Jüdische Gemeinde Halle: Ausreichend geschützt nach Anschlag

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Synagoge Halle. Foto IMAGO / photothek
Synagoge Halle. Foto IMAGO / photothek
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Drei Jahre nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur fühlt sich die Gemeinde offenbar ausreichend beschützt. „Die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden und insgesamt mit der Landesregierung und der Stadt hat inzwischen ein wesentlich höheres Niveau erreicht“, sagte der Vorsitzende der Gemeinde, Max Privorozki, in einem am Wochenende veröffentlichten Interview der „Jüdischen Allgemeinen“.

Mit Blick auf Antisemitismus in Deutschland sagte er: „Bei aller Brutalität des hasserfüllten antisemitischen Mörders und bei aller Resonanz dieses Jom-Kippur-Anschlags von Halle ist es nur die Spitze des Eisbergs.“ Privorozki nannte als Beispiel die jüngste documenta in Kassel. „Der israelbezogene Antisemitismus versteckt unter der Maske der legitimen Israelkritik, er gehört seit langem zum Alltag.“

An die Politik stelle er schon länger eine Forderung, betonte der Gemeindevorsitzende: „Derjenige, der sich entschieden hat, in die Politik oder noch mehr in die Regierung zu gehen, ist einfach verpflichtet, strategisch denken und handeln zu können. Es ist nicht ausreichend und es ist keine gute Politik, wenn man nur auf die gegenwärtigen Ereignisse reagiert.“ Nachhaltigkeit und strategisches Denken seien Merkmale guter Politiker. „Wir haben solche Politiker – aber leider zu wenige.“

In diesem Jahr ist nach Angaben Privorozkis um 12.00 Uhr eine von der Stadt und der Gemeinde organisierte Gedenkveranstaltung im Hof der Synagoge Halle geplant. Um 12.03 Uhr – „die Zeit, als der Mörder seinen blutigen Weg vor drei Jahren begonnen hat“ – soll es eine Schweigeminute geben. Die Glocken aller Kirchen würden läuten. Es sei zudem ein Rundgang über den Synagogenhof geplant. Und: „Das absolut Wichtigste an diesem Tag für uns ist das Andenken an zwei Mordopfer – Jana und Kevin.“

Vor zwei Jahren hatte ein Rechtsextremist versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, um ein Massaker anzurichten. Zu der Zeit waren mehr als 50 Menschen dort versammelt, um Jom Kippur zu begehen. Als dem Täter das nicht gelang, erschoss er eine Passantin und in einem Döner-Imbiss einen Mann. Der Täter ist inzwischen unter anderem wegen Mordes verurteilt.

KNA/lwi/api

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