Herzog: Gedenken ist Verpflichtung für Israel und Deutschland

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Israels Staatspräsident Herzog hält Rede vor dem Bundestag Israels Staatspräsident Isaac Herzog hält eine Rede vor den Abgeordneten und Vertretern der deutschen Verfassungsorgane sowie geladenen Gästen im Deutschen Bundestag am 06.09.2022 in Berlin. Foto IMAGO / Christian Spicker
Israels Staatspräsident Herzog hält Rede vor dem Bundestag Israels Staatspräsident Isaac Herzog hält eine Rede vor den Abgeordneten und Vertretern der deutschen Verfassungsorgane sowie geladenen Gästen im Deutschen Bundestag am 06.09.2022 in Berlin. Foto IMAGO / Christian Spicker
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Israels Staatspräsident Isaac Herzog hat im Bundestag dem gemeinsamen Gedenken an den Holocaust einen hohen Stellenwert zugeschrieben. Das Gedenken sei Verpflichtung, moralische Auflage und Verantwortung für Israel wie für Deutschland, sagte das israelische Staatsoberhaupt am Dienstag in Berlin. Das Erinnern gehöre zur israelischen Identität.

von Christoph Scholz

Zu Beginn betete Herzog für die Opfer des Holocaust. Dazu erhoben sich alle Anwesenden, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und weitere Spitzen des Staates.

Der Staatspräsident erinnerte daran, dass Deutschland Tausenden Juden eine Heimat gewesen sei, wo sich ihr Leben in Kultur und Wissenschaft entfaltet habe. Dort hätten sich die bedeutendsten Rabbiner des jüdischen Volkes entwickelt und es sei die Heimat von Geistesgrössen wie Abraham Geiger, Albert Einstein, Kurt Weill oder Else Lasker-Schüler gewesen.

Zugleich seien in Deutschland aber auch die grössten Gräueltaten der Geschichte geschehen, von der Zerstörung jüdischer Gemeinden bis zum „tiefsten Abgrund des menschlichen Zusammenlebens, der Schoah“. Dies sei beispiellos in der Geschichte.

Das jüdische Volk vergesse nicht, sagte Herzog. Dies sei hart und schmerzhaft für beide Völker. Sie trügen aber gemeinsam Verantwortung für das Gedenken. Das bedeute auf der Ebene der Vergangenheit, die Schoah weiter zu erforschen und an sie zu erinnern. Für die Gegenwart heisse es, Hass, Antisemitismus und Rassismus zu bekämpfen und die Partnerschaft zu vertiefen.

Dabei betonte er die Partnerschaft zwischen Israel und Europa sowie zu den Ländern der Region. Ziel sei ein friedliches Zusammenleben. Das gelte auch für die Palästinenser. Sie müssten aber zuerst den Terror bekämpfen. Herzog erinnerte an den Terroranschlag auf die israelische Mannschaft bei den Olympischen Spielen in München 1972. Zugleich rief er die Weltgemeinschaft dazu auf, gegen Iran und seine Pläne zur Entwicklung von Atomwaffen vorzugehen. Es sei unannehmbar, dass Iran zur Vernichtung Israels aufrufe.

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas betonte in ihrer Begrüssung die Verantwortung Deutschlands für den Holocaust. Deutschland könne nicht wiedergutmachen, was nicht wiedergutzumachen sei; umso mehr müsse die Erinnerung an die Opfer wachgehalten werden. Zugleich müssten Juden in Deutschland sicher sein. Es sei schmerzhaft, „wenn wir diesem Anspruch nicht gerecht werden“. Die gelte auch für das Olympia-Attentat vor 50 Jahren. Sie rief zugleich dazu auf, gegen jede Form des Antisemitismus in Deutschland vorzugehen.

Bas warb für die Errichtung eines deutsch-israelischen Jugendwerkes. Beim anschliessenden Gespräch mit Herzog nahm dieser den Vorschlag demnach positiv auf. Man sei gerade dabei, „gemeinsam ein neues Blatt zu beschreiben, ein Blatt für die Zukunft“, so Herzog.

Am Nachmittag will Herzog gemeinsam mit Steinmeier das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen besuchen und dort Überlebende des Holocausts treffen. In dem Konzentrationslager starben zwischen 1943 und 1945 mehr als 52.000 Menschen.

KNA/chs/pko

1 Kommentar

  1. In der Sache ist das sicher richtig, nur stellt sich die Frage, mit wem das durchsetzbar ist. Die Parteien in Deutschland fördern vor allem Postkolonialismus wie die documenta oder Konferenzen wie Hijacking history, relativieren den Holocaust durch ihre ständigen nazi vergleiche – Putin der neue Hitler und ähnlichen gefährlichen Unsinn mehr. Der Vernichtungskrieg wird Russland zugeschrieben in einer dummdreisten Form, dass Geschichtslosigkeit in deutschland als Understatement erscheint. Ähnlich gefähliche Unwahrheiten wurden von Scharping im Rahmen des Jugoslawien Krieges verbreitet oder behauptet, nicht Georgien hätte einen Angriffskrieg geführt. Die aktuelle Politik in Deutschland ist ein Alptraum.

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