Über die militanten Gruppen die hinter der Gewalt im Westjordanland stehen

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Foto Screenshot "Battle in the West Bank" , VICE News / Youtube
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Nach Zusammenstössen mit den israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) im Dorf Ya’bad im Westjordanland in der vergangenen Woche gaben die mit der Fatah verbundenen Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden eine Erklärung ab, in der sie den Tod eines ihrer Kämpfer, Bilal Kabaha, beklagten. Der Tod von Bilal Kabaha ist ein Zeichen dafür, dass die Aktivitäten der Terroristen im Westjordanland seit letztem Jahr zunehmen. Für den Ausbruch der Gewalt im Westjordanland, insbesondere in Dschenin, gibt es mehrere Gründe.

von Joe Truzman

Die Annullierung der palästinensischen Wahlen und der Konflikt im Mai letzten Jahres im Gazastreifen waren der erste Auslöser für die Gewalt. Hinzu kam die Flucht von sechs Terroristen (die meisten von ihnen waren Mitglieder des Palästinensischen Islamischen Dschihad) aus einem Gefängnis im Norden Israels im September, gleich hinter der Grenze zu Dschenin, was Kämpfer in den palästinensischen Gebieten auf den Plan rief. Schliesslich führten die IDF-Operationen im Westjordanland im Jahr 2021 zu einer ungewöhnlich hohen Zahl von Todesfällen unter den Terroristen, was die ohnehin zunehmenden Spannungen noch verschärfte.

Letztlich war es wahrscheinlich die Tötung einer beträchtlichen Anzahl von Kämpfern im vergangenen Jahr, welche die Terrororganisationen im Westjordanland dazu veranlasste, sich neu zu organisieren und eine gemeinsame Operationsbasis zu schaffen. Gruppen wie Katibat Jenin (Jenin-Einheit), Hizam al-Nar (Gürtel des Feuers) und Katibat Nablus (Nablus-Einheit) wurden gebildet und führten zu einer deutlichen Zunahme der Zusammenstösse mit den IDF-Truppen. Es ist jedoch unklar, ob die Initiative zur Bildung dieser Dachverbände von der lokalen Ebene oder vom Ausland (Gaza, Libanon, Türkei) ausging.

Von diesen Gruppen hat das Long War Journal der Foundation for Defense of Democracies (FDD) fünf bewaffnete palästinensische Organisationen ausfindig gemacht, die Erklärungen abgegeben haben, in denen sie ihre Zugehörigkeit zu den neu gegründeten Formationen angeben oder sich zu Angriffen auf IDF-Truppen mit diesen Gruppen bekannt haben.

Katibat Jenin und Katibat Nablus werden vom Palästinensischen Islamischen Dschihad geführt, während die Hizam al-Nar von den Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden geleitet werden.

Die Hamas, die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) und die Demokratische Front für die Befreiung Palästinas (DFLP) sind in diesen Gruppierungen zwar aktiv, spielen aber eine untergeordnete Rolle. Alle diese Gruppen haben ihre eigenen politischen Bewegungen und sogenannten militärischen Flügel, operieren aber unter den Organisationen Katibat und Hizam al-Nar als eine einzige Einheit, um die IDF zu bekämpfen.

Ein ähnliches Modell wurde im Gazastreifen mit der gemeinsamen Operationsbasis der palästinensischen Fraktionen angewandt. Etwa ein Dutzend militante Organisationen operieren in Zeiten des Konflikts mit Israel unter dem Dach der von Hamas geführten Einsatzzentrale.

Beweise für die neuen Formationen wurden in einem Beitrag von VICE News im Mai gezeigt. Zu Beginn des Videos sind vier der oben genannten Organisationen bei einer Ausbildungsmassnahme in Dschenin zu sehen. VICE News nannte die Namen dieser Gruppen nicht ausdrücklich, das Long War Journal der FDD identifizierte sie jedoch anhand der Bandanas, die von den Kämpfern getragen wurden.

Obwohl die Zusammenstösse mit bewaffneten Gruppen im Westjordanland seit mehr als einem Jahr eindeutig zunehmen, hat die IDF das neue und aggressive Vorgehen der im Entstehen begriffenen Organisationen gegen sie noch nicht öffentlich bestätigt. Es ist unklar, ob dies darauf zurückzuführen ist, dass man die erhebliche Eskalation im Westjordanland durch palästinensische Gruppierungen nicht öffentlich bekannt machen will, oder darauf, dass man nicht gewillt ist, den Gruppen die Anerkennung dafür auszusprechen, dass sie eine halbwegs wirksame Methode sogenannter „Widerstandsoperationen“ gegen das israelische Militär organisiert haben.

Joe Truzman ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Long War Journal des FDD und beschäftigt sich hauptsächlich mit militanten palästinensischen Gruppen und der Hisbollah.

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