Israelische Studie: Bäume pflanzen für das Klima bringt wenig

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Foto IMAGO / photo2000
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Bäume pflanzen, um das Klima zu retten – das ist derzeit angesagt. Von Privatpersonen über Unternehmen bis hin zur UN gibt es Initiativen, die mit Hilfe von Pflanzaktionen CO2 aus der Atmosphäre holen wollen. Doch eine am Donnerstag im Fachjournal „Science“ erschienene Studie israelischer Forscher schüttet Wasser in den Wein. Der Tenor: Wälder in Trockengebieten anzupflanzen, bringt wenig.

von Christoph Arens

Bäume speicherten zwar Kohlenstoff und wirkten so der Erwärmung der Atmosphäre entgegen, fasst das in Köln ansässige Science Media Center Germany die Ergebnisse vorab zusammen. Allerdings könnten neu entstandene Wälder auch einen wärmenden Effekt haben, da die dunkle Oberfläche der Bäume weniger Sonnenstrahlung reflektiere als der hellere Boden. In einigen Trockengebieten – etwa in Kasachstan, China oder der Mongolei – könnte Aufforstung insgesamt sogar kontraproduktiv für den Klimaschutz sein.

Trockengebiete wie Savannen, Grasland und Wüsten bedecken rund 40 Prozent der Landfläche der Erde. Der Studie zufolge wäre auf sechs Prozent – auf 448 Millionen Hektar – eine Aufforstung möglich. Solche Wälder könnten 32 Gigatonnen Kohlenstoff speichern. Die verringerte Reflexion von Sonnenstrahlung würde jedoch über zwei Drittel des kühlenden Effekts ausgleichen.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass die meisten Analysen zur Aufforstung den Effekt der geringeren Reflexion der Sonnenstrahlung nicht berücksichtigen. Die Autoren werben für eine „smart forestation“-Strategie: Aufforstung sollte nur in Gebieten geschehen, in denen sie insgesamt zum Klimaschutz beiträgt. Damit könnten zwischen 0,7 und 2,9 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen bis 2100 kompensiert werden. Ein ziemlich geringer Effekt.

Deutliche Zustimmung kommt von deutschsprachigen Wissenschaftlern: „Die Studie produziert ganz klar ein neues und belastbareres Ergebnis, das alten Studien widerspricht“, erklärt die Umweltwissenschaftlerin Nina Buchmann von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ). „Wenn auch die Vernichtung von Grasland mit hoher Biodiversität berücksichtigt würde, wäre der berechnete Klimaeffekt noch geringer.“ Es müsse somit oberstes Ziel bleiben, die Treibhausgas-Emissionen so schnell wie möglich zu senken.

Martin Claussen vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg betont, der von der Studie beschriebene Effekt sei grundsätzlich lange bekannt – aber vorwiegend für die hohen nördlichen Breiten beschrieben worden, in denen Wälder den kühlenden Effekt einer Schneedecke „maskieren“. Für Trockengebiete mit ebenfalls recht hellen Böden liefere die Studie jetzt eine gute Abschätzung.

Zugleich blieben viele andere Wechselwirkungen offen, sagt Claussen: Effekte wie eine Änderung der Bewölkung oder Fragen der Biodiversität seien nicht einbezogen. Statt neue Wälder in Trockengebieten zu pflanzen, könnte man auch bestehende Wälder verdichten oder frühere Wälder neu aufforsten. Claussen weist darauf hin, dass in vielen Trockengebieten unklar sei, ob Wald überhaupt gedeihen könne. Von Bedeutung sei auch, welche Art Bäume gepflanzt werden sollten. „Der Harz als Beispiel vor unserer Haustür zeigt nur allzu deutlich die Sünden einer Fichtenmonokultur. In den Tropen sehen wir den Raubumbau durch Ölpalmen.“

Die Biologin Nadine Rühr vom Campus Alpin in Garmisch-Partenkirchen sieht in der Studie den sicheren Hinweis, „dass die grossflächige Pflanzung von Wäldern in trockenen Gebieten den menschengemachten Klimawandel nicht aufhalten kann“. Dennoch stehe ausser Frage, dass sorgfältig geplante Wiederaufforstungen örtlich sehr positive Effekte haben könnten. Sie könnten zum Beispiel Bodendegradation verhindern oder Abkühlung bringen.

Ein wichtiger Punkt ist aus ihrer Sicht die Frage, wie erfolgreich solche Aufforstungsprojekte langfristig sein können. Langanhaltende Dürren und extreme Hitzewellen könnten die Baumsterblichkeit erhöhen, zu grossflächigen Waldbränden führen und somit das Klimaschutzpotenzial der Aufforstungen in Frage stellen.

KNA/cas/lwi

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