Produzent zahlte Olympia-Attentäter von 1972 für ARD-Doku

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Besucher betrachtet die Installation mit Titelseite und Schlagzeile der AZ Abendzeitung über den Mordanschlag am Erinnerungsort an das Olympia Attentat vom 05.September 1972 auf die Olympiamannschaft Israels. Foto IMAGO / Ralph Peters
Besucher betrachtet die Installation mit Titelseite und Schlagzeile der AZ Abendzeitung über den Mordanschlag am Erinnerungsort an das Olympia Attentat vom 05.September 1972 auf die Olympiamannschaft Israels. Foto IMAGO / Ralph Peters
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Eine Produktionsfirma einer ARD-Doku hat einem Olympia-Attentäter von 1972 für exklusive Nutzungsrechte an einem Interview und zur Verfügung gestellte Dokumente und Fotos 2.000 US-Dollar gezahlt. Die an der Produktion beteiligten ARD-Redaktionen seien über die einige Monate nach den Dreharbeiten getroffene und zeitlich begrenzte Vereinbarung von dem Produzenten nicht informiert worden, teilte der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) am Freitag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit. Zuvor hatte der „Focus“ über den Fall berichtet.

Der flüchtige palästinensische Terrorist Mohammed Safady (69) hatte in der im September ausgestrahlten vierteiligen ARD-Dokumentation „Tod und Spiele“ den Überfall auf die israelische Olympia-Mannschaft in München und die Tötung der elf Sportler und eines bayerischen Polizisten geschildert.

Die Tat sei heroisch gewesen und habe erstmals die Welt auf das Schicksal des palästinensischen Volkes hingewiesen, sagte er in der Doku. Er bereue nichts. Jederzeit, so das frühere Mitglied der Terrorgruppe Fatah, würde er einen neuen Auftrag zur Ermordung von Juden übernehmen.

Die ARD-Sender BR, SWR und RBB hätten ihre Beteiligung an der internationalen Produktion unter die Voraussetzung gestellt, dass keine Interviewhonorare an die zwei überlebenden Attentäter der Olympischen Spiele in München gezahlt würden, teilte der RBB weiter mit. Der Produzent habe mehrfach – auch schriftlich – versichert, dass keine Interview-Honorare gezahlt worden seien. „Ausschliesslich branchenübliche Aufwände, insbesondere für Sicherheitsvorkehrungen im Rahmen des Interviews mit einem der Attentäter“ seien von der Produktionsfirma übernommen worden.

Verwandte der ermordeten israelischen Sportler reagierten laut „Focus“ entsetzt auf die Nachricht. Die Sprecherin der Opfer-Familien, Ankie Spitzer, deren Ehemann Andre gefesselt im Hubschrauber sass und möglicherweise von Mohammed Safady erschossen wurde, sagte: „Für mich ist es ein Medienskandal der ARD, dass Killer für ihre menschenverachtenden Aussagen mit Geld bezahlt werden.“

KNA/gbo/alr

1 Kommentar

  1. „…Die ARD-Sender BR, SWR und RBB hätten ihre Beteiligung an der internationalen Produktion unter die Voraussetzung gestellt, dass keine Interviewhonorare an die zwei überlebenden Attentäter der Olympischen Spiele in München gezahlt würden…“
    Aber sicher: „Wir haben von nichts gewusst“ war und ist ja eine beliebte Ausrede in Deutschland. Wen wundert das, wenn ein deutscher Bundeskanzler Fatah-Chefs einlädt und in Sachen Warburg/CumEx“-Skandal genau dieses „Ich habe von nichts gewusst“-Prinzip anwendet. Und wen wundert das, wenn die deutschen Medien mit der deutschen Regierung verfilzt ist (wie Regierungssprecher Steffen Hebestreit, dessen Bruder einen TopJob bei den Staatsmedien hat).

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