Auf Twitter an den Holocaust in Auschwitz erinnern

Gedenkstätte betreibt berührenden Social-Media-Auftritt

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Ausstellung im Museum Auschwitz. Foto Oleg Yunakov, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28658053
Ausstellung im Museum Auschwitz. Foto Oleg Yunakov, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28658053
Lesezeit: 3 Minuten

Viele Follower bringen es immer wieder auf den Punkt: Diesem Account auf Twitter zu folgen, schmerzt. Das Auschwitz Memorial sorgt seit zehn Jahren dafür, dass die Opfer des Holocaust nicht vergessen werden.

von Christiane Laudage

Der Twitter-Account der Gedenkstätte Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau wirbt um weitere Unterstützer. „Werden wir in diesem Jahr 1,5 Millionen Follower erreichen? Können Sie helfen?“, heisst es in einem angehefteten Tweet. Denn mit jeder weiteren Person, die dem Account auf der Social-Media-Plattform Twitter folgt, steigt die Reichweite. So können mehr Menschen über die Verbrechen in dem Konzentrationslager aufgeklärt und die Opfer dem Vergessen entrissen werden.

Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau betreibt seit Mai 2012 den Account mit dem Benutzernamen Auschwitz Memorial – @AuschwitzMuseum – auf Twitter. Pawel Sawicki ist seit 2009 für alle Social-Media-Auftritte der Gedenkstätte verantwortlich, auch auf Facebook und Instagram. Der Twitter-Account wird in englischer Sprache geführt.

Er gibt den Opfern einen Namen und ein Gesicht. Da ist der jüdische Junge Laszlo Veiner aus Ungarn. Er war drei Jahre alt, als er am 31. Mai 1944 in den Gaskammern des KZs umgebracht wurde. Oder Manuel Scheffer, am 1. Juni 1937 in Amsterdam geboren. Er wurde im September 1942 nach Auschwitz deportiert und kam zusammen mit seiner Mutter Rachel in den Gaskammern um. Und dann ist da Sonja Roubickova, die einem freundlich-schüchtern entgegenlächelt. Sie wurde am 1. Juni 1926 in Prag geboren. Am 6. September 1943 wurde sie von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert, wo sie starb.

Im Mai 2022 stellte Hanna Kubik, Mitarbeiterin des Museums, auf dem Twitter-Account einen Fund vor, der das Schicksal einer im KZ ermordeten Familie beleuchtet. In dem Schuh der 1939 geborenen Vera Vohryzkova standen ihr Name und die Nummer, die ihr 1943 bei dem Transport nach Auschwitz gegeben wurde. Ihre Mutter Stepanka und ihr zwei Jahre älterer Bruder Jiri starben mit ihr im KZ. Der Vater der Kinder, Max Vohryzek, wurde 1942 umgebracht. Von ihm existiert noch ein Bild und seine Todesurkunde. Von einem weiteren Verwandten, Frantisek Aufrecht, ist der Koffer erhalten. Funde wie diese und die Bilder der Opfer dienen als Mahnung, den Holocaust nicht zu relativieren oder zu vergessen.

Der Account versteht sich auch als Korrektiv, wenn es um Falschmeldungen geht. Er verlangt umgehend eine Richtigstellung, wenn etwa von dem „polnischen Konzentrationslager“ Auschwitz die Sprache ist. Es wird dann klargestellt, dass es sich um ein deutsches KZ auf dem Gebiet des von Deutschland besetzten Polen handelt.

Seit März 2018 sieht das Holocaust-Gesetz bis zu drei Jahre Haft für Personen vor, die Polens Staat und Nation mit Verbrechen der deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg in Verbindung bringen. Kritiker äusserten damals, sie sähen durch das Gesetz die freie Diskussion über die Geschichte und polnische Täter gefährdet. Auch Piotr Cywinski, Leiter der Gedenkstätte, und das Internationale Auschwitz Komitee hatten sich gegen das Gesetz ausgesprochen.

Der Account benennt ausserdem inakzeptable Vorgänge tagesaktueller Natur, wenn zum Beispiel überflüssige Nazivergleiche gezogen werden. Das war besonders während der Corona-Pandemie der Fall. Zum Bildungsauftrag gehört auch, falsche Angaben über das ehemalige Konzentrationslager, zum Beispiel in Romanen oder Sachbüchern, zu korrigieren.

Bei vielen Followern hat das Buch „Der Tätowierer von Auschwitz“ der australischen Autorin Heather Morris einen tiefen Eindruck hinterlassen. Wanda Witek-Malicka vom Auschwitz Memorial Research Center hat dazu einen Faktencheck geschrieben – der Ungenauigkeiten und Fehler aufzeigt und berichtigt. Wenn also Follower dem Account von diesem Buch berichten, dann erhalten sie als Antwort den Faktencheck. Es gibt auch eine Liste mit Empfehlungen zur weiterführenden Lektüre von dem Leiter des Forschungszentrums, Piotr Setkiewicz.

Ob die Gedenkstätte ihr Ziel – 1,5 Millionen Follower – erreichen wird? Bestimmt. Bei der letzten Aktion im Januar 2020, vor dem 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz durch sowjetische Soldaten, hatte der Account die Marke von einer Million Followern erreicht.

KNA/lau/aps/pko/api/Aud

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