10 Gründe warum Antizionisten Antisemiten sind

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Symbolbild. Al-Quds-Demonstration in Berlin 01.06.2019. Foto IMAGO / Müller-Stauffenberg
Symbolbild. Al-Quds-Demonstration in Berlin 01.06.2019. Foto IMAGO / Müller-Stauffenberg
Lesezeit: 4 Minuten

Der Zionist ist der neue Marrano.

von Jarrod Tanny

  1. Vor 1948 lehnten Antizionisten einen unabhängigen jüdischen Staat als den besten Ansatz in Bezug auf die Lösung der Judenfrage ab, aber sie verstanden dennoch, dass der Zionismus eine Bewegung für jüdische nationale Selbstbestimmung war. Seit 1948 haben Antizionisten den Zionismus grob falsch charakterisiert, indem sie ihn als Beispiel für den europäischen Imperialismus brandmarkten, der per Definition rassistisch, genozidal und zwangsläufig mit weltweiter Unterdrückung verbunden ist.
  2. Vor 1948 wurden Juden wegen ihrer Ansichten über den Zionismus nicht auf die Probe gestellt. Seit 1948 sind sie das, zuerst in der Sowjetunion, dann in den meisten arabischen Ländern und jetzt unter der intoleranten akademischen und aktivistischen Linken. Die Juden müssen heute entweder ihren Zionismus verbergen oder sich öffentlich von Israel lossagen. Andernfalls werden sie blamiert und aus dem öffentlichen Raum ausgeschlossen. Der Zionist ist der neue Marrano.
  3. So wie weisse Rassisten darauf bestehen, dass Juden im Verborgenen Macht ausüben, um Weisse durch Minderheiten zu ersetzen, besteht die intersektionelle Linke darauf, dass Zionisten im Verborgenen arbeiten, um weisse Rassisten an der Macht zu halten und Minderheiten zu unterdrücken. In beiden Fällen wird den Juden vorgeworfen, durch Stellvertreter böswillig Kontrolle auszuüben. Genau das sind die Protokolle der Weisen von Zion.
  4. Der heutige Antizionismus basiert auf traditionellen Ängsten vor jüdischer Macht und doppelter Loyalität. Antisemitische Wendungen, die während der Aufklärung aufkamen und im Holocaust und in Stalins Kampagne gegen „wurzellose Kosmopoliten“ gipfelten.
  5. Die von Antizionisten verwendete Bildsprache und Rhetorik ist praktisch identisch mit derjenigen der traditionellen Antisemiten. Es ist kein Zufall, dass „jüdische Vorherrschaft“ heute ein von Antizionisten bevorzugter Begriff ist.
  6. BDS bedeutet, dass 50 % der Juden in der Welt boykottiert werden, was die Diskriminierung eines Kollektivs von Millionen von Menschen allein aufgrund ihres Geburtsorts und ihrer ethnisch-nationalen Abstammung bedeutet. Das ist Rassismus.
  7. Die Juden sind das einzige Volk, dessen Selbstbestimmungsrecht Jahrzehnte nach der Erlangung der Selbstbestimmung und lange nach der Anerkennung der Unabhängigkeit durch die UNO geleugnet und negiert wird. Kein anderes Volk muss sich täglich für sein Recht auf Existenz als Staat rechtfertigen.
  8. Das jüdische Volk ist die einzige ethnisch-nationale Gemeinschaft, die sich einer bedeutenden Anzahl von Aktivisten rühmen kann, die daran arbeiten, das Selbstbestimmungsrecht der Gemeinschaft zu untergraben. Sie tun dies, weil nichtjüdische Aktivisten den Zionismus als imperialistisch, rassistisch und völkermordend verunglimpft haben. So setzen Nicht-Juden ihre jahrtausendealte Tradition fort, das Recht zu beanspruchen, zu definieren, was akzeptables und was inakzeptables jüdisches Verhalten ist. Jüdische Befürworter „sozialer Gerechtigkeit“ haben dies hingenommen, obwohl sie jeder anderen Minderheit das Recht zugestanden haben, ihre eigene Unterdrückung zu definieren und ihr eigenes Schicksal zu gestalten.
  9. Die meisten Länder der Welt tun von Zeit zu Zeit verwerfliche Dinge. Aber die antizionistische Linke glaubt, dass der jüdische Staat in einzigartiger Weise verwerflich ist. Das ist eine Doppelmoral, und Doppelmoral ist ein Ausdruck von Fanatismus.
  10. Die vorangegangenen neun Punkte zeigen, dass die Welt die Juden weiterhin als Ausgestossene betrachtet, was im westlichen Christentum seit über 1.500 Jahren die Norm ist, auch wenn sich die vermeintlichen Gründe geändert haben. Die „Andersartigkeit“ der Juden geht der Dämonisierung jeder anderen Minderheit voraus und ist ein globales Phänomen. So wie sich das Christentum gegen den Christus tötenden Juden definierte, so wie sich der Nationalsozialismus gegen die entartete, verschwörerische jüdische Rasse definierte, stellt die soziale Gerechtigkeits-Linke den Zionismus als eine transnationale Ideologie dar, die die Verwirklichung einer gerechten Welt verhindert. Der jüdische Staat und seine Anhänger stehen somit der Befreiung der Menschheit entgegen.

Ja, diese zehn Beispiele sind nicht sehr differenziert. Genau das ist der Punkt, denn wie alle Antisemiten lehnen Antizionisten Nuancen ab, indem sie mit zweierlei Mass messen, stereotypisieren und dämonisieren. Die Suche nach Nuancen unter Rassisten legitimiert den Rassismus.

Jarrod Tanny ist ausserordentlicher Professor und Gastwissenschaftler für jüdische Geschichte an der Fakultät für Geschichte der Universität von North Carolina Wilmington. Er ist der Autor von City of Rogues and Schnorrers: Russia’s Jews and the Myth of Old Odessa. Er ist auch der Gründer des Jewish Studies Zionist Network. Auf Englisch zuerst erschienen bei Jewish News Syndicate (JNS). Übersetzung Audiatur-Online.

1 Kommentar

  1. dümmer geht,s nimmer: Es hat schon immer antizionistische Juden und Jüdinnen gegeben. Lesen sie doch bitte die Erinnerungen der Shoa-Überlebenden Esther Bejarano und des Joseph Melzer. Befassen sie sich mal mit den Alt-Zionisten Martin Buber und Simcha Flapan, mit dem polnischen Bundisten Marek Edelman, der im Untergrund zweimal jüdischen Kampf gegen die SS in Warschau anführte, oder mit dem jüdischen Professor Victor Klemperer, der schon im November 1933 das Schicksal der Araber in Palästina mit dem der Indianer in Nordamerika verglich. . . .

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