Studie: Antisemitische Radikalisierung bei TikTok 

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Mehrere tausend Personen nahmen am 28.10.2023 in Zürich an einer "Pro-Palästina" Demonstration teil. Es wurden antisemitische Parolen und Gewaltaufrufe geäussert. Foto IMAGO / dieBildmanufaktur
Mehrere tausend Personen nahmen am 28.10.2023 in Zürich an einer "Pro-Palästina" Demonstration teil. Es wurden antisemitische Parolen und Gewaltaufrufe geäussert. Foto IMAGO / dieBildmanufaktur
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Ein Report der Bildungsstätte Anne Frank schildert drastische Auswirkungen des TikTok-Konsums auf die politische Meinungsbildung junger Leute. Kann man auf der Plattform quasi über Nacht zum Antisemiten werden?

Soziale Netzwerke spielen einer neuen Studie zufolge eine weit unterschätzte Rolle bei der Verbreitung von Antisemitismus, Israelhass und Verschwörungserzählungen. “Lehrkräfte berichten, wie Schülerinnen und Schüler plötzlich mit terrorverharmlosenden, israelfeindlichen, antisemitischen und unverrückbaren Positionen zum Nahostkonflikt in die Schule kommen – als hätten sie sich über Nacht radikalisiert”, sagte Deborah Schnabel, Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank, am Montag in Frankfurt am Main.

Foto Screenshot “Die TikTok-Intifada”

Dies hänge stark mit dem Social-Media-Konsum der jungen Generation zusammen. “Besonders die Videoplattform TikTok trägt zu einer Speed-Radikalisierung junger Menschen bei”, erklärte Schnabel. Dort tummelten sich Hassprediger – von extremen Rechten bis Islamisten – und verbreiteten Antisemitismus und Rassismus unter sehr jungen Menschen. “Kein anderes Soziales Medium versorgt eine so vulnerable Zielgruppe mit derart verstörendem Content – weitgehend ohne Aufsicht”, so Schnabel.

Der anlässlich des Safer Internet Days (Dienstag) veröffentlichte Bericht der Bildungsstätte trägt den Titel “Die TikTok-Intifada – Der 7. Oktober und die Folgen im Netz”. Dafür hat die Einrichtung Äußerungen von Lehrkräften und Schülern aus eigenen bundesweiten Bildungsangeboten in den ersten drei Monaten nach dem Hamas-Massaker ausgewertet, ebenso TikTok-Inhalte dieses Zeitraums.

Die Kurzvideoplattform sei zum Leitmedium von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen geworden. Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel gebe es dort ein besorgniserregend hohes Ausmaß an antisemitischer Hetze und Desinformation. Das zeige, dass die Digitalbranche Verantwortung übernehmen müsse.

So seien etwa Beiträge viral gegangen, in denen in Zweifel gezogen wurde, ob das Hamas-Massaker beim Supernova-Festival tatsächlich stattgefunden hat. Hinzu komme eine Flut an offen die Schoah relativierenden Memes und Clips, die Israel mit dem NS-Regime gleichsetzen oder Gaza mit Auschwitz, so Eva Berendsen von der Bildungsstätte Anne Frank.

KNA/dmu/mal/joh

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