Kundgebung in Zürich: «Aufstand gegen Antisemitismus»

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«Aufstand gegen Antisemitismus», Kundgebung 18.04.2023 in Zürich. Foto zVg
«Aufstand gegen Antisemitismus», Kundgebung 18.04.2023 in Zürich. Foto zVg
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Gut 80 Personen nahmen am «Marsch des Lebens für Israel» teil. Die Kundgebung will «erinnern, versöhnen und ein Zeichen setzen» gegen den modernen Antisemitismus. An der Schlussveranstaltung auf dem Tessinerplatz rief der frühere Zürcher Gemeinderat und EVP-Präsident Ernst Danner dazu auf, «den Geist des Antisemitismus» zu erkennen und zu bekämpfen.

Mit einer bewilligten Kundgebung hat der «Marsch des Lebens für Israel» am Dienstag auf den modernen Antisemitismus in der Stadt Zürich aufmerksam gemacht und an die Opfer des Holocaust erinnert. Der Demonstrations­zug führte vorbei an zwei «Stolpersteinen» – Gedenktafeln, die der Künstler Gunter Demnig an verschiedenen Orten in den Boden eingelegt hat. Diese Tafeln sollen als «Stolpersteine» in über 20 Ländern an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

Der erste Stolperstein auf der Route des «Marsch des Lebens für Israel» erinnert an das Schicksal von Luise Salomons-Rom. Der zweite «Stolperstein» gedenkt an Margot Sara Correns-Susman, die in Zürich aufgewachsen ist. Im Oktober 1938 liess sie sich von der Einwohnergemeinde Mellingen bestätigen, dass sie der evangelisch-reformierten Landeskirche angehört. Dies hat sie aber nicht davor bewahrt, dass Margot Sara Correns im Mai 1944 als Jüdin Opfer des NS-Gewaltregimes wurde.

Das Feuer weitergeben

Samuel Rom erzählte an der Schlusskundgebung auf dem Tessinerplatz  die bewegende Geschichte seiner Tante Luise Salomons-Rom, die in seiner Familie als «Tante Lulu» bekannt war: «Dank dem ‘Stolperstein’ kam mir die Familiengeschichte wieder viel näher. Das Haus an der St. Jakobstrasse wurde für mich auch ein Gedenkort für meine eigene Familiengeschichte.» Er erinnerte als Jude daran: «Wir gedenken an eines der schrecklichsten Ereignisse der Menschheitsgeschichte: Die Ermordung von 6 Millionen Jüdinnen und Juden, aber auch an die ungezählten Sinti und Roma, von zahllosen Behinderten, von ungezählten Homosexuellen und Andersdenkenden durch das Nazi-Regime.» Dabei  betonte Samuel Rom: «Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.»

Seine «Tante Lulu» habe das Schicksal vieler Schweizer Frauen geteilt, die einen Ausländer heirateten und dadurch den Schutz durch die Schweizer Staatsangehörigkeit verlor – und damit auch den Schutz durch die Schweiz. Weil die Familie nach Amsterdam zog, kam Luise Salomons-Rom mit ihren vier Kindern ins Konzentrationslager. Sein Vater habe sich «unermüdlich» für seine Schwester Luise eingesetzt. «Er kämpfte dann weiter für seine Schwester als es völlig aussichtslos erschien.» So habe seine Tante und ihr Mann mit den vier Kindern gerettet werden können. Er forderte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Kundgebung auf, wie damals sein Vater auch heute für Menschenrechte und Menschenwürde einzustehen, «wo immer sie in Gefahr sind. Sei dies irgendwo auf der Welt, sei dies im Iran, in der Ukraine und auch in Israel-Palästina – auch dort wo es uns wehtut, die Gleichheit aller Menschen einzufordern.»

Der Blick zurück reiche nicht, und Samuel Rom ergänzt: «Es braucht den Blick und das Feuer des Engagements von uns allen. Mein Vater hat es vorgelebt. Aufgeben ist keine Option. Niemals auch wenn es noch so aussichtslos erscheint. Nein, die Anbetung der Asche kann die schlimmen Entwicklungen nicht verhindern. Aber wenn wir, die wir jetzt hier zusammenstehen und uns mit Feuer und Energie einsetzen, dann wird nicht das Schwert über den Geist, sondern der Geist über das Schwert siegen.»

«Den Geist des Antisemitismus erkennen und bekämpfen»

Der Züricher EVP-Präsident und frühere Gemeinderat Ernst Danner erinnerte in seiner Ansprache daran, dass der 18. April der Gedenktag an die Opfer des Holocaust ist, die vor rund 80 Jahren umgebracht wurden, weil sie Juden waren. Stellvertretend für die sechs Millionen ermordeten Juden erwähnte Danner das Schicksal von Anne Frank und den Möbelschreiner und Liederdichter Mordechai Gebirtig.

Ernst Danner rief dazu auf, wachsam zu bleiben: «Es wäre tröstlich zu sagen, dass sich der Holocaust nicht wiederholen kann. Leider ist das aber nicht so. Der Staat Israel und die jüdische Bevölkerung Israels sind auch heute ernsthaften Vernichtungsdrohungen ausgesetzt. (…) Am Ostersamstag zogen rund 300 Menschen von Berlin Neukölln nach Berlin Kreuzberg und skandierten auf einer propalästinensischen Kundgebung ‘Tod Israel’ und ‘Tod den Juden’. Die Gefahr der Wiederholung (des Holocaust) ist leider nicht gebannt.»

Besonders gefährlich sei, wenn Christen sich von «antisemitischen Verschwörungstheorien» vereinnahmen lassen. Ernst  Danner: «Es geht heute darum, diese Fallgruben in aller Klarheit zu erkennen und gegen alle Formen des Antisemitismus anzukämpfen.»

2 Kommentare

  1. Der geplante Palästinenserstaat ist ja ein indirekter Schritt zur Vernichtung Israels. Man braucht nur die Demo Flaggen lesen : Palästina vom Strom bis zum Meer ( Mittelmeer ) Da soll kein Platz mehr für Israel sein.

  2. Da kann sich Deutschland in allen Städten und allen Bereichen gleich anschließen. Am besten in Verbindung mit Aufklärung: Es gibt keine Palästinenser und im übrigen war ein Staat versprochen, nicht zwei und nur in einem Teil des Mandatsgebietes. Und wenn der Teil ohne Israel nicht lebensfähig ist, dann sollte die Idee eines “Palästinenserstaates”, der aktuell nur ein Terrorstaat wäre, grundlegend überdacht werden.

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