Chefankläger des Frankfurter Auschwitz-Prozesses erhält posthum die Leuschner-Medaille

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Der frühere hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903-1968). Foto IMAGO / Everett Collection
Der frühere hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903-1968). Foto IMAGO / Everett Collection
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Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) ehrt den Chefankläger des in den 1960er-Jahren geführten Frankfurter Auschwitz-Prozesses, Fritz Bauer, posthum mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille. Die höchste Auszeichnung des Landes Hessen will die in Schweden lebende Grossnichte Bauers, Marit Tiefenthal, am 1. Dezember entgegennehmen, wie die Staatskanzlei am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.

Dem früheren hessischen Generalstaatsanwalt Bauer (1903-1968) sei es darum gegangen, die Ideologie des NS-Regimes zu enttarnen und das nationalsozialistische Unrecht juristisch zu ahnden, sagte Rhein. „Sein Ziel war dabei nie die Vergeltung – ihm ging es darum, die schrecklichen Verbrechen sichtbar zu machen und aufzuarbeiten.“

Durch den Auschwitz-Prozess habe erstmals eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Holocaust in Deutschland stattgefunden. Bauer sei eine Schlüsselfigur der jungen deutschen Demokratie. Er habe Herausragendes für die heutige deutsche Erinnerungskultur geleistet. Als unbequemer Mahner sei Bauer aber auch zeit seines Lebens ein Aussenseiter gewesen, sagte Rhein. „Der Respekt und die Anerkennung, die er für sein Wirken verdient hätte, blieben ihm lange Zeit verwehrt.“

Die Medaille wird an Personen verliehen, die sich Verdienste um die demokratische Gesellschaft erworben haben. Leuschner war einer der wichtigsten hessischen Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime. Unter den Trägern der Medaille befinden sich Ex-Kanzlerin Angela Merkel, der Philosoph Jürgen Habermas und der 2019 ermordete Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke, der die Würdigung ebenfalls posthum erhielt.

KNA/dmu/jac/cas

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