Fast 70% der Gaza-Hilfsgüter via US-Pier gestohlen

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Palästinenser plündern am 18. Mai über den US-Pier nach Gaza eingeführte Hilfsgüter. Foto: IMAGO / APAimages
News Bilder des Tages Palestinians carry boxes of humanitarian aid after rushing the trucks transporting the international aid from the US-built Trident Pier near Nuseirat Palestinians carry boxes of humanitarian aid after rushing the trucks transporting the international aid from the US-built Trident Pier near Nuseirat in the central Gaza Strip on May 18, 2024. Photo by Ali Hamad apaimages Nuseirat Gaza Strip Palestinian Territory 180524_GAZA_AH_0011 Copyright: xapaimagesxAlixHamadxapaimagesx
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Fast drei Viertel der humanitären Hilfsgüter, die von einem neuen, 320 Millionen Dollar teuren, vom US-Militär errichteten schwimmenden Pier vor der Küste des Gazastreifens transportiert wurden, wurden am Samstag auf dem Weg zu einem UN-Lagerhaus gestohlen, wie Reuters am Dienstag berichtete.

Elf Lastwagen wurden auf dem Weg zum Lager des Welternährungsprogramms in Deir El Balah im zentralen Gazastreifen von Palästinensern „ausgeräumt“, wobei nur fünf Lastwagenladungen ihr Ziel erreichten.

„Sie haben schon lange keine Lastwagen mehr gesehen“, sagte ein UN-Beamter gegenüber Reuters. „Sie sind einfach auf die Lastwagen geklettert und haben sich an den Lebensmittelpaketen bedient.“

Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden am Sonntag und Montag keine Hilfsgüter vom Pier des US-Militärs an das Lager geliefert. Am Freitag, dem ersten Tag der Inbetriebnahme, seien 10 Lkw-Ladungen mit Hilfsgütern von der Anlegestelle im Warenhaus des Welternährungsprogramms eingetroffen. Der Transport erfolgte durch Auftragnehmer der Vereinten Nationen.

„Wir müssen sicherstellen, dass die notwendigen Sicherheits- und Logistikvorkehrungen getroffen wurden, bevor wir fortfahren“, sagte der UN-Beamte.

Nach israelischen Schätzungen hat die Hamas bis zu 60 % der in den Gazastreifen gelangenden Hilfsgüter gestohle. Ein Bericht von Channel 12 von letzter Woche enthüllte, dass die Terrororganisation seit Beginn des Krieges am 7. Oktober mindestens 500 Millionen Dollar mit humanitärer Hilfe verdient hat.

Der Pier wurde im israelischen Hafen von Aschdod vormontiert, bevor er am Donnerstag an einem Strand in der Küstenenklave verankert wurde. Nach Angaben des US Central Command (CENTCOM) gingen während der Installation des Piers keine amerikanischen Truppen an Land. Etwa 1.000 US-Soldaten und Matrosen halfen beim Bau des schwimmenden Piers.

Die Abteilung des israelischen Verteidigungsministeriums für die Koordinierung der Regierungsaktivitäten in den Gebieten (COGAT) teilte am Samstag mit, dass „Hunderte von Paletten mit humanitärer Hilfe“ und mehr als 160.000 Liter Treibstoff über die Anlegestelle gelangt seien.

Vizeadmiral Brad Cooper, stellvertretender Befehlshaber des CENTCOM, erklärte, dass das Ziel darin bestehe, täglich 500 Tonnen humanitäre Hilfe oder 90 Lastwagen über den Pier in den Gazastreifen zu bringen, wobei die Zahl auf 150 Lastwagen pro Tag erhöht werden solle.

CENTCOM twitterte am frühen Dienstag, dass bisher über 569 Tonnen humanitäre Hilfe von der Pier entladen wurden.

Reuters berichtete ausserdem, dass sich Lebensmittel und Medikamente für die Palästinenser in Gaza in Ägypten stapeln, weil der Rafah-Übergang geschlossen bleibt.

Israel hat vor Wochen die Kontrolle über den Grenzübergang übernommen, aber Kairo hat sich bisher geweigert, mit den israelischen Behörden zusammenzuarbeiten, um die Einfuhr von Hilfsgütern über Rafah zu erleichtern. Die israelische Regierung möchte Hilfsgüter über den Grenzübergang in den Gazastreifen einreisen lassen, kann dies aber nicht ohne ägyptische Kooperation tun.

Der israelische Aussenminister Israel Katz hat letzte Woche Ägypten die Verantwortung für die Abwendung einer humanitären Krise im Gazastreifen zugeschoben.

Katz sagte, er habe mit seinen britischen und deutschen Amtskollegen „über die Notwendigkeit gesprochen, Ägypten davon zu überzeugen, den Grenzübergang Rafah wieder zu öffnen, um die weitere Lieferung internationaler humanitärer Hilfe nach Gaza zu ermöglichen“.

Während die Welt Israel die Verantwortung für die humanitäre Situation im Gazastreifen zuschreibt, fügte er hinzu, „liegt der Schlüssel zur Verhinderung einer humanitären Krise im Gazastreifen jetzt in den Händen unserer ägyptischen Freunde“.

In der Zwischenzeit genehmigte die COGAT am Donnerstag die Wiederaufnahme des Handels zwischen Israel und dem Gazastreifen, wobei die LKW-Lieferungen am nächsten Morgen beginnen sollen, wie die israelische Nachrichtenagentur Walla! News am Sonntag berichtete.

Dem Bericht zufolge fuhren 150 Lastwagen mit Produkten aus Israel – und nicht mit Hilfsgütern – in den Gazastreifen ein, die für Händler bestimmt waren, die die Produkte kauften, die „für Hamas-Mitglieder und die Zivilbevölkerung bestimmt sind.“

JNS/Reuters

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