150 niederländische Fussballfans wegen antisemitischer Parolen festgenommen

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Symbolbild. Fans von AZ Alkmaar. Foto IMAGO / Independent Photo Agency
Symbolbild. Fans von AZ Alkmaar. Foto IMAGO / Independent Photo Agency
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Die Polizei hat 154 Anhänger des Fussballvereins AZ in Amsterdam in Gewahrsam genommen, weil sie in einer U-Bahn antisemitische Lieder gesungen hatten. Sie wurden wegen Gruppenbeleidigung verhaftet, berichten niederländische Medien.

Die U-Bahn, die zur Johan Cruijff Arena unterwegs war, wurde gegen 19.30 Uhr an der Station Strandvliet gestoppt. Die Polizei habe die AZ-Anhänger mehrfach verwarnt und sie aufgefordert, die beleidigenden Lieder einzustellen. Einige Anhänger sollen auch Vandalismus begangen haben. Die Festgenommenen seien mit Bussen der öffentlichen Verkehrsbetriebe der Hauptstadt (GVB) zum Zellenkomplex Flierbosdreef im Südosten von Amsterdam gebracht worden.

Ein AZ-Fan berichtete gegen 23 Uhr auf Twitter, dass die festgenommenen Fans nacheinander zur Ausweiskontrolle aufgerufen und mit Wasser versorgt wurden. “Einige mussten die Nacht in einer Zelle verbringen”, hiess es.

“AZ verurteilt und missbilligt es, dass ein kleiner Teil seiner Anhänger am Samstagabend auf dem Weg zum Stadion beschämende Parolen geäussrt hat”, schrieb der Club Alkmaar Eredivisionist auf seiner Website. “Der Verein lehnt hetzerisches Verhalten und Diskriminierung in jeder Form entschieden ab und distanziert sich nachdrücklich von denjenigen, die sich dessen schuldig gemacht haben.”

Das niederländische Zentrum für Information und Dokumentation über Israel (CIDI) hat die Festnahmen befürwortet. “Sehr gute Aktion”, schrieb die Organisation auf Twitter. “Die Polizei hat Fans verhaftet, nachdem diese antisemitische Gesänge skandiert hatten. Wir sollten Antisemitismus auch im Fussball nicht als normal ansehen. Schliesslich wirken diese antisemitischen Sprechchöre auch in anderen Bereichen der Gesellschaft.”

Der Vorsitzende der European Jewish Association, Rabbi Menachem Margolin, dessen Organisation mehrere hundert jüdische Gemeinden in Europa vertritt, dankte der niederländischen Polizei für ihr entschlossenes Handeln und forderte den Vorstand des AZ Alkmaar auf, eine Aufklärungsaktion unter Beteiligung der ersten Mannschaft zu starten und als Sportverein die Definitionsprinzipien der IHRA zu übernehmen. 

“Antisemitismus hat im Europa des Jahres 2023 keinen Platz und darf nicht geduldet werden. Diejenigen, die sich heute nicht gemeinsam mit Juden dagegen wehren, werden sich morgen denselben Hassreden der gleichen Schläger ausgesetzt sehen”, sagte Rabbi Margolin.