Israel: 3.700 Jahre alter Bannspruch gegen Läuse entdeckt

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Der etwa 3,5 mal 2,5 Zentimeter grosse Elfenbeinkamm. Foto Hebräische Universität Jerusalem
Der etwa 3,5 mal 2,5 Zentimeter grosse Elfenbeinkamm. Foto Hebräische Universität Jerusalem
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„Möge dieser Stosszahn die Läuse in Haar und Bart ausrotten“ – dieser in Israel entdeckte Bannspruch gegen die Parasiten ist der älteste je gefundene Beleg für die kanaanitische Schrift. Eingraviert ist er auf einem kleinen Elfenbeinkamm, den israelische Forscher auf das Jahr 1700 vor Christus datieren, wie die Hebräische Universität Jerusalem (HU) in einer Pressemitteilung (Mittwoch) mitteilte. Gefunden wurde er bereits 2017 bei Ausgrabungen in der antiken Stadt Lachisch, 44 Kilometer südwestlich von Jerusalem.

Der etwa 3,5 mal 2,5 Zentimeter grosse Kamm ähnelt demnach heute im Handel erhältlichen Läusekämmen. Er weise auf einer Seite Ansätze von sechs dicken Zinken zum Entwirren von Haarknoten sowie auf der anderen Seite Reste von 14 feinen Zähnen zum Entfernen von Läusen und deren Eiern auf. Bei einer mikroskopischen Untersuchung des Artefakts seien zudem 0,5 bis 0,6 Millimeter grosse Reste von Kopfläusen gefunden worden.

Der Kamm stammt laut Mitteilung aus einer Ausgrabung in Lachisch von Forschern der HU sowie der Southern Adventist University (Collegedale/Tennessee, USA) aus dem Jahr 2017. Die sehr flach eingravierten 17 Buchstaben seien jedoch erst bei einer Nachbearbeitung in diesem Jahr entdeckt worden.

Die archaisch geformte Inschrift stammt demnach aus der ersten Phase der Erfindung der Alphabetschrift. Sie wurde von den Kanaanitern um 1800 vor Christus unter ägyptischem Einfluss entwickelt. Bedeutend ist der Fund laut den Forschern, da es sich um den ersten vollständigen Satz in kanaanitischer Sprache handelt, der in Israel gefunden wurde. Früher entdeckte kanaanitische Inschriften bestanden demnach aus zwei oder drei einzelnen Wörtern. Eine weitere Besonderheit der Inschrift liegt laut den Forschern darin, dass sie sich auf den Zweck des Gegenstands bezieht, auf den sie geschrieben wurde, im Gegensatz zu Widmungs- oder Eigentumsinschriften.

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„Die Kamminschrift ist ein direkter Beweis für die Verwendung des Alphabets im täglichen Leben vor etwa 3.700 Jahren. Dies ist ein Meilenstein in der Geschichte der menschlichen Schreibfähigkeit“, sagte der Co-Grabungsleiter Josef Garfinkel von der HU. Zum anderen werfe der Kamm ein Licht auf bisher wenig bezeugte Aspekte des Alltagslebens der damaligen Zeit. Da es sich bei Elfenbein um einen Luxusgegenstand handele, sei der Kamm ein Indiz dafür, „dass selbst Menschen mit hohem sozialem Status unter Läusen litten“. Die Forscher gehen davon aus, dass der Kamm aus Ägypten importiert wurde, da es zu dieser Zeit keine Elefanten in Kanaan gab.

Das im biblischen Josuabuch erwähnte Lachisch wird mit dem heutigen Tell al-Duwer identifiziert. Es zählte zu den wichtigsten kanaanitischen Städten in der mittleren und späten Bronzezeit. Um 1800 vor Christus erbaut, wurde die Stadt mehrfach zerstört und wiederaufgebaut, bevor sie um 1150 vor Christus aufgegeben wurde.

KNA/akr/cdt/api

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