Die Hamas betreibt von Istanbul aus Spionage für den Iran

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Der Hamas-Führer Ismail Haniyeh hält eine Rede während einer Massenhochzeitszeremonie in Gaza-Stadt am 31. Mai 2015. Fast 2000 palästinensische Paare heirateten in einer von der türkischen Regierung finanzierten Zeremonie. Foto IMAGO / ZUMA Wire
Der Hamas-Führer Ismail Haniyeh hält eine Rede während einer Massenhochzeitszeremonie in Gaza-Stadt am 31. Mai 2015. Fast 2000 palästinensische Paare heirateten in einer von der türkischen Regierung finanzierten Zeremonie. Foto IMAGO / ZUMA Wire
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Der Geheimdienst des sogenannten militärischen Flügels der Hamas in Istanbul spioniert für den Iran und sammelt Informationen über in Israel lebende Juden iranischer Herkunft.

von Yoni Ben Menachem

In der Vergangenheit hat sich Israel gegenüber der Türkei verpflichtet, Hamas-Agenten auf türkischem Boden keine Schwierigkeiten zu bereiten, auch wenn sie Terroranschläge gegen Israel verüben.

Am 10. Januar 2023 gab der Hamas-Sprecher Hazem Kassem eine Erklärung ab, in der er Berichte in israelischen Medien dementierte, wonach die Türkei die Bewegungsfreiheit der Hamas-Führung im Rahmen ihrer Neuausrichtung auf Israel einschränke.

In der Stellungnahme heisst es: „Die Veröffentlichungen sind Lügen und Teil der Aufwiegelung der zionistischen Medienmaschinerie gegen die Hamas-Bewegung und ihre Führung. Die Hamas hat gute Beziehungen zur Türkei und ist bestrebt, diese mit der Türkei und allen arabischen Ländern auszubauen und zu fördern.“

Es scheint, dass die guten Beziehungen zwischen der Hamas und der Türkei tatsächlich intakt sind. Mehrere hochrangige Hamas-Führer und ihre Familien leben jetzt dauerhaft in der Türkei, und einige haben türkische Pässe erhalten. Die Hamas-Funktionäre sind nicht nur im Terrorismus aktiv, sondern haben auch eigene Unternehmen gegründet. Ismail Haniyehs Sohn Hazem ist mit seiner Familie aus dem Gazastreifen in die Türkei umgezogen, was bedeutet, dass der Hamas-Chef fast seine gesamte Familie aus Katar und dem Gazastreifen in die Türkei verlegt hat. Einzelheiten über ihre Ausreise aus dem Gazastreifen wurden aus ägyptischen Listen von Einwohnern bekannt, die über den Grenzübergang Rafah in Ägypten ausgereist sind. Die Bewohner des Gazastreifens reagierten daraufhin in den sozialen Medien mit Empörung.

Die durchgesickerten ägyptischen Grenzübertrittspapiere, in denen Mitglieder von Haniyehs Familie aufgeführt sind. Foto Abu Ali Express

Der Geheimdienst des militärischen Flügels der Hamas operiert trotz der Proteste Israels mit Genehmigung des türkischen Geheimdienstes weiterhin ungehindert in Istanbul.

Hochrangige israelische Sicherheitsvertreter haben Einzelheiten über einige der Aktivitäten dieser Abteilung auf dem Gebiet der Nachrichtendienste enthüllt, die über die Lenkung und Finanzierung terroristischer Aktivitäten in Judäa und Samaria hinausgehen.

Sicherheitsquellen zufolge sammelt die Hamas-Niederlassung in Istanbul für den Iran im Austausch gegen hohe Geldsummen Informationen über Israel.

In der Zweigstelle in Istanbul gibt es einen speziellen Überwachungsraum, in dem Hamas-Terroristen, die aus israelischen Gefängnissen entlassen wurden und fliessend Hebräisch verstehen, zusammen mit Mitgliedern der Hamas-Cyber-Einheit die Kommunikationsnetze und Telefongespräche der israelischen Streitkräfte, soziale Netzwerke und Computerkommunikation überwachen. Diese Informationen werden dann an den iranischen Geheimdienst weitergeleitet.

Im vergangenen Jahr wurden drei israelische Araber in Israel verhaftet, weil sie sich in ein grosses israelisches Telekommunikationsnetz gehackt, eine grosse Menge an Daten gestohlen und geplant hatten, das System im Falle eines Krieges zum Absturz zu bringen. Dabei trafen sie sich mehrmals mit ihren Hamas-Kontaktpersonen in der Türkei.

Die Aktivitäten der Hamas in der Türkei konzentrieren sich auch auf andere Themen als Israel. Hamas-Agenten sind ebenfalls an Geheimdiensteinsätzen beteiligt:

  1. Überwachung von in Israel lebenden Juden iranischer Herkunft. Überwachung ihrer sozialen Netzwerke und Beschaffung von Informationen über ihre politische Zugehörigkeit, Wohnadressen und Telefonnummern. Diese Informationen werden an den iranischen Geheimdienst weitergeleitet, der versucht, sie in seine Reihen zu rekrutieren.

    Im Januar 2022 gab der israelische Inlandsgeheimdienst Shin Bet bekannt, dass er ein iranisches Spionagenetzwerk aufgedeckt hat, das versucht hat, über Facebook fünf israelische Bürger iranischer Herkunft zu rekrutieren. Zu der Zelle gehörten vier Frauen und ein Mann, die Beziehungen zum iranischen Geheimdienst unterhielten, bis ihre Aktivitäten vom Shin Bet gestoppt wurden. Es wurden Anklagen gegen die Gruppe erhoben.
  2. Sammeln von Informationen in Afrika über die Aktivitäten des Mossad. Israel schult Armeen in Afrika in Ländern wie Kenia, Äthiopien, der Elfenbeinküste und Südafrika.
  3. Betrieb eines Zentrums für Cyber-Kriegsführung in der Türkei, um israelische Websites zu hacken und zu stören.
  4. Der iranische Geheimdienst versucht, israelische Staatsbürger, die in Afrika arbeiten, anzuwerben.
  5. Sammlung von Informationen über die Führung der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah und deren Sicherheitskoordinierung mit Israel gegen die Hamas und den Islamischen Dschihad, der dem Iran sehr nahesteht, sowie Weitergabe dieser Informationen an den iranischen Geheimdienst.

Laut Vertretern israelischer Sicherheitsdienste ist der türkische Geheimdienst unter der Leitung von Hakan Fidan ein sehr professioneller Dienst, der über alles, was in den Büros der Hamas-Niederlassung in Istanbul geschieht, genau informiert ist. Solange Präsident Erdogan die Hamas-Führung unterstützt, sie auf türkischem Territorium beherbergt und einigen ihrer Aktivisten sogar die türkische Staatsbürgerschaft gewährt, kann nichts unternommen werden. Auch Israel hat sich gegenüber der Türkei verpflichtet, nicht gegen Hamas-Aktivisten auf türkischem Boden vorzugehen, obwohl diese terroristische Aktivitäten gegen die Türkei durchführen.

Die terroristischen Aktivitäten und die nachrichtendienstliche Tätigkeit des Hamas-Ablegers in Istanbul gehen ungehindert weiter, und trotzdem hat die Regierung Bennett und Lapid die Beziehungen zur Türkei nach einer mehrjährigen Krise wieder aufgenommen.

Es wird interessant sein zu sehen, wie sich die Regierung Netanjahu gegenüber der Türkei verhalten wird und ob auch sie die Fortsetzung der terroristischen Aktivitäten des militärischen Flügels der Hamas von Istanbul aus dulden wird.

Yoni Ben Menachem ist leitender Nahost-Analyst des Jerusalem Center for Public Affairs, ein unabhängiges israelisches Forschungsinstitut für politische und gesellschaftliche Fragen mit Sitz in Jerusalem. Übersetzung Audiatur-Online.

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