Josef Schuster: Ansehen der documenta ist nicht mehr zu retten

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21. Juni 2022, Kassel, documenta fifteen. Banner des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi mit eindeutig antisemitischen Darstellungen wird abgehängt. Foto IMAGO / Hartenfelser
21. Juni 2022, Kassel, documenta fifteen. Banner des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi mit eindeutig antisemitischen Darstellungen wird abgehängt. Foto IMAGO / Hartenfelser
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Nach dem Antisemitismusskandal liegt das Ansehen der internationalen Kunstausstellung documenta fifteen aus Sicht des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, am Boden.

„Das durch die Macher der documenta zerschlagene Porzellan ist nicht mehr zu kitten, und ehrlicherweise ist das Ansehen dieser documenta auch nicht mehr zu retten“, schreibt Schuster in einem Beitrag für die „Jüdische Allgemeine“ (Donnerstag).

Nun müsse der Blick in die Zukunft gerichtet werden. Ein solches „Desaster“ dürfe sich bei künftigen Kulturveranstaltungen nicht wiederholen, fordert Schuster. „Die Verantwortungsträger für die Kulturpolitik haben eine Zusage gemacht: Antisemitismus darf keinen Platz in Deutschland haben. Dies muss nun eingelöst werden.“

Auf der „größtmöglichen Bühne“ sei sichtbar geworden, was passiere, wenn man Aktivisten der Israel-Boykott-Bewegung BDS das Feld überlasse. Die kritische Auseinandersetzung, die Verantwortungsträger im Vorfeld der documenta nie bereit gewesen seien zu leisten, müsse nun erfolgen, so Schuster.

„BDS-Ideologen die staatlich finanzierten Räume zu nehmen, in denen sie sich aktuell bewegen, ist kein Ausdruck von Zensur. Das ist notwendig, wenn man die Antisemitismus-Bekämpfung ernst nimmt.“ Die Kunstfreiheit sei ein hohes Gut, betont Schuster. „Wer sie als Deckmantel für Hass gegen andere benutzt, missbraucht sie.“

Die documenta war nach Antisemitismus-Vorwürfen heftig in die Kritik geraten. Auslöser war das Banner „People’s Justice“ des indonesischen Künstlerkollektives Taring Padi. Es zeigte unter anderem einen mit Davidstern dargestellten Soldaten mit Schweinsgesicht, der einen Helm mit der Aufschrift „Mossad“ trägt – dem Namen des israelischen Auslandsgeheimdienstes. Das acht mal zwölf Meter große, auf dem Friedrichsplatz in Kassel gezeigte Werk wurde zunächst verdeckt und dann ganz abgebaut.

Auch der Umgang mit den Vorwürfen und die zögerliche Aufarbeitung sorgten für Kritik und Rücktrittsforderungen. Kürzlich hatte sich die bisherige Generaldirektorin der documenta, Sabine Schormann, zurückgezogen.

KNA/lwi/cas

2 Kommentare

  1. Es bleibt ein Kuriosum erster Ordnung, dass selbst ‚Juden mit Pradikat‘ die Vokabel ANTISEMITISMUS verwenden, wenn es gar nicht gegen Semiten allgemein, sondern „nur“ gegen Juden geht.

  2. Ja richtig so! Rücktritt von Claudia Roth, Rücktritt des kasseler Bürgermeisters, kein Cent für BDS, kein
    Raum für BDS und kein Cent für Israelhasser und Antisemiten. Dabei darf diese schreckliche Konferenz „Hijacking Historx“ nicht außer Acht gelassen werden. Das zentrum für Antisemitismus braucht entweder eine neue Leitung oder kann aufgelöst werden. Wie auch das Einstein Forum.

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