Chef des Inlandsgeheimdienstes: Israels interne Spaltung ermutigt Feinde

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Der Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, Ronen Bar, am Sonntag, 11. September 2022, an der Reichman-Universität in Herzliya. Foto Screenshot Youtube / International Institute for Counter-Terrorism (ICT)
Der Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, Ronen Bar, am Sonntag, 11. September 2022, an der Reichman-Universität in Herzliya. Foto Screenshot Youtube / International Institute for Counter-Terrorism (ICT)
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In einer ausführlichen Ansprache warnte der Leiter des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet am Sonntag, dass Israel einer Reihe von Bedrohungen ausgesetzt sei, seine internen politischen und sozialen Konflikte aber seinen Feinden einen Vorteil verschafften, «der uns mehr als alles andere beunruhigen sollte».

In seiner Rede auf der jährlichen Anti-Terror-Konferenz an der Reichman-Universität in Herzliya sprach Ronen Bar «die tiefe und wachsende Kluft an, die sich in der israelischen Gesellschaft entwickelt hat» und die sich auf die Identität des Landes auswirke. Im November finden in Israel die fünften Wahlen in weniger als vier Jahren statt.

«Die politische Instabilität, die wachsende innere Spaltung, das Auseinanderbrechen der historischen Gemeinsamkeiten und der radikalisierte Diskurs – all das ist ein Schuss Ermutigung für die Länder der Achse des Bösen, für terroristische Organisationen und für Einzeltäter», sagte Bar.

«Das vorherrschende Gefühl unter unseren Gegnern ist, dass unser historischer Vorteil, der uns seit Tausenden von Jahren auszeichnet und unsere nationale Widerstandsfähigkeit ausmacht, im Begriff ist sich aufzulösen», fügte er hinzu. «Diese Erkenntnis sollte uns mehr als alles andere beunruhigen».

In seinen fast 40-minütigen Ausführungen skizzierte der Shin Bet-Chef das komplexe Sicherheitsumfeld, in dem diese externen Gegner sowohl online als auch in der physischen Umgebung operieren.

Social-Media-Netzwerke und Algorithmen, die extreme Inhalte begünstigen, so Bar, ermöglichen es terroristischen Organisationen, «eine Bedrohung zu erzeugen und eine Agenda voranzutreiben, ohne einen Preis zu zahlen».

«Soziale Netzwerke in Verbindung mit ‚Deepfake‘-Technologie – mit der realistisch aussehende, aber synthetische Bilder und andere Medien produziert werden können, machen dies relativ einfach», argumentierte er. «Im letzten Ramadan gelang es der Hamas im Gazastreifen, die Jugend davon zu überzeugen, dass die Al-Aqsa-Moschee in Gefahr ist, was zu Unruhen unter Gruppen führte, die sich nicht einmal mit der Ideologie der Hamas identifizieren», fügte Bar hinzu.

In Bezug auf die zunehmende Gewalt im Westjordanland wies der Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes darauf hin, dass die Palästinensische Autonomiebehörde nur über ein begrenztes Mass an Autorität verfüge und israelisches Sicherheitspersonal zum Schutz der israelischen Bürger jede Nacht in dem Gebiet eingesetzt werden müsse. Im Gegenzug geraten die israelischen Streitkräfte unter Beschuss, Palästinenser werden verletzt, und der Einfluss der Palästinensischen Autonomiebehörde und die Kontrolle der Sicherheitslage nehmen weiter ab.

Bar sagte, dass es im laufenden Jahr bereits über 130 Schiessereien gegeben habe, verglichen mit 98 im Jahr 2021 und nur 19 im Jahr 2020. Er fügte hinzu, dass die israelischen Sicherheitskräfte 312 «schwerwiegende» Angriffe vereitelt hätten, zu denen Messerattacken, gezielte Angriffe mit Schusswaffen, Selbstmordattentate und Anschläge mit Autos gehören.

Die jährliche internationale Konferenz «World Summit on Counter-Terrorism» ist die grösste und eine der einflussreichsten Veranstaltungen im Bereich der Terrorismusbekämpfung. Mehr als 1000 hochrangige Entscheidungsträger, Verteidigungs-, Geheimdienst- und Polizeibeamte, prominente Wissenschaftler und führende Vertreter der Sicherheitsbranche aus über 60 Ländern nehmen an dem weltweiten Kongress zur Terrorismusbekämpfung teil.

1 Kommentar

  1. Gewöhnlich eint ein Volk ein gemeinsamer Feind, anscheinend sind der gemeinsamen Feinde noch nicht genug. Betreffend der Äusserungen von Herr Bar gegenüber Judäa Samaria, der sogenannten Westbank, da frage ich mich ob er Gush Katif und was daraus geworden ist schon vergessen hat – Gaza! Es scheint mir, dass diese traurige Geschichte wiederholt wird, kein Wunder stärkt das die Feinde – den Preis dafür zahlt Israel!

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