Bremer Publizist wirft Israel Genozid an Palästinensern vor

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Symbolbild. Anti-Israel Demonstration in Kassel am 15.05.2021. Foto IMAGO / Hartenfelser
Symbolbild. Anti-Israel Demonstration in Kassel am 15.05.2021. Foto IMAGO / Hartenfelser
Lesezeit: 11 Minuten

Ein von Bremens organisierten Antizionisten über die Jahre sorgsam gepflegtes Ritual geht nach einer längeren Pause in die nächste Runde. Der Publizist Arn Strohmeyer lädt im Oktober zu einem seiner berühmt-berüchtigten Vorträge ein, bei denen sich die darin vorgetragene „Israelkritik“ gerne als purer Antizionismus entpuppt. Denn geht es um Anti-Israel-Aktivismus in einer „Hochburg des modernen Antisemitismus“, wie der israelische Journalist Benjamin Weinthal Deutschlands kleinstes Bundesland dereinst einprägsam taufte, ist Strohmeyer immer mittendrin, statt nur dabei.

So will Strohmeyer am 11. Oktober 2022 um 19:00 Uhr im Bremer Café Sand in einer Buchpräsentation zu seinem im September 2022 erschienen Werk „Falsche Loyalitäten. Israel, der Holocaust und die deutsche Erinnerungspolitik“ darüber sprechen, wie in Deutschland mit der „Übernahme des zionistisch geprägten Gedenkens an den Holocaust […] die Verfolgung der PalästinenserInnen indirekt legitimiert wird“. Wobei das „enge Verhältnis zu Israel […] in Deutschland zur Herausbildung einer regelrechten Israel-Ideologie [führte]“, heißt es weiter.

Strohmeyer konkretisiert diese vermeintliche Israel-Weltanschauung in seinem Buch dergestalt: „Die Sühne für den Holocaust glaubte sie [Deutschlands politische Elite, Anm. des Autors] zudem dadurch leisten zu können, indem sie sich vorbehaltlos hinter Israel stellte, den zionistischen Siedlerstaat bedingungslos unterstützte und zu den Verbrechen dieses Unternehmens schwieg. […] mit ihrer bedingungslosen Unterstützung dieses Staates machte sich die deutsche Politik zum Verbündeten, ja zum Komplizen der brutalen und völkerrechtswidrigen Unterdrückung des palästinensischen Volkes“.

Was er unter diesen „Verbrechen“ einer „brutalen und völkerrechtswidrigen Unterdrückung“ versteht, klärt Strohmeyer in einem aktuellen Text vom 18. August 2022 auf, in dem er in Bezug auf die jüngste Äußerung des Palästinenserpräsidenten Abbas von den „50 Holocausts“ Israels an den Palästinensern feststellt, dass Abbas „das Wort Genozid für die Politik Israels anstatt des Wortes Holocaust [hätte] benutzen sollen. Denn Genozid trifft sehr genau den von permanenter Gewalt geprägten Umgang Israels mit den Palästinensern.“ Die „genozidale[n] Tendenzen sind in der zionistischen Politik, Religion und auch im Alltag also weit verbreitet. Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind ein zentraler Bestandteil der israelischen Politik“, fügt Strohmeyer an.

„Ja, natürlich darf ein Deutscher Antizionist sein“, so Strohmeyer

Auch seine Einlassungen zur spezifisch deutschen Sicht eines sich „vorbehaltlos hinter Israel stell[en]“ als Ausdruck deutscher Staatsräson sind eindeutig. „Ja, natürlich darf ein Deutscher Antizionist sein“, entgegnete Strohmeyer im Interview mit der Pro-Mullah-Website „Muslim-Markt“ im Jahr 2014. Seine publizistische Aufgabe selbst sieht er dabei darin, „den Zionismus unbedingt vom Judentum [zu] trennen“.

In dieser Behauptung widerspricht Strohmeyer dem Literaturwissenschaftler Hans Mayer, der ehedem über den Judenhass nach Auschwitz schrieb: „Wer den ,Zionismus‘ angreift, aber beileibe nichts gegen die ,Juden‘ sagen möchte, macht sich und anderen etwas vor. Der Staat Israel ist ein Judenstaat. Wer ihn zerstören möchte, erklärtermaßen oder durch eine Politik, die nichts anderes bewirken kann als solche Vernichtung, betreibt den Judenhaß von einst und von jeher.“

Da erscheint es nur folgerichtig, dass Strohmeyer sein Buch im österreichischen Promedia-Verlag publiziert hat, der vor Jahren mit der Veröffentlichung des anti-israelischen Buches „Die Blumen aus Galiläa“ eines Holocaust-Leugners und mutmaßlichen Kostümjudens für Schlagzeilen sorgte. Der Verlagschef sah den Fall damals allerdings anders: „Der Angriff auf das Buch […] zielt unserer Meinung nach deutlich darauf ab, Kritik an [I]srael mit der Keule des Antisemitismusvorwurf unmöglich zu machen.“

Doch Strohmeyer, den ehemaligen publizistischen Nazi-Jäger, den irgendwann beim Thema Israel jede historische Akkuratesse verließ und ihn auf die Einbahnstraße deutscher „Israel-Kritik“ führte, ficht das nicht an. Er machte in der Vergangenheit für seine Buchvorstellungen nicht einmal davor halt, das Holocaust-Gedenken selbst für seinen Anti-Israel-Einsatz zu missbrauchen. So bei einer Veranstaltung am 27. Januar 2016, zu der die BDS-Gruppe Deutsch-Palästinensische Gesellschaft, das antizionistische „Nahost-Forum Bremen“ sowie das „Israelische Komitee gegen Hauszerstörung“ einluden.

Ausgerechnet einen Tag vor dem Holocaust-Gedenktag wollte Strohmeyer aus seinem damals neu erschienen Buch „Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt“ in einem Bremer Kulturzentrum lesen. Einem Buch, dem der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bremen, Hermann Kuhn, wenige Monate später im Juni 2016 attestierte, dass Strohmeyer sich hierin „zum Hass auf Israel allerdings bekennt […], er ist für ihn legitim […] und die Gründe, die er selbst für diesen Hass angibt, beruhen auf Vorurteilen und der Leugnung von Tatsachen.“

Zum Holocaust-Gedenktag ein Israel-kritisches Buch

Vor sechseinhalb Jahren verlief die Angelegenheit indes nicht so rund, wie es sich die versammelte Schar von Bremens Anti-Israel-Aktivisten vorgestellt hatte. Denn seinerzeit wies Benjamin Weinthal den Leiter des Kulturzentrums in einer E-Mail darauf hin, dass „es sich bei der Lesung um eine anti-israelische Veranstaltung handele“ und dass Strohmeyer „Boykott-Kampagnen gegen Produkte aus israelischen Siedlungen […] unterstützt“ habe. Der Leiter sagte die Lesung Strohmeyers mit Verweis auf „die zeitliche Nähe der Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag“ am darauffolgenden Tag ab, denn „gerade jetzt kann ein israel-kritisches Buch Menschen besonders treffen“, wie er weiter ausführte.

Nachdem sich ein ehemaliger Bremer SPD-Staatsrat eingeschaltet hatte, wurde die Veranstaltung dann allerdings Anfang April 2016 nachgeholt. „Von der Kritik an der Regierungspolitik eines Staates kann nicht auf eine grundsätzliche Anti-Haltung gegenüber den in diesem Staat lebenden Nationen und ethnischen Gruppen geschlossen werden“, so die vielsagende Erklärung des Kulturzentrums, welches sich mit der publizistischen wie aktivistischen Vita Strohmeyers offenkundig in den drei Monaten nicht eine Sekunde beschäftigt hatte.

Allerdings war hier noch nicht das Ende der antizionistischen Fahnenstange erreicht. Ende April 2016 hielt Strohmeyer dann noch einen Vortrag in einer Bremer Kirche, deren Gemeindepastor Volker Keller sich im Nachgang dazu bemüßigt fühlte, Benjamin Weinthal eine vielsagende E-Mail zu schreiben: „Gestern Abend hat der Antisemit Arn Strohmeyer einen Vortrag bei mir gehalten. Sie haben mir kein Ultimatum gesetzt, sie haben mich nicht einmal beschimpft. […] Mit besten Wünschen nach Israel, Ihr Volker Keller, Antisemit (sic!)“.

Was vorgeblich ironisch gemeint gewesen sein sollte, erwies sich als berufliches Eigentor. Denn blieben Strohmeyers Vorträge für diesen bis dahin ohne Folgen, trat zumindest der ihm wohlgesonnene Pastor nach seiner Entgleisung einen Monat später von seinem Amt als Beauftragter für interreligiösen Dialog der Bremischen Evangelischen Kirche zurück. Statt Strohmeyer eine zweite Chance für seinen im Januar verhinderten Vortrag zu geben, hätte Volker Keller lieber einmal die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bremen, Elvira Noa, zu dieser Angelegenheit befragen sollen. Erklärte diese doch unmissverständlich: „Strohmeyer ist höchst umstritten[,] in vielen seiner Schriften sind antisemitische Tendenzen erkennbar“.

„Zum Hass auf Israel allerdings bekennt sich Strohmeyer ausdrücklich“

Israelsolidarische Linke aus Bremen, die sich in der antideutschen Gruppe „Aktion Zaungast“ sammeln, wollten all diese Vorgänge nicht unbeantwortet lassen und luden für den Juni 2016 zu einer Veranstaltung „Zur Kritik des Antizionismus – Israel-Obsessionen am Beispiel Arn Strohmeyers“ ein, in der Hermann Kuhn, der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bremen, sowie Martin Stobbe von der ideologiekritischen Zeitschrift Bahamas einen Vortrag hielten. Kuhn kam hierbei, wie oben bereits erwähnt, in Bezug auf Strohmeyers Buch zu dem Schluss: „Zum Hass auf Israel allerdings bekennt sich S. ausdrücklich, er ist für ihn legitim.“

Wer nun wie Strohmeyer meint, diese ursprüngliche Absage seines Vortrags wäre ein Angriff auf „die im Grundgesetz verankerte Meinungs- und Pressefreiheit“, um so „Kritiker mundtot zu machen und notwendige Debatten zu ersticken“, sei daran erinnert, dass dieser Vorfall ebenso eine Vorgeschichte hatte. Und die hat es ziemlich in sich. Zusammengefasst kann man sie eine Bremer Geschichte des Judenboykotts nennen, in deren Mittelpunkt immer wieder Strohmeyer selbst steht. Doch der Reihe nach.

Der 1942 geborene ehemalige Ressortleiter Politik bei der Lokalzeitung „Bremer Nachrichten“ entschied nach seiner Verrentung, sich dem Kampf gegen Israels „Kriegs-, Besatzungs- und Unterdrückungspolitik“ vollends zu verschreiben, und ist so seit dem Ende der 2000er Jahre prägender Akteur im Bremer Anti-Israel-Aktivismus.

Einerseits durch seine antizionistischen Schriften, in denen er mal den Hamas-Versteher gibt, mal andernorts davon schwadroniert, dass „aus Opfern […] längst Täter geworden“ wären, oder eben erst jüngst von „genozidale[n] Tendenzen […] in der zionistischen Politik“ fabulierte (siehe oben). Dabei streut Strohmeyer seine Texte über allerlei Anti-Israel-Websites wie die „Neue Rheinische Zeitung“, das „Palästina Portal“ oder das MLPD-Parteiorgan „Rote Fahne“, die für antizionistische Verschwörungstheorien berüchtigt sind und gerne auch einmal von einer von Israel finanzierten Pro-Israel-Lobby in Deutschland phantasieren beziehungsweise gleich den Mossad hinter der linken Israelsolidarität vermuten.

Ein „Kauft nicht beim Juden“ auf Bremer Antizionisten Art

Andererseits prägt Strohmeyer Bremens Anti-Israel-Agenda desgleichen aktiv durch regelmäßige pro-palästinensische Mahnwachen vor den Bremer Domtreppen, bei denen Israel mit unzweideutigen Transparenten wie „Israel ist ein Apartheidstaat“ öffentlich delegitimiert wird, und ebenso durch Reden bei anti-israelischen Kundgebungen, in denen die vernichtungsantisemitische Hamas schon einmal als Friedensapostel verkauft wird, sowie noch vordringlicher durch Boykottaktionen gegen alles, was als „israelisch-jüdisch“ aufgeladen rezipiert wird. Dabei spielt Strohmeyer nicht die zweite Geige, sondern geht im Bremer Israel-Boykott federführend voran.

So im März 2011 als sich Bremens organisierte Antizionisten unter Führung von Strohmeyer den Bestrebungen der internationalen BDS-Kampagne anschlossen und hinter dem Schlachtruf „Kaufen Sie keine Früchte aus Israel und den besetzten Gebieten“ des modernen Judenboykotts versammelten. Konkret hieß dies dann, dass sich ein antizionistischer Mob vor einem Einkaufszentrum mit Boykott-Umhängeplakaten „postierte“ und „Informationsmaterial“ verteilte, wie es weiland Ernst Röhms SA oder die NSDAP vorexerzierten.

Selbst die bildlichen Übereinstimmungen mit dem Judenboykott der 1930er Jahre sind so frappierend, dass es dieser Vorfall vermutlich deswegen wohl später sogar bis in den Bericht „Antisemitismus in Deutschland“ des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus des Deutschen Bundestags schaffte (nachzulesen hier, S. 151).

Pikanterweise bewarb 2011 indes nicht eine Bremer Neonazi-Partei den Judenboykott, sondern der Landesverband der Linkspartei (sic!), die bis Mitte der 2010er Jahre Strohmeyers Aktionen wohlwollend begleitete und seine Artikel auf ihrer Website publizierte. Der Landesvorstand der Bremer Linkspartei sah seinerzeit in Boykottaufrufen „ein legitimes, friedliches Mittel der internationalen Zivilgesellschaft“.

Eine Mahnwache gegen den Israeltag

Strohmeyer, offenkundig motiviert durch den „Erfolg“ dieser Boykott-Kampagne, blies dann ab August desselben Jahres zum Sturm auf Bremens Schulen. Der Grund war ein von der israelischen Botschaft geplanter „Israeltag“ im Bremer „Landesinstitut für Schule“ (kurz LIS), einer staatlichen Einrichtung zur Schulentwicklung, sowie Vortragsreihen über Israel in Bremens Schulen. Strohmeyer nannte dies in einem „Offenen Brief“ an den damaligen Bürgermeister und die Bildungssenatorin „Israel-Propaganda an Bremer Schulen“ und forderte, „die eingeleiteten Schritte rückgängig zu machen“.

Doch bei dem geschriebenen Boykottversuch blieb es nicht. Angestachelt von Strohmeyers Initiative hielten Bremens Antizionisten im November 2011 eine „Mahnwache“ gegen den Israeltag ab, der wieder die Bremer Linkspartei auf ihrer Website verständnisvoll publizistisch sekundierte. Handelte es sich zuvor noch um den Boykott von Waren, gingen Strohmeyers antizionistische Spießgesellen jetzt einen Schritt weiter und boykottierten unmittelbar israelische Referenten, wie den damaligen Studenten Maor Shani, die über das Leben in Israel berichten wollten.

 „Pädagogisch, politisch wie moralisch ist dieses Projekt nicht zu verantworten. Es kann […] nur eine Propagandaveranstaltung der israelischen Regierung sein, die mit dem Menschen und Völkerrecht nicht gerade sorgfältig umgeht. Dieses gesamte Projekt gehört nicht an die öffentliche Schule“, hieß es als Begründung im Bericht der Linkspartei. Offensichtlich verfehlte diese anti-israelische Aktion ihr Ziel nicht. „Der Erfolg hielt sich für die Veranstalter in Grenzen […] Lehrer ‚bestreikten‘ das Projekt offenbar, indem sie nicht mit ihren Klassen im LIS erschienen“, jubelte Strohmeyer im Nachgang.

Israelischer Jude erlebt doppelten Judenboykott

Der Boykott von jüdischen Produkten sowie sogar von Juden selbst blieb indes kein einmaliges Ereignis, wie eine Begebenheit aus dem Jahr 2013 nachhaltig dokumentiert. Im April 2013 luden der Bremer „Gesprächskreis Nahost“ rund um Strohmeyer, die „Antikapitalistische Linke“ sowie ein Kreisvorstand der Bremer Linkspartei zu einer Veranstaltung „Antisemitismusvorwurf als ideologische Waffe“ ein, in deren Verlauf Strohmeyer mit anderen Bremer Anti-Israel-Aktivisten darüber diskutieren wollte, inwieweit „Propagandisten […] des israelischen Besatzungsregimes […] Kritiker mundtot zu machen“ versuchten.

Brisant für den Veranstalter wie Diskutant Strohmeyer: Einer deutschen Jüdin sowie einem Juden aus Israel wurden der Zutritt zu der Veranstaltung verwehrt, nicht nur aufgrund von allerlei fadenscheinigen Erklärungen (der Saal sei voll, obwohl noch andere Leute hineingelassen wurden), sondern schließlich ebenso mit der Aussage „Euch gehört doch eh schon alles, auch die Medien“.

Dass es sich bei dem Juden aus Israel nun ausgerechnet um jenen Maor Shani handelte, den Strohmeyers Gesinnungsgenossen zwei Jahre zuvor beim „Israeltag“ bereits boykottierten, lässt aufhorchen. Zufall oder Absicht? Ein Boykott-Ereignis, das bis heute nicht aufgeklärt ist. Strohmeyer selbst trug zur Aufklärung auch nichts bei und sprach nach der Veranstaltung von einem „kleinen Gerangel an der Tür“, ohne die Person Maor Shani zu erwähnen, die er 2011 in seiner Israeltag-Rezension noch explizit ansprach. Shani erlebte also einen doppelten Judenboykott, erst als Vortragender 2011 und 2013 dann als Zuhörer eines Vortrags.

Der Boykott eines jüdischen Kommentators

Das ist aber immer noch nicht alles. Im Fall des Daniel Killy, des ehemaligen Sprechers der Jüdischen Gemeinde Hamburg sowie Chef vom Dienst des Bremer „Weser-Kurier“, der in dieser Funktion dem Bremer Antisemitismus mit Pro-Israel-Kommentaren entgegenwirken wollte, spielten  Bremens Antizionisten wieder eine zentrale Rolle. Zunächst Strohmeyer selbst, der im Juni 2014 einen Artikel veröffentlichte, in dem er behauptete, Killy sei ein „überzeugter zionistischer Ideologe, der die Welt nur in den Kategorien Schwarz und Weiß, gut und böse, Engel und Teufel sehen kann. Und dieses Weltbild vermittelt er in seinen Artikeln und Kommentaren mit einer Sprache des abgrundtiefen Hasses“.

Einen Monat später erhielt Killy während des Gaza-Kriegs 2014 die überraschende interne Anweisung, „nicht mehr über jüdische Themen und Israel zu schreiben, weil ich nicht neutral war“, wie er Israel National News mitteilte. Nach folgenschweren antisemitischen Pro-Gaza-Demonstrationen in Bremen im Juli 2014, die Killy im Weser-Kurier reflektierte, schrieb eine Gruppe um Strohmeyer, der bei der Kundgebung selbst eine dezidierte Pro-Hamas-Rede gehalten hatte, im August 2014 einen „Offenen Brief“ an die Chefredaktion der Lokalzeitung.

In diesem wurde Killy nicht nur ein „Hetz-Journalismus“ vorgeworfen; mehr noch drohte man mit „allen uns zur Verfügung stehenden publizistischen Mitteln gegen die dämonisierende und hetzerische Kommentierung Killys [zu] wehren“. Eine späte Folge dieser „Intervention“: Im März 2015 erhielt Killy die Kündigung zum 30. Juni. Für den Weser-Kurier stand diese allerdings „in keiner Weise im Zusammenhang mit seinem jüdischen Glauben oder seiner Tätigkeit in einer jüdischen Gemeinde“. Wohingegen der damalige Chefredakteur in spe jedoch bereits wenige Monate zuvor im Dezember 2014 Killy attestierte, in diesem „den Sprecher der Jüdischen Gemeinde in Hamburg und nicht den unabhängigen Journalisten“ zu erkennen.

Halten wir am Ende fest: Strohmeyer, der sich 2016 noch lautstark über den Boykott seines Vortrags echauffierte, schreckte in den Jahren davor nicht zurück, beim Boykott von deutschen wie israelischen Juden und ebenso von israelischen Produkten sowie allem, was von ihm „israelisch“ konnotiert wird, federführend voranzugehen. Ob Strohmeyer am 11. Oktober 2022 in seiner aktuellen Buchpräsentation „Falsche Loyalitäten. Israel, der Holocaust und die deutsche Erinnerungspolitik“ wieder ungehindert seiner Anti-Israel-Agenda frönen kann, steht dabei noch als offene Frage im Raum.

Über Marcus Ermler

Dr. Dr. Marcus Ermler, ist Mathematiker sowie Informatiker und beschäftigt sich in seiner Forschung mit Logik, Graph Rewriting und Topologie. Darüber hinaus publiziert er über Antisemitismus und Antiamerikanismus jeder politischen Färbung.

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2 Kommentare

  1. Danke für diesen erweiternden Bericht. *) Niemand kann noch ernsthaft zweifeln an der von Rommels NS-Armee verfehlten, beim Stromeyer-Paten J. von Leers obsessiv beschworenen und heutzutage bei linken, rechten, christlichen und mittig Deutschen kaum noch unterschiedlich kostümierten Absicht, Israel „abzuwickeln“, oder wie es akademisch heisst: zu „dekolonisieren“. – Einst kamen die Parolen von Blüm und Möllemann, von Walser, den Augsteins und Grass, gestern von Frau Groth und heute von Frau Assmann. Die docu-mallah bzw. die Einladung des am Olympia-Terror gegen Israels Sportler 1972 in München beteiligten Abbas beim SPD-Kanzler hat die letzten Reste scheinheiliger Rücksichtnahme beseitigt: jetzt machen die deutschen Nahost-Befreier:innen Tempo – die Gegenkräfte fehlen.
    Unbedingt nachlesen: Ermlers Artikel aus 12/2021:
    https://www.audiatur-online.ch/2021/12/20/das-geruecht-ueber-eine-pro-israelische-verschwoerung/

  2. Arn Strohmeyer war eben Teil der, seit Jahrzehnten Propaganda der Bremer Landesregierung und Fake News produzierenden, von der SPD gegründeten, Bremer Tageszeitung AG (die alle Medien in Bremen und umzu beherrscht, zusammen mit Radio Bremen – deren Journalisten wechseln zwischen der BTAG und dem Sender hin und her), deren Journalisten für ihre Hofberichterstattung dann gut dotierte Stellen als Senatssprecher bekommen. Und Arn Strohmeyer ist – zusammen mit DKP, SPD und Linkspartei-Politikern – Funktionär des „Bremer Friedensforum“, das versucht Kritiker mit „Hausbesuchen“ einzuschüchtern.

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