Der Anschlag auf Rushdie mahnt uns vor den mörderischen Absichten des Iran

1
Salman Rushdie bei der Aufzeichnung der ZDF-Talkshow Markus Lanz im Fernsehmacher Studio auf dem Phoenixhof. Hamburg, 12.11.2019. Foto IMAGO / Future Image
Salman Rushdie bei der Aufzeichnung der ZDF-Talkshow Markus Lanz im Fernsehmacher Studio auf dem Phoenixhof. Hamburg, 12.11.2019. Foto IMAGO / Future Image
Lesezeit: 4 Minuten

Das Attentat vom 12. August auf den Schriftsteller Salman Rushdie, der bei einer Literaturveranstaltung in New York mit mehreren Messerstichen angegriffen wurde, ist eine grosse Niederlage für den Westen. Dass Rushdie, nachdem er jahrzehntelang untergetaucht war, von einem Anhänger der Islamischen Republik Iran und ihrer mörderischen Ayatollahs angegriffen wurde, ist eine Schande, für die wir alle gemeinsam verantwortlich sind.

von Fiamma Nirenstein

Die vom ehemaligen iranischen Führer Ayatollah Ruhollah Khomeini am 14. Februar 1989 erlassene Fatwa, die muslimische Gläubige dazu aufforderte, Rushdie zu töten, weil er die „Satanischen Verse“ geschrieben hatte, ist unmittelbar für den Anschlag verantwortlich. Dennoch ging US-Präsident Joe Biden so weit, den Iran in seiner Verurteilung des Anschlags nicht zu erwähnen, was im Einklang mit einer jahrzehntelangen moralischen Feigheit steht.

Jahrelang hat die Führung eines Mitgliedstaates der UNO offen ihre Verachtung für das Recht auf freie Meinungsäusserung bekundet und gedroht, einen Schriftsteller zu ermorden, weil er sein unveräusserliches Recht auf freie Meinungsäusserung wahrgenommen hat. Das Versäumnis des Westens, den Anschlag zu verhindern oder dem Iran für seine blutrünstige Politik irgendwelche Konsequenzen aufzuerlegen, ist ein verwerfliches Scheitern im Kampf für unsere elementarsten Werte.

Im Laufe der Jahre gab es verschiedene Bestrebungen zu behaupten, der Iran sei von seiner mörderischen Fatwa abgerückt, aber die islamische Republik hat sie nie zurückgenommen. Stattdessen „reduzierte“ sie die Fatwa auf eine rein religiöse Option, woraufhin sich die britische und die deutsche Regierung für ihre erfolgreiche „Vermittlung“ in dieser Angelegenheit beglückwünschten.

Rushdie selbst wollte glauben, dass er sicher sei, und tauchte aus seinem Versteck auf. Doch die für seinen Tod ausgelobte Belohnung – angeblich von einer „privaten“ Stiftung – wuchs auf 3 Millionen Dollar an. Erschreckenderweise sammelte eine Organisation religiöser Studenten weitere 300.000 Dollar, um die Fatwa für potenzielle Attentäter noch attraktiver zu machen. Die überwältigende Mehrheit des iranischen Parlaments stimmte dafür, die Fatwa aufrechtzuerhalten, und seine Mitglieder erklärten das Todesurteil mehrfach für ewig gültig.

Transparent auf einer Demonstration gegen Salman Rushdie und das Time Magazine in Karachi. Foto IMAGO / Dean Pictures

Die Wahrheit und die Lektion, die wir lernen müssen, ist, dass der Islam eine Religion mit einem langen Gedächtnis ist, insbesondere wenn es darum geht, seine „Feinde“ anzugreifen. Er meint es ernst, wenn er seine mörderischen Absichten verkündet, und wird davon über Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte nicht abweichen. Der Islam ist nicht in Eile. Er will siegen.

Es gibt viele Beispiele für die Entschlossenheit von Islamisten, jeden zu ermorden, der ihre Religion „beleidigt“. So zum Beispiel die Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo Van Gogh, der es wagte, einen Dokumentarfilm über Gewalt gegen Frauen in muslimischen Gesellschaften zu drehen, oder das schreckliche Massaker an den Mitarbeitern des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo.

Wir sollten uns daran erinnern, dass der Iran, wenn er damit droht, Israel auszulöschen, nicht übertreibt. Er meint dies wirklich ernst. Er macht seine Drohungen wahr, indem er den Islamischen Dschihad und die Hisbollah finanziert und sie einsetzt, um so viele Juden wie möglich zu töten, und indem er eine Atomwaffe anstrebt, um „Israel von der Landkarte zu tilgen“. Wir wissen, dass der Iran diese Dinge tut, trotz der enormen wirtschaftlichen und militärischen Kosten. Und doch tun wir nichts. Noch schlimmer ist, dass wir, während Rushdie in seinem Krankenhausbett liegt, die Gespräche mit dem Iran in Wien fortsetzen und dabei sind, dem Land Milliarden von Dollar zu übergeben, die es zur Finanzierung seiner mörderischen Machenschaften verwenden wird.

Diese Machenschaften beschränken sich nicht auf den Tod von Rushdie. Kürzlich hat der Iran Berichten zufolge versucht, den ehemaligen US-Aussenminister Mike Pompeo und den ehemaligen nationalen Sicherheitsberater John Bolton zu ermorden, und israelische Touristen in der Türkei wurden unverzüglich repatriiert oder in Hotels eingesperrt, da sie von einem Todesschwadron iranischer Terroristen erwartet wurden. All dies geschah einzig und allein, um Qassem Soleimani, Irans Top-Terroristen, zu rächen, der 2020 von den USA hingerichtet wurde. Der Iran hat ein langes Gedächtnis. Wir müssen auch eines haben.

Die Nahost-Historiker Bernard Lewis und Fouad Ajami haben darüber geschrieben, wie der Islam nach dem überwältigenden Erfolg seiner imperialistischen Eroberung des Nahen Ostens, Nordafrikas und Teilen Europas nie in der Lage war, die Reihe von Demütigungen und Niederlagen zu akzeptieren, die er in den folgenden Jahrhunderten erlitt. Er betrachtet diese Niederlagen nicht als erfolgreiche Verteidigung gegen die Gewalt, die er gegen andere ausgeübt hat, sondern als unerträgliche Kränkungen, die gerächt werden müssen.

Mehr als jedes andere islamische Land hat der Iran heute die Rolle des Rächers übernommen. Das Land bedroht den Westen mit seiner terroristischen Quds-Einheit, seinen verschiedenen Verbündeten und einer Legion verdeckter Attentäter, die den Westen umstürzen werden, wenn wir sie nicht aufhalten. Das Attentat auf Rushdie war ein Teil dieser Kampagne des Terrors und der Einschüchterung.

Je länger wir den Kopf einziehen und nichts gegen den Iran und seine Gräueltaten unternehmen, desto mehr wird der Iran ermutigt und wendet sich neuen und noch bedrohlicheren Zielen zu.

Die Journalistin Fiamma Nirenstein war Mitglied des italienischen Parlaments (2008-2013), wo sie als Vizepräsidentin des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten in der Abgeordnetenkammer und im Europarat in Strassburg tätig war und den Ausschuss zur Untersuchung des Antisemitismus gründete und leitete. Sie ist Fellow am Jerusalem Center for Public Affairs (JCPA). Auf Englisch zuerst erschienen bei Jewish News Syndicate. Übersetzung Audiatur-Online.

1 Kommentar

  1. Und 2019 schickte der deutsche SPD-Bundespräsident Steinmeier dem Iran Glückwünsche zum Jahrestag der islamischen Revolution und maßte sich an, darin zu schreiben: „auch im Namen meiner Landsleute“.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.