Warum ist die fehlerhafte Sache der Palästinenser so wichtig für die radikale Linke?

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Haj Mohammed Effendi Amin el-Husseini (geboren zwischen 1895 und 1897; gestorben am 4. Juli 1974) war ein palästinensisch-arabischer Nationalist und Muslimführer im Mandatsgebiet Palästina. Foto IMAGO / UIG
Haj Mohammed Effendi Amin el-Husseini (geboren zwischen 1895 und 1897; gestorben am 4. Juli 1974) war ein palästinensisch-arabischer Nationalist und Muslimführer im Mandatsgebiet Palästina. Foto IMAGO / UIG
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Die anti-israelische Propaganda der Palästinenser ist, obwohl zutiefst fehlerhaft, zu einem zentralen Bestandteil der Ideologie der radikalen Linken geworden, insbesondere bei den Anhängern der so genannten Intersektionalität.

von Alan M. Dershowitz

Warum wird der palästinensischen Sache so viel Aufmerksamkeit zuteil, wenn es auf der ganzen Welt viel zwingendere Anliegen gibt, wie die der Kurden, Uiguren und anderer staatenloser und unterdrückter Völker? An den Universitäten gibt es mehr Demonstrationen gegen Israel als gegen Russland, China, Weißrussland und den Iran. Und warum? Die Antwort hat wenig mit den Palästinensern und alles mit Israel als dem Nationalstaat des jüdischen Volkes zu tun. Es handelt sich um eine politische Manifestation des internationalen Antisemitismus. Und das nur, weil der Staat, der der Unterdrückung der Palästinenser beschuldigt wird, Israel ist.

Damit soll nicht gesagt werden, dass es falsch ist, die palästinensische Sache zu unterstützen. Es bedeutet, dass es falsch – und bigott – ist, dieser zutiefst fehlerhaften Sache Vorrang vor anderen, gleichwertigen oder verdienstvolleren Anliegen einzuräumen. Die radikale Linke gibt nicht nur den Palästinensern den Vorrang, sie ignoriert auch weitgehend andere Anliegen, nur weil Israel auf der anderen Seite des palästinensischen Problems steht. Der Grund dafür ist eigentlich ganz einfach. Es hat wenig mit den Verdiensten und alles mit Antisemitismus zu tun. Er nennt sich Antizionismus, ist aber nur ein Deckmantel für antijüdische Bigotterie.

Ein aktuelles Beispiel ist die Entscheidung von Ben and Jerry’s Eiscreme, Teile Israels zu boykottieren, während sie weiterhin an Länder verkauft, in denen weitaus größere Missstände herrschen. Auf die Frage, warum Ben and Jerry’s ihren Boykott nur auf Israel beschränkt, gaben die Gründer zu, dass sie keine Ahnung hätten. Nun, ich habe eine Idee. Im Fall von Ben and Jerry’s sind die unwissenden Gründer einfach nützliche Idioten, die unhinterfragt der Schar der linken Antisemiten folgen.

Wer führt die Gruppe der antisemitischen Fanatiker an? Die als BDS bekannte Bewegung, die den Nationalstaat Israel boykottieren will, wurde von einem radikalen Palästinenser namens Omar Barghouti ins Leben gerufen, der keinen Hehl daraus macht, dass sein Ziel die Zerstörung Israels und die Errichtung eines palästinensischen Staates „from the river to the sea“ ist, womit der Jordan und das Mittelmeer gemeint sind – also das gesamte heutige Israel. Er und andere Anführer der BDS-Bewegung, wollen dieses gesamte Gebiet judenrein sehen, das heisst, ethnisch gesäubert von den mehr als 7 Millionen Juden, die jetzt angeblich muslimisches und arabisches Land „besetzen“. Zu diesen vermeintlichen „Besetzern“ gehören dunkelhäutige Juden, Europäer, Asiaten, Afrikaner und Amerikaner; viele von ihnen sind Nachkommen von Menschen, die schon vor der Entstehung des Islams dort gelebt haben, und sicherlich bevor viele der heutigen „Palästinenser“ aus Ägypten, Syrien, dem Libanon, der Golfregion und Nordafrika dorthin zogen. Juden sind in Israel so heimisch wie die Nachkommen von Einwanderern in Amerika.

Verdienen die Palästinenser einen Staat? Ja, aber nicht mehr als die Kurden und andere staatenlose Völker. Warum nicht mehr? Weil den Palästinensern die Staatlichkeit mehrfach angeboten wurde und sie sie abgelehnt haben. Wie der frühere Führer des palästinensischen Volkes es im Wesentlichen ausdrückte, als die Zweistaatenlösung in den späten 1930er Jahren erstmals vorgeschlagen wurde: Wir wollen nicht, dass es einen jüdischen Staat gibt, mehr als wir einen palästinensischen Staat wollen.

Dieser Führer, Mohammed Amin al-Husseini, verbündete sich und sein Volk während des Zweiten Weltkriegs mit Nazi-Deutschland. Al-Husseini verbrachte die Kriegsjahre in Berlin mit Hitler und plante die „Endlösung“ für die Juden im heutigen Israel. Er wurde zum Nazi-Kriegsverbrecher erklärt. Dennoch war sein Bild in vielen palästinensisch-arabischen Häusern zu sehen, und er wurde als Held und Führer angesehen.

Obwohl die Palästinenser auf der Verliererseite des Krieges standen, wurde ihnen im Rahmen der von den Vereinten Nationen vorgeschlagenen Zweistaatenlösung ein Staat auf dem größten Teil des Ackerlandes angeboten; den Juden wurde ein Staat auf einer weitaus kleineren Fläche des Ackerlandes angeboten. In dem Gebiet, das für den jüdischen Staat vorgeschlagen wurde, stellten die Juden eine beträchtliche Mehrheit der Bevölkerung. Die Juden akzeptierten den Kompromiss der Zweistaatenlösung. Die Araber lehnten sie ab und zogen in den Krieg gegen den neuen jüdischen Staat, um ihn zu zerstören. Dieser Akt unrechtmässiger militärischer Aggression führte zu der palästinensischen Flüchtlingssituation, die sie als „Nakba“ („Katastrophe“) bezeichnen. Aber es war eine selbstverschuldete Katastrophe. Und viele der heutigen palästinensischen Führer und Anhänger werfen ihren Vorgängern vor, dass sie die von den Vereinten Nationen vor 75 Jahren angebotene Zwei-Staaten-Lösung nicht akzeptiert haben, wie mir mehrere sagten.

Anstatt in den folgenden Jahren zu versuchen, über einen Staat zu verhandeln, entschied sich die palästinensische Führung unter Jassir Arafat für den Terrorismus gegen israelische und internationale zivile Ziele. Die Palästinenser hätten 1948, 1967, 2000-2001, 2005 und 2008 einen Staat haben können. Dennoch zogen sie einen jüdischen Staat einem palästinensischen Staat, der in Frieden mit Israel lebt, vor. Sie können jetzt einen Staat haben, wenn sie einen Kompromiss aushandeln würden, anstatt den Terrorismus zu schüren.

Ich frage mich, wie viele derjenigen, die gegen Israel demonstrieren, überhaupt eine Ahnung von dieser Geschichte haben. Oder dienen auch sie nur als nützliche Idioten für diejenigen, die die Geschichte kennen, sie aber ungeschehen machen wollen, weil sie zu einem Nationalstaat für das jüdische Volk geführt hat? Das spielt eigentlich keine Rolle. Das Entscheidende ist, dass die irrationale Opposition der radikalen Linken gegen Israel eine moderne Manifestation der ältesten und beständigsten Bigotterie der Welt ist.

Alan M. Dershowitz ist emeritierter Felix-Frankfurter-Professor für Recht an der Harvard Law School und der Autor des kürzlich erschienenen Buches The Price of Principles: Why Integrity Is Worth Its Consequences. Er ist Jack Roth Charitable Foundation Fellow am Gatestone Institute und Gastgeber des Podcasts „The Dershow“. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

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