Judenfeindschaft kam stets aus der gebildeten Mitte

6
Die renommierte Antisemitismusforscherin Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel hielt die Gedenkrede beim nationalen Gedenktag am 5. Mai 2022 im österreichischen Parlament in der Wiener Hofburg. Foto Parlamentsdirektion / Johannes Zinner
Die renommierte Antisemitismusforscherin Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel hielt die Gedenkrede beim nationalen Gedenktag am 5. Mai 2022 im österreichischen Parlament in der Wiener Hofburg. Foto Parlamentsdirektion / Johannes Zinner
Lesezeit: 7 Minuten

In Österreich findet seit 1998 alljährlich am 5. Mai der nationale Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus statt. Er erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus und die Befreiung des KZ Mauthausen. Bei der diesjährigen Gedenkfeier im österreichischen Parlament wurde betont, nicht nur ein rückwärtsgewandtes Gedenken zu betreiben, sondern aus der Vergangenheit Lehren für Handeln in der Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Die als Hauptrednerin eingeladene Antisemitismusforscherin Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel forderte eindringlich, Einspruch gegen die heutigen Erscheinungsformen des Antisemitismus zu erheben. Sie machte deutlich, dass Judenfeindschaft kein Randgruppen-Phänomen ist, sondern immer aus der gebildeten Mitte kam und antisemitische Stereotypen auch heute in der Gesellschaft aktiv sind. Diese könnten nur dann überwunden werden, wenn antisemitischer Rede immer konsequent entgegengetreten werde – auch wenn es unbequem sei. Der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache e.V. (VRdS) hat diese wichtige und hochaktuelle Rede im Wortlaut dokumentiert:

Meine sehr geehrten Damen und Herren, bitte erwarten Sie von mir keine Sonntagsrede mit optimistischen Tönen. Die Lage ist zu ernst, um Floskelkultur zu praktizieren. 

Wir befinden uns – um es mit den Worten Fritz Sterns zu sagen –  in einer Zeit der „kulturellen Verzweiflung“ angesichts Verschwörungsdenken,  Demagogie, Realitätsverdrehung,  Propaganda, Demokratiezweifel – und angesichts eines brutalen Krieges, in dem auch die letzten ukrainischen Shoah-Überlebenden umgebracht werden.

Der israelische Historiker Jacob Katz stellte vor 50 Jahren die Frage, ob der Holocaust als präzedensloses Menschheitsverbrechen einen anhaltenden Katharsis-Effekt haben würde, um „endlich das alte Paradigma der Abwertung jüdischen Lebens“ beenden zu können. 

Judenhass ist höchst präsent und aktiv

Heute wissen wir, dass es nicht die erhoffte flächendeckende Wende, nicht die tiefgreifende Zäsur gab. Die kollektive Emotion Judenhass, sie ist höchst präsent und aktiv. Überall in der Welt. Einige Fakten aus der empirischen Forschung:

Nein, Antisemitismus ist keineswegs primär ein Randgruppen-Phänomen von Rechtsradikalen und Islamisten. Ja, Judenfeindschaft ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. 

Nein, der klassische Anti-Judaismus ist keineswegs zurückgedrängt. Ja, über zwei Drittel aller antisemitischen Äusserungen und Verschwörungsfantasien im Netz 2.0 basieren auf uralten Stereotypen. Und sie lassen das Echo der Vergangenheit in einer noch nie dagewesenen Quantität erschallen. 

Nein, Antisemitismus ist kein austauschbares Vorurteil und auch nicht mit Rassismus oder Xenophobie gleichzusetzen. Ja, Judenfeindschaft ist eine singuläre kulturhistorische Denk-Kategorie, tief verankert im kollektiven Bewusstsein. 

Nein, Bildung und demokratische Einstellung schützen keineswegs immer vor einer judenfeindlichen Gesinnung. Ja, auch gebildete, modern agierende, aufklärerische, renommierte Personen produzieren Antisemitismen. 

Die Mitte als Quelle des Antisemitismus

Judenfeindschaft kam stets aus der gebildeten Mitte. Der Grossteil der abendländischen Kultur zeugt davon. Daher ist die inflationäre Schlagzeile „Judenhass habe die Mitte erreicht“ irreführend. Die Mitte ist nach wie vor die Quelle – und ihre geistige Substanz nährt die Ränder, nicht umgekehrt.

Nehmen wir als aktuelles Beispiel die Universitäten. In den USA grassiert heute ein Campus-Antisemitismus: Immer mehr junge Juden werden dort attackiert. Akzeptanz findet nur, wer sich anti-israelisch äussert.  Es zeigt sich, dass akademische BDS-Aktivitäten zu einer massiven Zunahme antisemitischer Vorfälle führen.  Erinnern wir uns, dass viele Universitäten in Europa in den dreißiger Jahren zu den ersten Institutionen gehörten, die ihre jüdischen Mitglieder drangsalierten und vertrieben.

Das anti-jüdische Ressentiment artikuliert sich im öffentlichen Kommunikationsraum seit Jahren wieder offener, selbstbewusster – und selbstverständlicher, ohne dabei immer die dringend benötigten Reaktionen in Politik und Zivilgesellschaft auszulösen.

Da war der Friedensnobelpreisträger und Menschenrechtsaktivist, der sich gegen Rassismus engagierte, jedoch wiederholt den jüdischen Staat mit diffamierenden Phrasen stigmatisierte, der den Tod in den Gaskammern mit Apartheidsanalogien marginalisierte und stereotypfestigend „die jüdische Lobby“ beschuldigte, mächtig und angsterregend zu sein.  Geschadet hat dies ihm und seinem weltweiten Ansehen nicht. 

Da ist der renommierte Post-Kolonial-Wissenschaftler, der mit antijudaistischen Floskeln Israel dämonisiert und den Holocaust relativiert. Die sind Personen aus der Kunst- und Kulturszene, die Meinungsfreiheit ausgerechnet für die antisemitische Kampagne der BDS fordern. Da ist die renommierte Kunst- und Kulturorganisation, die die Kunstfreiheit auch bei Israelhass für unantastbar hält. Und da sind die Friedensaktivisten und Anti-Rassismus-Gruppen, die für alles und jeden Toleranz und Verständnis haben, nur in einem einzigen Punkt nicht: für das jüdische Bedürfnis, nach 2000 Jahren Unterdrückung endlich ohne Belehrungen leben zu wollen.

Im 21. Jahrhundert mutet man Jüdinnen und Juden sehr viel zu. Ihre Ängste werden klein geredet, ihr Trauma heruntergespielt, ihre kollektive Trauer- und Leiderfahrung durch krude Vergleiche verhöhnt, die Shoa von einigen Historikern gar post-kolonial usurpiert und damit trivialisiert. Stets begleitet von der Beteuerung, mit Antisemitismus habe all dies selbstverständlich nichts zu tun. 

Der aktuelle Antisemitismus aber, er lebt und nährt sich nicht nur vom antisemitisch Ausgesprochenen, sondern auch vom Dulden, Wegschauen und vom Leichtnehmen

Judenfeindliche Kommunikation seit 19 Jahrhunderten die Norm

Die Lehren, die mit Jahrzehnten der Verspätung aus Auschwitz und Mauthausen gezogen wurden, erfassen oft weder die Ursache noch die Tiefe der kulturellen Verankerung von judenfeindlichem Denken und Fühlen. Vor den Konzentrationslagern gab es über 19 Jahrhunderte lang ununterbrochen judenfeindliche Kommunikation als Norm, wohlgemerkt als Regel, nicht als Ausnahme.

Jüdisches Denkmal in der Form einer Menora in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen in Österreich. Foto IMAGO / imagebroker/begsteiger

Über die toxischen Wurzeln des Judenhasses wissen wir nach Jahrzehnten der Forschung so viel, dass niemand mehr eine ernsthafte Diagnose für die Therapie mit dem Hinweis, man wisse noch zu wenig über Antisemitismus, in die Zukunft verschieben muss. Wir wissen sehr genau, wie sich Judenfeindschaft manifestiert und können klar Auskunft geben, wann eine Äusserung antisemitisch ist. Wir wissen sehr genau, wie legitime Kritik abzugrenzen ist von Sprechakten der Diskriminierung und Diffamierung. 

Doch faktenresistent und wissenschaftsfeindlich halten viele fest an der Behauptung, man wolle die Meinungsfreiheit beschränken und es gebe ein Kritik-Tabu. Dabei offenbart sich allzu oft eine Doppelmoral, man könnte es auch Scheinheiligkeit nennen: Die toten Juden ehren, die lebenden Juden als Landräuber, Kindermörder und Rassisten verunglimpfen. 

Ich halte es hier als Wissenschaftlerin mit Georges Steiner. Man kann eine mit Lügen gefüllte Sprache nur durch „drastischste Wahrheiten“ bekämpfen: Wer heute öffentlich den jüdischen Staat als Apartheidsregime diffamiert, der produziert genauso realitätsverzerrenden Antisemitismus wie die, die behaupten, Juden schlachteten Kinder für rituelle Zwecke.    

Selbstgerechte Unterdrückungs- und Opferfantasien

Wie dringend notwendig wären dazu Stimmen des Bedauerns ob des Missgriffs in die Schublade unangemessener Rhetorik. Doch stattdessen selbstgerechte Unterdrückungs– und Opferfantasien. Wer in unseren Demokratien von „Zensur“ und von „Gesinnungsdiktatur“ fabuliert, der sollte beschämt den Blick auf Länder lenken, wo Menschen für ihre Meinungsfreiheit weggesperrt oder getötet werden.

Ganz gleich, in welcher Form und von wem auch immer artikuliert: (auch wenn es vom russischen Aussenminister kommt!)  Judenfeindliche Äusserungen müssen ohne Ansehen der Person – ohne Wenn und Aber – zurückgewiesen werden. Und zwar auch dann, wenn es unbequem für die eigene Realpolitik ist. Abgelegt werden muss hierbei auch die Zurückhaltung, den lautstark artikulierten islamischen Judenhass unzweideutig anzusprechen. 

Judenfeindliche Rhetorik nur bei Radikalen und Extremisten zu brandmarken, Bildungsbürgern im Feuilleton jedoch „kritische Reflexionen“ zugestehen: Das konterkariert jede Aufklärung.

Freiheit ohne moralische Begrenzung verliert sich in Intoleranz und Rücksichtslosigkeit

In der Bereitschaft, jedweden Antisemitismus zu kritisieren, zeigt sich, ob die rituell benutzten Sprüche „Mit aller Entschiedenheit“ und „Nie wieder“ wirklich ernst gemeint oder am Ende nur Worthülsen sind. Benötigt wird eine kommunikative Ethik und Praxis, die die Macht und das Gewaltpotenzial von Sprache berücksichtigt und bei aller benötigten Meinungsfreiheit dann Einspruch erhebt, wenn vergiftende Wörter benutzt werden. Freiheit ohne moralische Begrenzung verliert sich in Intoleranz und Rücksichtslosigkeit. Die Begrenzung eben solcher destruktiven Aktivitäten macht jedoch am Ende eine wirklich humane Gesellschaft aus. Mit Blick auf die „offene Gesellschaft“ schrieb daher Karl Popper vor über 70 Jahren: „Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranten nicht zu tolerieren.“

Antisemitische Äusserungen entschieden kritisieren

Die moralische Substanz einer demokratischen Gesellschaft muss gefühlt, getragen und tatsächlich gelebt sowie vor-gelebt werden. Und dies wäre die effektivste Waffe gegen Judenhass: Antisemitische Äusserungen immer zu kritisieren, ganz gleich, wie schöngefärbt sie daherkommen. 

Denn jeder öffentlich artikulierte Antisemitismus, der nicht mit aller Entschiedenheit als solcher angesprochen wird, verstärkt erneut – und rückwärts gewandt – das alte kulturelle Normalisierungsgefühl. Folglich würde Antisemitismus dann wieder habituell. In bestimmten Kreisen ist dies schon der Fall.

Die Vergangenheit lässt sich nicht ausblenden, sie durchdringt mit Wucht die Gegenwart – und sie wird unsere Zukunft weiterhin gestalten, wenn man sich ihr nicht stellt und sie explizit immer beim Namen nennt. Solange Antisemitismen im Namen von „Kritik“, „Kunstfreiheit“ oder „politischer Empörung“ akzeptiert werden, solange wird Antisemitismus bleiben und sein geistiges Gift ungehindert verbreiten.

Die Gedenkveranstaltung gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus fand am 5. Mai 2022 im österreichischen Parlament in der Wiener Hofburg statt. Sie wurde vollständig aufgezeichnet und ist hier abrufbar. Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel ist Leiterin des Fachgebietes Allgemeine Linguistik am Institut für Sprache und Kommunikation an der Technischen Universität Berlin und hat zahlreiche Studien zu aktuellen Erscheinungsformen des Antisemitismus publiziert, u.a. über Judenhass in den Sozialen Medien. 

Megilla - Jüdisches leben in Reden

Nachweislich seit 1700 Jahren leben Juden auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Dies belegt ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321, demnach Juden in Köln städtische Ämter bekleiden dürfen. Der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache e.V. (VRdS) hat zum Festjahr "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" das Projekt "Megilla - Jüdisches leben in Reden" als Sammlung historischer und aktueller Reden konzipiert.

6 Kommentare

  1. @nussknacker56 Ich habe mir den Beitrag von Susanne nach Ihrer Einordnung nochmals aufmerksam durchgelesen, mit besonderem Augenmerk auf Rechtfertigung von „Putins Krieg“ , wie sie es nennen, durch die Autorin. Eigentlich bin ich gegenüber Propaganda sehr empfindlich, weshalb ich ein wenig erschrocken war, diese hier anscheinend überlesen zu haben. Wie Ihnen sicher auch bekannt ist, hört man, wenn ein Krieg erst einmal ausgebrochen ist, nichts anderes mehr, und muss auf die Wahrheit warten, bis die Historiker sie unter den Trümmer hervorgeholt, abgestaubt und sortiert haben. Und selbst dann schreibt bekanntlich der Sieger die Geschichte, weshalb es nicht bei einem Historiker bleiben sollte.
    Dessen eingedenk, habe ich im Beitrag von Susanna nur am Rande überhaupt eigene Meinungsäußerungen zu Putin oder den Kriegsgründen finden können, schon gar nichts zum Verlauf des Krieges. In Ihrem beitrag finde ich aber sehr viel von dem, was Susanna am Umgang mit Politik heutzutage kritisiert. Es ist genau die Emotionalität, die aus Ihrem Beitrag spricht, der sie sich selbst weitgehend enthält. Der letzte Satz alleine könnte als eine Verteidigung des Systems Putin verstanden werden, auch wenn sie auch dort nur die Vorgänge beschreibt und erklärt, und nicht rechtfertigt. Ihre Vermutung, Putin würde Lawrow aufgrund seiner Äußerungen ersetzen, wenn er denn passenden Ersatz für ihn hätte, ist ihre Vermutung, die ein bestimmtes Bild von Putin unterstellt, welches man nicht unbedingt bei ihm sehen muss, aber welches mir auch nicht völlig ausgeschlossen erscheint. Ich würde daher nicht so weit gehen, diese Äußerung als „Propaganda“ zu bezeichnen, und Susanne (von der ich bisher noch nichts bewusst gelesen habe) als Putins Marionette hinzustellen und sie so aus jedem Diskurs auszuschließen. Da Sie es offensichtlich tun, werden Sie ihre Gründe dafür haben, welche aber sicher nicht in dem hier abgedruckten Kommentar liegen dürften, denn dafür gibt dieser wirklich keinen Anlass. Friesels Hauptaussage fasst diese selbst mit den Worten Karl Poppers zusammen, und ich finde, diese stehen nicht im Widerspruch zur freien Meinungsäußerung, wie Susanne sie hier in ihrem Kommentar geäußert hat, denn sie überschreitet zu keinem Zeitpunkt die Grenzen des Tolerierbaren. Ihre Aussagen, und vor allem auch ihre ihr gegenüber angeschlagene Tonart, Herr nussknacker56, erfordern dagegen doch Einiges an Toleranz, nicht nur vom Susanne, sondern auch von anderen Lesern. Ich wünschte, Sie würden zu einer gemäßigteren Ausdrucksweise finden, im Sinne dieses ganzen Kommentarforums, auch, wenn ich die Tragweite der Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen beiden nicht überblicken kann. Schade, dass man hier die anderen nicht persönlich und privat anschreiben kann, um vielleicht Missverständnisse zu klären, die sich öffentlich nur sehr schwer klären lassen, aber so ist es leider nun mal.

  2. Lieber Herr Pechstein,

    ich glaube Sie haben mein Problem mit Susanna falsch verstanden. Susanna macht hier Propaganda für den russischen Kriegsverbrecher Putin. Sie rechtfertigt seinen mörderischen Krieg gegen die Ukraine und hält ihm beständig die Stange. Das ist keine(!) Meinung, sondern die skrupellose Rechtfertigung für Massenmord, Terror und Vergewaltigung der ukrainischen Zivilbevölkerung und die Versklavung eines selbstständigen Staates.

    Darüber hinaus ist Susanna völlig unfähig auf Kritik zu reagieren. Sie ist eine politische Autistin, die entweder zu bequem oder intellektuell nicht in der Lage ist, argumentativ einer Kritik zu begegnen.

    Was ich ebenfalls nicht akzeptieren kann ist, dass sie x-beliebige Beiträge okkupiert um ihre Dauer-Propaganda für Putin abzusetzen. Das ist in dem unteren Beispiel erneut der Fall. Sie befasst sich nicht wirklich mit den Aussagen von Schwarz-Friesel, sondern erwähnt diese rein formal um dann mit ihrem Sermon loszulegen.

    Ich verstehe, worauf Sie hinauswollen, Herr Pechstein. Toleranz bedeutet m.E. jedoch nicht, dass keine Regeln mehr gelten und dass geäußerte Ansichten ohne Widerspruch hingenommen werden müssen.

    Was mich inzwischen doch ziemlich nachdenklich macht, ist die Tatsache, dass ich hier anscheinend der Einzige bin, der sich an dieser stupiden Propaganda für den russischen Faschismus stört.

  3. @nussknacker56 Also ich sehe da schon eine Parallele zwischen Susannas Beitrag und der Rede von Frau Schwarz-Friesel. Beide haben ehrliche Kommunikation im Blick und beide kritisieren die Heuchelei der Gesellschaft bei bestimmten Themen. Susannas Beitrag öffnet aber zusätzlich den Blick auf ein weiteres Feld, und zeigt uns sehr gut, dass Antisemitismus nur die Spitze eines Konzeptes ist, dessen zentrales Ziel es war und ist, Menschen mit anderen Ansichten als Blitzableiter für die Unzufriedenheit mit der Gegenwart zu missbrauchen. Ob diese Ansichten religiös sind, wie bei den Juden, oder ob sie nicht religiös sind, wie bei anderen von Susanne angesprochenen Themen, ist nicht bedeutsam. Der Mechanismus ist der gleiche, und er sucht sich seine Opfer stets bei den Schwächsten, oder denjenigen, die man dafür hält.
    Das Judentum zeichnet sich gegenüber anderen Kulturen dadurch aus, dass es die Stimmen der Minderheit nicht zum Verstummen bringen will, sondern sie in den Wertekanon integriert und sorgsam aufbewahrt. Nicht umsonst gibt es den Spruch „zwei Juden, drei Meinungen“. Der Midrasch lebt dieses Prinzip vor, indem er bei der Suche nach der Wahrheit niemals die Behauptung aufstellt, diese gefunden zu haben, sondern höchstens ihre Annäherung. Dabei respektiert er, dass andere Meinungen durchaus einen Teil der Wahrheit enthalten können, und daher auch dann wertvolle Beiträge sind, wenn sie mit der eigenen Erkenntnis nicht im Einklang stehen. Meinungsunterdrückung ist immer ein Ausdruck der Intoleranz, welche zur Ausgrenzung und Entmenschlichung des Andersdenkenden führt, und ihn zum Gegner macht, statt an seiner Ansicht die eigene Meinung zu schärfen.
    Susannes Beitrag zeigt auf, dass das Konzept der Ausgrenzung in allen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens allgegenwärtig ist, und sich nicht auf Antisemitismus beschränkt. Er verdeutlicht, dass der Kampf gegen Antisemitismus immer auch ein Kampf gegen Ausgrenzung allgemein ist, nicht nur die der Juden, und als solcher viel wertvoller für eine Gesellschaft, als sich diese oft klar macht. Es ist ein Beitrag zum Frieden in der Welt. Danke für diese Einsicht!

  4. Die Rede ist ausgezeichnet, wie eigentlich alles, was Frau Schwarz-Friesel kommt. Dennoch eine Anmerkung: Es gibt einen Informationskrieg in Westeuropa, das war am Beispiel der Pandemie sehr deutlich. Wer hier Kritik äußert, wie sachlich auch immer, wurde und wird verunglimpft, beleidigt, ausgegrenzt. Es ist ein ähnlicher Mechanismus beim Postkolonialismus, der Emotionen anstelle von Fakten setzt. Denn natürlich gab es nicht nur „schwarze“ Sklaverei sondern die „weiße Sklaverei, die menschenjagd auf bewohner der Rus. Doch durch den Russenhass, der die westliche Politik seit dem Ersten Weltkrieg begleitet, ist es fast unmöglich, diesen Handel, der die Wirtschaftsgrundlage der Khanate und des Osmanischen reichs darstellte, zu beforschen. Ebenso die aktuelle Politik gegen Russland: auch hier herrschen Emotionen anstelle von sachlichen Abwägungen vor. Ein krieg gegen Russland bringt der EU nur Nachteile aber jede kritische Äußerung an dieser Politik erzeugt ein schreckliches emotionales Geheul. Emotionen anstelle von Argumenten oder Sachlichkeit ist keine direkte zensur, sie birgt aber eine Gewalt in sich, erzeugt eine störende Doppelmoral und eine meinungsführerschaft. Diese Meinungsführerschaft, die bereits Frau merkel zur Kunstform entwickelt hat, wird sehr aggressiv von den Grünen und ihrem Umfeld aber auch der selbst ernannten linken weiterentwickelt. Zudem höre ich nichts über die enge deutsche partnerschaft mit Katar, einem Terrorstaat, der Israel vernichten will. oder die Türkei, die grauen Wölfe in Deutschland, die schon selbst gebastelte Fahnen verbrannt haben, mit denen sie ihre Bereitschaft zum Judenmord dargestellt haben. Katar finanziert auch- das wundert mich nicht, einige postkoloniale, ja es ist auch einer der wichtigsten Investoren in Deutschland. Das alles ist keine Zensur aber meinungsmache, manipulation. Und nebenbei hat sich Putin umgehend für die antisemitische Rede von Herrn lawrow entschuldigt. Derzeit wird er vermutlich keinen Ersatz für ihn finden, um ihn zu ersetzen.

  5. „Die Mitte ist nach wie vor die Quelle – und ihre geistige Substanz nährt die Ränder, nicht umgekehrt.“

    Monika Schwarz-Friesel ist präzise wie immer. Ich kann ihr nur beipflichten: So gut wie alle Antisemiten und Israelhasser, die ich kenne, besitzen zumindest das Abitur und haben später studiert. Das ist besonders niederschmetternd, wenn man der Ansicht ist, mehr Bildung würde automatisch helfen.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.