Antisemitismus-Experte sieht wachsenden Judenhass in Deutschland

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Das Wort Antisemitismus in einem Wörterbuch. Foto IMAGO / Christian Ohde
Das Wort Antisemitismus in einem Wörterbuch. Foto IMAGO / Christian Ohde
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Einen wachsenden Judenhass in Deutschland sieht der Projektleiter der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) in Nordrhein-Westfalen, Jörg Rensmann. Die womöglich aus dem Ausland koordinierten antisemitischen Anschlagspläne im Ruhrgebiet seien mit einem tief in der Gesellschaft verankerten Antisemitismus verwoben, sagte er in einem Interview mit der „Rheinischen Post“ (Montag): „Was wir daran sehen, ist, dass Antisemitismus ein Phänomen ist, das über verschiedene Milieus hinweg verbindend wirkt – hier gegebenenfalls mit der organisierten Schwerkriminalität.“

Antisemitisch unterlegte Gruppen seien sich darin einig, ihre Einstellung in gewaltvolle Taten umzusetzen, fügte er hinzu. Zur Diskussion über Antisemitismus in islamisch geprägten Kreisen oder unter Zuwanderern sagte Rensmann: „Ich warne sehr deutlich davor, das Problem bestimmten Bevölkerungsgruppen, Segmenten oder Milieus zuzuordnen. Es gibt einen rechten bis rechtsextremen Antisemitismus, einen linken, einen islamistischen und einen in der gesellschaftlichen Mitte.“

Das sei im Übrigen nicht unbedingt eine Frage der Bildung, ergänzte der Experte: „Wir erleben heute, dass sehr gebildete Personen überhaupt kein Problem damit haben, jüdischen oder als jüdisch gelesenen Einrichtungen entsprechende Zuschriften zu schicken – unter voller Namensnennung.“ Da habe sich mitten in der Gesellschaft der Rahmen dessen verändert, was Menschen für „sagbar“ hielten: „Mit anderen Worten: Wir haben es mit einem offenen und virulenten Antisemitismus zu tun, der alle Bevölkerungsteile und Schichten und auch alle politischen Ausrichtungen umfasst.“

KNA/gbo

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