Jerusalem Amin al Husseini. Foto Bundesarchiv, Bild 101III-Alber-164-18A / Alber, Kurt / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5478109
Der Reichsführer-SS Heinrich Himmler begrüsst in seiner Feldkommandostelle den Grossmufti von Jerusalem Amin al Husseini. Foto Bundesarchiv, Bild 101III-Alber-164-18A / Alber, Kurt / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5478109

Nach seinem Tod wurde er von seinem Schützling Jassir Arafat abgelöst, der sich auf den Terrorismus gegen die Zivilbevölkerung stützte, um den Nationalstaat des jüdischen Volkes zu zerstören. Arafat lehnte Angebote für eine Zwei-Staaten-Lösung ab, weil er die Existenz eines Staates für das jüdische Volk niemals akzeptieren konnte.

Nach Arafats Tod im Jahr 2004 fanden Wahlen zum Palästinensischen Legislativrat zwischen Fatah und Hamas statt. Die Hamas gewann die Wahlen 2006, und bis heute zeigen Umfragen eine weitaus grössere Unterstützung für diese islamistische Gruppierung als für die etwas säkularere Fatah.

Die Hamas-Charta ist durch und durch antisemitisch und macht die Juden für die meisten Übel in der Welt verantwortlich, von der französischen und russischen Revolution bis hin zu den beiden Weltkriegen: “Es gibt keinen Krieg, der irgendwo stattfindet, ohne dass sie (die Juden) ihre Finger im Spiel haben. (Artikel 22).

Die Hamas und auch palästinensische religiöse Führer im Westjordanland erklären Homosexualität zu einer Sünde, auf die die Todesstrafe steht, und lehnen jede Art von Gleichberechtigung für Frauen ab.

Sollte ein von der Hamas geführter Staat an die Stelle Israels “vom Fluss bis zum Meer” treten, so wäre dies ein theokratisches Regime, das dem des Iran näher stünde als den Autokratien Jordaniens oder Ägyptens. Juden und Christen würden in einem solchen Staat nicht als gleichberechtigte Bürger leben dürfen. Tatsächlich wurden in den derzeit von der Hamas kontrollierten Gebieten Christen und andere nicht-muslimische Minderheiten ethnisch gesäubert.

Die Hamas ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der iranischen Mullahs, die seit der Revolution von Ayatollah Ruhollah Khomeini 1979 Israel als den “kleinen Satan” und die USA als den “grossen Satan” betrachten.

Die politische Linke hasst die Unterdrücker nicht. Sie hassen Israel 

In Anbetracht der schmutzigen Geschichte und des aktuellen Status des Palästinensertums ist es recht bemerkenswert, dass die politische Linke unter allen Ursachen in der Welt dieses Thema zu ihrem Hauptanliegen gemacht hat. Linke Studenten demonstrieren nicht für die Kurden, die Uiguren, iranische Dissidenten oder syrische Opfer des Völkermords. Es gibt mehr Demonstrationen für die Palästinenser als für die ukrainischen Opfer der russischen Aggression.

Wie lässt sich diese widersprüchliche Realität erklären? Das ist recht einfach. Der eigentliche Schwerpunkt dieser Demonstrationen liegt nicht auf den angeblichen Opfern, sondern auf den angeblichen Tätern. Die Demonstranten sind in Wirklichkeit eher anti-israelisch als pro-palästinensisch eingestellt. Die Türkei, Syrien, der Irak und der Iran sind die Täter, die den Kurden die Staatlichkeit verweigern. China ist der Verursacher der Gewalt gegen die Uiguren. Das syrische und das iranische Regime sind für die Gewalt gegen ihre Bürger verantwortlich. Russland hat die Ukraine überfallen.

Die politische Linke hasst diese Unterdrücker nicht. Sie hassen Israel und seinen wichtigsten Verbündeten, die Vereinigten Staaten, weil es sich um westliche Staaten mit freier Marktwirtschaft handelt. Folglich unterstützen sie die Feinde dieser Staaten, die in diesem Fall die Palästinenser sind. In früheren Kriegen unterstützten Linke den Vietcong, Pol Pot, Nordkorea und Kuba. Es ging immer mehr darum, sich mit den angeblichen Tätern – Stalin, Hitler, Mao, Castro, Che Guevara – zu identifizieren als mit den angeblichen Opfern.

Natürlich gibt es Zivilisten im Gazastreifen, die es verdienen, von linken (und anderen) Parteien unterstützt zu werden. Gerechtfertigte Kritik an Israel ist ebenfalls legitim. Aber eine fabrizierte unverhältnismässige Kritik an Israel bei gleichzeitiger unverhältnismässiger Unterstützung für die Palästinenser, unter Ausschluss oder Verharmlosung anderer, ist nicht fair – und auch nicht angemessen.

Nicht Israel, sondern die Hamas ist für viele, wenn nicht alle Opfer unter der palästinensischen Zivilbevölkerung verantwortlich. Israel kann und sollte für zivile Opfer kritisiert werden, die vermeidbar waren – im “Nebel des Krieges” sind viele davon nicht vermeidbar – oder die seine Schuld sind. Aber nichts von alledem erklärt oder rechtfertigt die einseitige Konzentration der linken Kräfte auf die Palästinenser und Israel. Auch die falsche Behauptung, Israel sei ein “kolonialer” oder “Siedler”-Staat, erklärt nicht den leidenschaftlichen Hass, den Linke gegen Israel hegen.

Es gibt echte koloniale Siedlerstaaten wie Neuseeland, das Israel sehr kritisch gegenübersteht und die Palästinenser unterstützt. Niemand demonstriert gegen Neuseeland, das von der Türkei besetzte Zypern oder das von Pakistan besetzte Kaschmir.

Die unverhältnismässige Fokussierung auf die Palästinenser und Israel lässt sich nur durch den fanatischen Hass auf den Nationalstaat des jüdischen Volkes und sein Bündnis mit den Vereinigten Staaten und den Wunsch nach deren Zerschlagung erklären.

Alan M. Dershowitz ist emeritierter Inhaber des Felix-Frankfurter-Lehrstuhls für Rechtswissenschaften an der Harvard Law School. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

2 Kommentare

  1. Bei der nächsten Pro Palästina Demo, unter Polizeiobhut Verfrachtungen in Busse und ab nach Ausschwitz! Zwei Tage Besichtigungen und beim Übernachten draussen, genügen Feuer von den mitgebrachten Palästinenserfahnen und Transparenten!!

  2. Das ist eine sehr stark vereinfachte Sicht, die ich nicht stehen lassen kann. Russland hat in einen Bürgerkrieg eingegriffen, der von Beginn an auch Züge eines Stellvertreterkrieges um die Hegemonie über die Bodenschätze der Region getragen hat. Hitler mit Mao oder Stalin gleichzusetzen ist sowohl eine Verharmlosung des NS als auch absolut unseriös, dazu hat Arno Lustiger schon alles gesagt. Die Uiguren folgen der gleichen Rechtsschule wie der Iran oder die Türkei und haben starke Sympathien für islamistische Bewegungen. Ein geschickter Diplomat könnte daraus politisches Kapital schlagen und China auf die Seite Israels bringen. Da Deutschland leider AnnaLena hat und die USA um die Behauptung ihrer globalen Hegemonie ringen, bleibt diese Rolle an Israel hängen. Das gilt auch eingeschränkt für Russland- ich denke, dass niemand die Kriege in Tschetschenien vergessen hat, in denen Zehntausende Russen “ethnisch gesäubert” wurden.
    Allerdings dürfen dann auch die USA keine Dschihadisten mehr unterstützen. Es könnte also ein Handel ermöglicht werden – eure Sicherheit und unsere Sicherheit. Natürlich darf Anna Lena auf keinen Fall diesen Verhandlungen beiwohnen, da sind Axtschwingerinnen nicht erwünscht.

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