Israelisches Startup verwandelt Küchenabfälle in Gas zum Kochen

Haushalte können ihre Essensreste - und Toilettenabfälle in Kochgas umwandeln

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Mit HomeBiogas können Haushalte ihr eigenes Kochgas herstellen. Foto zVg HomeBiogas
Mit HomeBiogas können Haushalte ihr eigenes Kochgas herstellen. Foto zVg HomeBiogas
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Das israelische Start-up-Unternehmen HomeBiogas hat eine kompakte und erschwingliche Version der industriellen Anlagen entwickelt, die normalerweise von grossen Unternehmen und Gemeinden betrieben werden.

Die miniaturisierte Vergärungsanlage, die organische Abfälle in Gas umwandelt, sieht aus wie eine aufblasbare Version eines Zelts für zwei Personen und kostet weniger als 1.000 Dollar.

Geben Sie einfach Ihre Essensreste hinein (man kann es auch an die Toilette anschliessen) und die Bakterien zersetzen alles in Biogas.

Er wird zu einem speziell dafür vorgesehenen Herd in die Küche geleitet und reicht für rund zwei Stunden Kochen pro Tag. Ausserdem entsteht aus den organischen Abfällen ein reichhaltiger Dünger, den man für den eigenen Garten verwenden kann.

HomeBiogas wird im Freien aufgestellt und kann bis zu zwei Stunden lang Kochgas liefern sowie Dünger für Ihren Garten erzeugen. Foto zVg HomeBiogas

Die Enzyme ernähren sich von den Lebensmittelabfällen und „geben Gas“ ab, wie es die meisten Organismen tun. Man gewinnt das Gas und nutzt es zum Kochen oder zur Wassererwärmung“, so Ron Gonen, Vorstandsmitglied von HomeBiogas, gegenüber israelischen Medien.

Laut Gonen kann sich die Biogasanlage, aufgrund der Einsparungen bei der Müllabfuhr und den Energierechnungen, rund innerhalb eines Jahres amortisieren.

Auch andere Unternehmen haben versucht, kleine Biogasanlagen zu entwickeln, aber keines war in der Lage, dies zu dem Preis von HomeBiogas zu tun, so Gonen. Bislang wurden über 15.000 Einheiten in 107 Ländern verkauft.

„Bis vor sechs Monaten war Europa der Ansicht, dass es aufgrund des aus Russland kommenden Gases ständig Zugang zu billigem Gas hat“, erklärt er gegenüber der Nachrichtenagentur NoCamels.

„Jetzt versucht jeder herauszufinden, wie man dieses Gas ersetzen kann. Und in der Regel lautet die Vorgabe: ‚Wir müssen grosse Kohle- oder Kernkraftwerke bauen oder Erdgas von woanders her holen und es raffinieren‘.

„Das sind alles riesige Anlagen, deren Bau Jahre dauert und die Hunderte von Millionen Dollar kosten. Ich denke, wenn die Leute das HomeBiogas-System sehen und erkennen, dass sie ihr eigenes Gas vor Ort und aus ihren eigenen Lebensmitteln und biologischen Abfällen erzeugen können, könnte es sehr populär werden.

Lebensmittelabfälle sind kein Problem – sie sind eine Lösung, eine Ressource

„Jedes Mal, wenn ich in einem Restaurant sitze und sehe, wie die Teller mit Essensresten weggebracht werden, denke ich: ‚Oh mein Gott, das ist so viel'“, sagt Mira Marcus, Pressesprecherin von HomeBiogas. „Lebensmittelabfälle sind kein Problem – sie sind eine Lösung, eine Ressource. Wir müssen anfangen, anders darüber zu denken.“

HomeBiogas unterhält Projekte und internationale Kooperationen mit Regierungen, Hilfsorganisationen und humanitären Organisationen wie der EU, den Vereinten Nationen, dem Internationalen Roten Kreuz, dem israelischen Aussenministerium, dem Peres Center for Peace and Innovation, dem WWF und weiteren Projekten mit verschiedenen UN-Ausschüssen in Liberia und Gaza. Ausserdem unterhält das Unternehmen Vertriebspartnerschaften in mehreren afrikanischen Ländern, darunter Simbabwe, Sambia und Kenia.

Im November letzten Jahres erhielt HomeBiogas von der UNO den Zuschlag für die Lieferung seiner Systeme an Flüchtlingslager in mehreren afrikanischen Ländern. In Flüchtlingslagern fallen grosse Mengen organischer Abfälle an, die teuer zu entsorgen sind und sanitäre und ökologische Probleme verursachen.

Eine der industriellen Anlagen von HomeBiogas im Kibbutz Yagur, Nordisrael. Foto zVg HomeBiogas

HomeBiogas hat seine ersten industriellen Systeme in der Gemeinschaftsküche des Kibbutz Yagur im Norden Israels, in einem Internat in Neurim in Zentralisrael, wo es Kindern hilft, etwas über Nachhaltigkeit zu lernen, und in einem Armeestützpunkt der IDF (Israel Defense Forces) in Betrieb genommen.

Das System kam auch bei AMADEE-20 zum Einsatz, der bisher umfassendsten Simulation einer bemannten Marsmission, die im vergangenen Oktober im Ramon-Krater im Süden Israels stattfand. Dies ist einer der wenigen Orte auf der Erde, der den Bedingungen auf dem Mars ähnelt. Während der dreiwöchigen Mission verwendeten die Astronauten HomeBiogas, um ihre organischen Abfälle zu entsorgen.

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