Einigung mit Hinterbliebenen der Opfer des Olympia-Attentats

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Olympia Attentat 1972 bei den Olympischen Spielen in München Manfred Schreiber, Walter Tröger, Otto Merk und Hans-Dietrich Genscher verhandeln mit einem Terroristen. Foto IMAGO / Sammy Minkoff
Olympia Attentat 1972 bei den Olympischen Spielen in München Manfred Schreiber, Walter Tröger, Otto Merk und Hans-Dietrich Genscher verhandeln mit einem Terroristen. Foto IMAGO / Sammy Minkoff
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Bei den Verhandlungen mit den Hinterbliebenen der Opfer des Olympia-Attentats von 1972 ist es zu einer Einigung gekommen. „Dazu zählen die Aufarbeitung der Geschehnisse durch eine Kommission deutscher und israelischer Historiker, die rechtskonforme Freigabe von Akten, die Einordnung und Übernahme von politischer Verantwortung im Rahmen der Gedenkveranstaltung sowie die Bereitstellung weiterer Anerkennungsleistungen durch den Bund, durch das Land Bayern und durch die Stadt München“, teilte die Bundesregierung am Mittwoch mit.

Damit komme die Bundesrepublik Deutschland, auch mit Blick auf das besondere deutsch-israelische Verhältnis, ihrer historischen Verpflichtung gegenüber den Opfern und deren Hinterbliebenen nach, hiess es weiter. „Sie schafft nach nunmehr 50 Jahren die Voraussetzungen, ein schmerzhaftes Kapitel in der gemeinsamen Geschichte aufzuarbeiten, angemessen zu würdigen und legt die Grundlage für eine neue lebendige Erinnerungskultur.“

Am frühen Morgen des 5. September 1972 hatten sich palästinensische Terroristen Zutritt zum Olympiadorf verschafft und waren in das Quartier der israelischen Mannschaft eingedrungen. Sie töteten zwei Israelis, nahmen neun weitere als Geiseln. Mit der blutigen Aktion wollte die Gruppe „Schwarzer September“ Gesinnungsgenossen aus der Haft freipressen. Was dann folgte, war eine Aneinanderreihung von Fehleinschätzungen und Pannen. Sie endete in der Nacht in einem komplett missglückten Befreiungsversuch auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck, bei dem alle Geiseln, ein Polizist und fünf der acht Terroristen getötet wurden.

Lange fanden die Hinterbliebenen kaum Gehör. Sie warfen den deutschen Behörden Vertuschen und Versagen vor und verlangten eine angemessene Entschädigung.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der israelische Präsident Isaac Herzog begrüssten gemeinsam die nun erzielte Einigung mit den Hinterbliebenen. „Wir sind froh und erleichtert, dass es kurz vor dem 50. Jahrestag und vor dem Staatsbesuch des israelischen Präsidenten in Deutschland zu einer Einigung über historische Aufklärung, Anerkennung und Entschädigung gekommen ist“, so Steinmeier und Herzog. „Die Einigung kann nicht alle Wunden heilen. Aber sie öffnet eine Tür aufeinander zu.“

Der Präsident der orthodoxen Konferenz Europäischer Rabbiner (CER), Pinchas Goldschmidt, erklärte: „Während des Terroranschlags auf die Sportler der israelischen Olympiamannschaft in München wurden viele falsche Entscheidungen getroffen, wie zum Beispiel einem israelischen Kommando nicht zu erlauben, die Hubschrauber, in denen sich die Geiseln befanden, zu stürmen.“

Die Familien der ermordeten Sportler hätten viele Jahre mit dem Gefühl leben müssen, „dass der Gerechtigkeit nicht Genüge getan wurde und dass die aufeinanderfolgenden deutschen Regierungen keine Verantwortung für die Fehlentscheidungen während dieser Geiselnahme und der missglückten Befreiungsaktion übernommen haben“. Es bleibe zu hoffen, „dass diese neue endgültige Vereinbarung zwischen der deutschen Regierung und den betroffenen Familien und Angehörigen dieses sehr traurige Kapitel ein für alle Mal abschließen wird“.

Am Montag ist in Fürstenfeldbruck ein Gedenken geplant. Bis zuletzt war unsicher, ob es dazu kommen würde. Nun sieht es so aus, als würden nicht nur Steinmeier und Herzog, sondern auch die Hinterbliebenen an der Zeremonie teilnehmen.

KNA/joh/cas/lwi/Aud

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