Über 2.400 Veranstaltungen im jüdischen Festjahr in Deutschland

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Abschlussveranstaltung Marsch des Lebens am Holocaust-Gedenktag Jom haSchoa. Foto IMAGO / Willi Schewski
Abschlussveranstaltung Marsch des Lebens am Holocaust-Gedenktag Jom haSchoa. Foto IMAGO / Willi Schewski
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Nach mehr als 2.400 Veranstaltungen geht das Festjahr zu „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ im Juli zu Ende. „Wir waren überwältigt. Anfangs hatten wir mit 1.000 Veranstaltungen geplant, wir sind für die grosse Beteiligung und Unterstützung unendlich dankbar“, sagte der Leitende Geschäftsführer des Vereins „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, Andrei Kovacs, in einem am Montag veröffentlichten Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Das Festjahr war im Februar 2021 in der Synagogen-Gemeinde Köln eröffnet und wegen der Corona-Pandemie bis Juli 2022 verlängert worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war der Schirmherr des Festjahres.

„Wir haben jüdisches Leben sichtbarer gemacht und Räume für Begegnungen geöffnet. Wie erfolgreich wir das getan haben, müssen später andere bewerten“, bilanzierte Kovacs. In den Medien hätten sich beispielsweise neue Formate gebildet wie die erste jüdische Late-Night-Show „Freitagnacht Jews“. Dies sei ein „mutiges Format, das es so vor einigen Jahren wohl nicht gegeben hätte“. Kovacs betonte: „Ich glaube, wir befinden uns sowieso in einer Zeit des Paradigmenwechsels, in der ein neues jüdisches Selbstverständnis entsteht und das Zusammenleben neu verhandelt wird. Wir entdecken gerade ein neues Verhältnis zueinander.“

Aus der jüdischen Gemeinschaft seien grösstenteils sehr positive Reaktionen gekommen: Das Festjahr habe dazu beigetragen, „ein neues selbstbewusstes und postmigrantisch geprägtes jüdisches Leben zu zeigen“, so Kovacs. „Und das braucht man für eine gemeinsame Zukunft.“

Der Leitende Geschäftsführer ging auch auf Kritik am Festjahr ein. So gab es beispielsweise Stimmen, die darauf hingewiesen hatten, dass es gar keine 1.700-jährige Kontinuität jüdischen Lebens in Deutschland gegeben habe angesichts von Pogromen und der Schoah. „Das ist uns allen jederzeit bewusst gewesen, und wir haben es natürlich auch nicht ausgeklammert. Wir haben kein ‚Jubeljahr‘ gefeiert, sondern ein Festjahr“, sagte Kovacs. „Und wenn man genau hinschaut, war es nicht ein Fest der Vergangenheit, sondern wir haben vor allem jüdisches Leben heute gefeiert. Denn dass es dieses in Deutschland trotz der Schoah gibt, ist ein Grund zum Feiern.“

KNA/lwi/pko

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